Kolumne: Alles Kultur

Musicals sind mein Laster

Annie Heger
|
Eine Kolumne von Annie Heger
| 27.12.2021 09:18 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Annie Heger
Annie Heger
Artikel teilen:

Auf unserer Internetseite veröffentlichen wir sechs Mal pro Woche eine Kolumne. Montags geht es um Kultur.

Vielleicht lagen sie bei Euch unterm Weihnachtsbaum – Karten fürs Musical. Über diese Unterhaltungsform streiten sich ja die Geister. Viele empfinden Musicals als banal, unauthentisch, ohne Tiefgang. Und jetzt komm ich mit meiner einigermaßen seriösen Kulturkolumne und schreibe über Musicals. Ich bekenne mich schuldig: Musicals sind mein „Guilty Pleasure“ (übersetzt: schuldbewusstes Vergnügen), mein heimliches Vergnügen, mein Laster. In vielen Konzertankündigungen bezeichnet man mich als „Liza Minelli Ostfrieslands“ oder als „Spatz von Spetzerfehn“, ganz so heimlich scheint meine Leidenschaft also nicht zu sein, wobei ich mich mit den beiden Grand Dames verglichen doch arg überschätzt fühle.

Zur Person

Annie Heger (38), geboren in Aurich und heute hauptsächlich in Berlin lebend, ist abgebrochene Religionslehrerin, abgebrochene Diätassistentin und geprüfte Heilpraktikerin für Psychotherapie, aber vor allem ist sie als Künstlerin bekannt. Sie singt, ist Schauspielerin und moderiert Shows, Festivals, Varietés und Galas. Außerdem ist sie Plattdeutsch-Aktivistin, unter anderem als Intendantin des „PLATTart“-Festivals.

Alles begann mit dem Musical, das am absurdesten und umstrittensten ist, weil dabei Menschen in Katzenkostümen tanzen und es auch noch ernst meinen. Aber ich hatte als Kind eine „Cats“-CD und konnte alles laut mitsingen, bevor ich überhaupt begriffen hatte, worum es ging. Später habe ich die Show in Hamburg gesehen und war nicht schlauer, aber immer noch genau so begeistert. Mein erstes Musical, das ich allerdings auf einer Bühne gesehen habe, war mit 13 Jahren die imposante Vorstellung von „Les Miserables“. Dramatisch und zum Heulen schön!

Als ich dann mit 16 Jahren in die Nähe von New York gezogen bin, landete ich im absoluten Musicalparadies. Der Broadway warn quasi um die Ecke. Aber vor allen Dingen auch weil Musicals, Show und Entertainment in den USA einen ganz anderen Stellenwert haben und hoch angesehen sind. Das verrückteste aller Musicals, das ich dort sah, war „The Book of Mormon“. Später habe ich sogar eine Musicalausbildung angefangen und bei einer meiner ersten Produktionen am Staatstheater in Oldenburg („On the town“) meine späteren Swingbandmädels kennengelernt.

Ach, Musicals sind so viel mehr als König der Löwen und Tanz der Vampire – sondern mit Cabaret oder Yentl auch nötige Sozialkritik. Habt ihr auch so eine „Guilty Pleasure“? GZSZ? Salami mit Nutella? Roland Kaiser?

Kontakt: kolumne@zgo.de

Ähnliche Artikel