Bundespräsidentenwahl
Ein Vermittler ist gefragt
Die FDP kann sich nun auch eine weitere Amtszeit des amtierenden Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier vorstellen. Aber ist das überhaupt eine gute Idee?
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier steuert auf eine zweite Amtszeit zu. Aber abgesehen von seinen Chancen: Sollte er überhaupt erneut antreten? Kritiker werfen dem SPD-Politiker vor, blass und bürokratenhaft zu wirken. Manche nennen ihn langweilig. Kein Vergleich mit Staatsoberhäuptern wie der Queen oder dem pastoralen Duktus eines Johannes Rau oder Joachim Gauck. Oder wer könnte sich an den entscheidenden Satz erinnern, mit dem Steinmeier den Pandemie-Diskurs geprägt hätte, gar an mehrere Sätze?
Ja, aus diesem Argument könnte man folgern, es wäre besser, wenn der Präsident auf eine zweite Amtszeit verzichtete und charismatischeren Kandidaten den Vortritt ließe. Aber: Die Gräben im Land wachsen gerade besonders schnell. Meinungsaustausch endet heutzutage allzu oft in Schlagabtausch und verhärteten Fronten. Gerade in einer solchen Situation braucht es jemanden, der als Identifikationsfigur vermittelnd wirkt, statt noch weiter zu polarisieren.
Steinmeier, das muss man ihm zugestehen, hat einen guten Job gemacht. Nicht nur innerdeutsch, sondern auch im Ausland hat er die Bundesrepublik würdig vertreten. Und seine besonnene Amtsführung könnte man auch anders deuten: nicht als blass und glamourfrei, sondern als zuverlässig und ausgleichend. Genau das ist in der jetzigen Situation gefragt.