Osnabrück
Niedersachsenmetall-Chef: Bis zu 20.000 Jobs fallen in Autoindustrie weg
Der Niedersachsenmetall-Chef Volker Schmidt sieht einen Arbeitsplatzabbau in der Automobilindustrie für unabdingbar - obwohl die Kurzarbeiterregelung verlängert wurde. Insbesondere die Zulieferer sind betroffen.
Wie geht es für die Automobilindustrie im kommenden Jahr weiter? Niedersachsenmetall-Chef Volker Schmidt ist sich sicher: „Die Kernaufgabe für 2022 wird sein, eine leistungsfähige Zulieferindustrie am Leben zu halten“, sagte er unserer Redaktion. Das bezieht Schmidt nicht nur auf unmittelbare Lieferanten der Automobilkonzerne, sondern auch auf die vorgelagerten Lieferanten und nennt als Beispiel Gießereien. „Viele von ihnen sind schon seit geraumer Zeit in einer Schieflage. Da wächst ein großes Problem heran“, so der Niedersachsenmetall-Chef.
In diesem Zusammenhang lobt Schmidt die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes bis zum Frühjahr kommenden Jahres. „Hätte die Politik die Zahlung des Kurzarbeitergeldes nicht über den Jahreswechsel hinaus verlängert, müssten wir in absehbarer Zeit von einem Arbeitsplatzabbau in der niedersächsischen Autoindustrie im fünfstelligen Bereich ausgehen“, sagte er weiter. Aber auch so werde die Automobilindustrie nicht um Jobverluste herumkommen, so Schmidt. Er rechnet bis Mitte nächsten Jahres mit 15.000 bis 20.000 wegfallenden Arbeitsplätzen.
Chipkrise könnte Jobverluste erhöhen
Sollte die Chipkrise weiter anhalten, müsse man mit 30.000 Stellen bis Jahresende rechnen. Die Anfragen zu betriebsbedingten Kündigungen in größerem Umfang hätten sich infolge der schwelenden Unsicherheit seit Mitte November stark erhöht - gerade aus den Reihen der Zulieferer. Die Chip-Krise habe sich verschärft, und mit festen Ordermengen der Hersteller könne auch weiterhin nicht gerechnet werden. „Für das Verhältnis Hersteller zu Autozulieferer gilt stärker denn je, dass es eine Partnerschaft auf Augenhöhe sein muss. Davon sind wir derzeit bei einigen Autobauern Lichtjahre entfernt.“
Sorge um einen Arbeitsplatzabbau macht sich auch die IG Metall in Niedersachsen. „In einem Fünftel der Betriebe redet man über Personalabbau. Ein Auslaufen der Kurzarbeiterregelung hätte die Lage noch einmal verschärft“, sagt IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger und ergänzt: „Die zentrale Frage der nächsten Jahre wird sein: Wie können wir den Automobilstandort Deutschland in eine sichere, wettbewerbsfähige und klimaschonende Zukunft navigieren?“
Gewerkschaft: Wertschöpfung in Deutschland halten
Im Mittelpunkt müssen für Gröger bei dieser Frage die Beschäftigten stehen, die unmittelbar mit der Transformation und ihren Folgen konfrontiert sind. „Es geht um die Sicherung hunderttausender Arbeitsplätze - nicht nur bei Volkswagen und den Großkonzernen, sondern auch bei den Zulieferern und den Dienstleistern“, betont er. Für die Gewerkschaft steht dabei fest: „Industrielle Wertschöpfung muss an deutschen und europäischen Standorten entstehen - über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg, von Forschung und Entwicklung bis zu Produktion und Montage.“