Berlin

Lauterbachs RKI-Konflikt: Abstimmung mit Wieler optimieren

Daniel Benedict
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Von Daniel Benedict
| 22.12.2021 12:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
RKI-Chef Wieler und Gesundheitsminister Karl Lauterbach treten gemeinsam vor die Presse. (Archivbild) Foto: imago-images/NurPhoto(Emmanuele Contini
RKI-Chef Wieler und Gesundheitsminister Karl Lauterbach treten gemeinsam vor die Presse. (Archivbild) Foto: imago-images/NurPhoto(Emmanuele Contini
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Gesundheitsminister Lauterbach beschließt in der Bund-Länder-Konferenz moderate Corona-Maßnahmen. RKI-Chef Wieler will maximale Kontaktbeschränkungen. In der Bundespressekonferenz trafen beide sich wieder.

Am Dienstag haben Bund und Länder neue Corona-Regeln beschlossen. Parallel dazu fordert das Robert Koch-Institut (RKI) via Twitter Maßnahmen, die weit darüber hinausgehen. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zeigte sich über den Vorstoß von RKI-Chef Lothar Wieler irritiert. Am Tag danach stellen sich beide gemeinsam der Bundespressekonferenz. 

Lauterbach stellt sich hinter RKI-Chef Wieler

Trotz des Drucks, denn das RKI mit seiner Empfehlung vor dem Bund-Länder-Gipfel aufgebaut hatte, stützt Gesundheitsminister Karl Lauterbach dessen Leiter Lothar Wieler. Auf die Frage, ob er noch zu ihm stehe, sagte Lauterbach: „Das lässt sich leicht beantworten: Sonst säße er hier nicht.“ Ob er sich über Wielers Vorpreschen geärgert habe, wischte Lauterbach als „Interna“ vom Tisch. 

„In meinem Haus gibt es keine Zensur, was wissenschaftliche Arbeit angeht. Und das wird es auch nicht geben“, betonte Lauterbach. „Von daher bin ich dankbar, wenn wissenschaftliche Auswertungen mich erreichen. Hier war es so, dass sie mich nicht mehr erreicht hatten vor der eigentlichen Sitzung. Da wird die Abstimmung noch optimiert werden.“ Ein „Kernbaustein“ seiner Arbeit werde aber weiterhin die Orientierung an der Wissenschaft sein. „Und da ist auch das Robert Koch-Institut eine ganz zentrale Quelle.

Wieler sieht keinen Konflikt

Wieler selbst stellte sein Eingreifen unmittelbar vor dem Bund-Länder-Gipfel als Selbstverständlichkeit dar: „Das Robert Koch-Institut gibt ja kontinuierlich Empfehlungen raus. Das ist unsere Aufgabe“, sagte er zu seiner Motivation. Auch den Widerspruch zwischen der RKI-Empfehlung sofortiger Kontaktbeschränkungen und den weniger scharfen Bund-Länder-Maßnahmen sah Wieler nicht: „Der gestrige MPK-Beschluss war ja sehr eindeutig. Dort steht ja immer, dass spätestens zum 28. Dezember diese Kontaktbeschränkungen vorgenommen werden sollen“, sagte Wieler. „Insofern ist der Zeitraum, wann das in den einzelnen Bundesländern wirklich gemacht wird, ja sowieso offen.“ Zudem verwies der RKI-Chef auf eine individuelle Verantwortung jenseits von Verordnungen: „Natürlich wird unabhängig davon an jeden einzelnen appelliert, dass er oder sie so gut wie möglich die Kontakte einschränkt.“

Hier können Sie ab 12.30 Uhr die Aussagen von Lauterbach und Wieler im Livestream verfolgen.

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Lauterbach: Omikron-Welle wird sicher kommen

In seinem Eröffnungsstatement stimmte Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) auf eine sicher zu erwartende fünfte Welle ein: „Wir haben in Deutschland so viele Omikron-Fälle“, sagte Lauterbach, „dass wir davon ausgehen müssen, dass sich die Omikron-Welle in Deutschland nicht mehr verhindern lässt.“

Wichtigster Baustein in der Bekämpfung der Omikron-Variante sei eine offensive Booster-Kampagne. Diese könne die Welle nicht ganz verhindern, helfe aber zu vermeiden, „dass sehr viele Menschen schwer erkranken“. Die Wirksamkeit setze dabei bereits eine Woche nach der Impfung ein, sagte Lauterbach. Was symptomatische Erkrankungen angeht, bezifferte er sie auf 70 bis 80 Prozent. Für sehr schwere Fälle erwartet Lauterbach sogar einen Impfschutz von über 90 Prozent. Als vorrangigen Impfstoff nannte der Minister das Vakzin von Moderna, das er noch einmal als sehr gut empfahl.

Wieler fordert Kontaktbeschränkungen

RKI-Chef Lothar Wieler eröffnet seinen Beitrag mit der dringenden Bitte um Kontaktbeschränkungen: „In den vergangenen Wochen waren die Fallzahlen rückläufig, aber leider ist das noch kein Zeichen für eine Entspannung“, so Wieler. „Das Weihnachtsfest soll nicht der Funke sein, der das Omikron-Feuer entfacht“, sagte Wieler und appellierte, „die Zeit zwischen den Jahren zu nutzen, um die Dynamik aus dem Infektionsgeschehen rauszunehmen“, sagte Wieler: „Ich bitte Sie deshalb eindringlich: Verbringen Sie diese Zeit wirklich nur im kleineren Kreis von Freunden, Verwandten und Familie. Bitte schränken Sie Ihre Kontakte auf das Nötigste ein. Treffen Sie möglichst wenige, und wenn, dann immer dieselben Menschen.“ Zusätzlich mahnte Wieler, sich testen zu lassen und bei Treffen auf den vollen Impfschutz aller Beteiligten zu achten.

Der RKI-Chef warnte davor, sich von den fallenden Infektionszahlen täuschen zu lassen: „Eine Inzidenz von fast 300 ist immer noch zu hoch“ - zumal über fünfzig Kreise eine Inzidenz über 500 hätten. Kliniken und Intensivstationen seien weiterhin am Limit. Viele Operationen würden abgesagt, erläuterte Wieler und verwies auf Long Covid und die etwa 2000 Covid-Todesfälle, die Woche für Woche gemeldet werden.

„Während der Feiertage und zum Jahreswechsel wird die epidemiologische Lage nur unvollständig abgebildet sein“, so Wieler. Dann seien Menschen im Urlaub und viele Arztpraxen geschlossen. Mit dem Wegfall der Testungen in Kitas, Schulen und am Arbeitsplatz sei der Überblick zur Pandemie in dieser Zeit lückenhaft. Doch auch wenn deshalb weniger Infektionen gemeldet würden, „wissen wir natürlich ganz genau, was zu tun ist“, sagte der RKI-Chef: „Am wichtigsten ist neben dem Impfen: Je weniger Menschen zusammenkommen, je kleiner das Kontaktnetzwerk ist, desto weniger verbreitet sich das Virus.“

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