Serie „Das kostet!“
Leibchen waschen und Kuchen backen als Strafen-Klassiker
Die hochklassigen Frauenfußball-Teams der Region führen – anders als die Männer-Teams – keinen Strafenkatalog. Stattdessen bestimmen die Trainer individuelle Aufgaben: von Singen bis Platzarbeiten.
Nortmoor/Aurich - Sind Fußballerinnen disziplinierter und zuverlässiger als Fußballer? Die Trainer der am höchsten spielenden Frauenfußball-Teams der Region bejahen diese Frage. So kämen die Landesliga-Frauen und Bundesliga-B-Juniorinnen der SpVg Aurich sowie die Oberliga-Frauen der SG TiMoNo komplett ohne einen Strafenkatalog aus. „Sowas ist bei uns einfach nicht notwendig, weil alle in den richtigen Klamotten und pünktlich erscheinen“, sagt beispielsweise Thorben Cordes, Trainer der Auricher Frauen und Co-Trainer bei den B-Juniorinnen. „Männer sind nicht so diszipliniert und organisiert – ein Grund, weshalb ich lieber mit Mädchen und Frauen zusammenarbeite.“
Wie die bisherigen Teile der Strafenkatalog-Serie „Das kostet!“ zeigen, wird bei den meisten Herren-Fußballteams ein strikter Strafenkatalog geführt. In der Regel gibt es innerhalb der Mannschaft sogar einen Strafenwart, der dafür sorgt, dass Strafgelder für anfallende Vergehen auch bezahlt werden. „In Herrenteams, vor allem in unteren Klassen, scheint es mit der Disziplin erst dadurch zu funktionieren“, sagt Aurichs B-Juniorinnen-Coach Stefan Wilts.
Die Singen-Regel der SpVg Aurich
Neben der Tatsache, dass Frauen „etwas anders ticken“ als Männer, macht er das auch am Alter der Spieler beziehungsweise Spielerinnen fest. „Die B-Juniorinnen gehen alle noch zur Schule, auch bei den Frauen sind viele dabei, die noch nicht wirklich Geld verdienen. Da kann man denen kein Geld aus der Tasche ziehen“, sagt Stefan Wilts. Da es im Mädchenbereich keine A-Jugend gibt, spielen anders als bei den Herren bei den Frauen bereits einige Minderjährige mit.
Entsprechend hält Stefan Wilts in seiner Mannschaft einen Strafenkatalog für „unsinnig“. Seine Spielerinnen seien ohnehin sehr zuverlässig. „Sollte aber doch mal jemand zu spät kommen, gibt es ein ernstes Gespräch. Beim zweiten Mal fehlt diejenige dann am Wochenende im Kader. Aber das kam noch nicht vor.“ Was bei den B-Juniorinnen aber ab und zu passierte, ist, dass die Stützen nach dem Spiel „auf links“ gezogen wurden. Deshalb hat Stefan Wilts eine Regel aufgestellt: „Wer fünfmal die Stutzen falsch herum abgibt, muss ein Lied singen.“ Dieses Vergehen kann nachvollzogen werden, da die Stutzen der Auricherinnen mit Nummern versehen sind. In dieser Saison haben fünf Spielerinnen einen Strich in der „Stutzen-Liste“ gesammelt. Die Regel scheint also zu fruchten.
Bei mehreren Vergehen drohen Platzarbeiten
Auch TiMoNo-Trainer Jan-Henrik Koppelkamm ist ein Fan davon, bei Vergehen individuelle Aufgaben zu verteilen. „Strafen, bei denen Zeit aufgebracht werden muss, sind viel effektiver als Geld einzufordern“, sagt der 23-Jährige. „Die Strafen-Klassiker bei uns sind Leibchen waschen und Kuchen backen.“ Der Kuchen wird dann bei Auswärtsspielen von der Mannschaft selbst verköstigt, bei Heimpartien dagegen verkauft. Manchmal ordnet Trainer Jan-Henrik Koppelkamm bei Fehlverhalten auch den alleinigen Kabinendienst an, zu dem auch das Abziehen der Dusche gehört an.
Mit einer der genannten Aufgaben bestraft Trainer Jan-Henrik Koppelkamm die Oberliga-Spielerinnen nicht nur fürs Zuspätkommen. Auch das zu späte Schicken des eigenen Gesundheitszustandes am Spieltag und das Tragen der falschen Trikotfarbe beim Training – dienstags und mittwochs Rot, freitags Blau – hat ein Nachspiel. „Es kam zwar noch nicht vor, aber wer sich öfters einen Fehltritt leistet, muss einmal bei der Rentnertruppe des SV Nortmoor mithelfen, die jeden Donnerstag Arbeiten am Sportplatz macht.“
Innerhalb der Mannschaft der SG TiMoNo komme die Strafen-Handhabung gut an, sagt Kim Ammermann. „Unser Trainer ist sehr motiviert und nimmt Dinge sehr genau. Da ist es okay, wenn man manchmal eine Aufgabe bekommt“, sagt die Mittelfeldspielerin. Sie führt die Mannschaftskasse und sammelt monatlich fünf Euro von jeder ein. Um Strafgeld muss sich Kim Ammermann nicht kümmern – weil es dieses bei der SG TiMoNo nicht gibt. „Geld als Strafe ist der falsche Ansatz – zumal wir ohnehin eine gute Disziplin im Team haben. Männer sind in dieser Hinsicht sicherlich leichtsinniger.“