Serie „Weihnachten in der Kindheit“
Baumschmücken im Hause Homes ist Kindersache
Als Kind hatte Redakteur Niklas Homes die Ehre, mit seinen Geschwistern den Weihnachtsbaum dekorieren zu dürfen. Er berichtet zudem von einem falsch zusammengebauten Tischkicker.
Wiesmoor - Viele Kinder sehen den geschmückten Weihnachtsbaum erst unmittelbar vor der Bescherung. Anders ist es bei meiner Familie. Von Klein auf durften meine drei jüngeren Geschwister und ich das stachelige Grün im Wohnzimmer dekorieren – in der Regel ein paar Tage vor Heiligabend. Jetzt im Nachhinein – wo wir wissen, dass das Baumschmücken als Kind alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist – sind wir unseren Eltern sehr dankbar für dieses Riesenerlebnis Jahr für Jahr. „Ich fand es früher schade, den Baum nicht schmücken zu dürfen. Und das wollte ich selbst auf jeden Fall anders machen“, erklärt meine Mutter Imke Homes den Traditionsbruch in unserer Familie.
Noch heute ist das Baumschmücken im Hause Homes Kindersache – obwohl nur noch mein jüngster Bruder Luis (17 Jahre) im Elternhaus wohnt. So ließ es sich Luis am Sonnabend nicht nehmen, die Nordmanntanne zu dekorieren. Die Mama durfte aber auch mithelfen. Der Baumschmuck heute ist wie früher derselbe – nur werden mittlerweile neben elektrischen Kerzen auch rote, echte Kerzen angebracht. Das war mit vier Kleinkindern zu gefährlich.
Die Mutter dekorierte nach
Die Auswahl an Baumschmuck ist groß: Figuren aus Holz, Sterne aus Baumwolle, rote Glaskugeln und vieles mehr. Einen ganz besonders guten Platz am Baum haben wir Kinder immer für goldene Glöckchen ausgesucht. Eine musste immer ganz weit oben hängen – jedenfalls so weit oben, wie wir mithilfe eines Stuhls selber rankamen. Wir waren jedes Mal stolz und der Meinung: Wir haben den schönsten Weihnachtsbaum überhaupt! Diese Überzeugung vertrete ich bis heute – nur hat die Geschichte einen kleinen Makel bekommen. So verriet mir meine Mutter in Vorbereitung auf diesen Artikel: „Manchmal habe ich nach eurem Schmücken nochmal nachdekoriert.“ Das ist ja nicht zu fassen! Wir Kinder hatten wohl manche Äste zu sehr mit Baumschmuck überhäuft, andere Stellen dagegen frei gelassen. Kinderaugen sehen eben nicht alles.
Ganz groß wurden diese regelmäßig bei den Bescherungen. Viele Geschenke von früher sind mir noch bestens in Erinnerung geblieben – zum Beispiel ein gelber Roller, ein kleines Aquarium oder eine Ritterburg. Das hatte einst der Weihnachtsmann persönlich vorbeigebracht. Heute weiß ich aber: Es war der Nachbar oder ein Fußballkollege meines Vaters.
2005 hatten wir vier Kinder ein riesiges Gemeinschaftsgeschenk bekommen: einen Tischkicker. Dieser musste noch zusammengebaut werden. Es kostete einige Nerven. Doch es lohnte sich. An den Weihnachtstagen und den Wochen danach wurde nahezu täglich familienintern im Schuppen gekickert. Irgendwann, als mal Freunde mitspielten, gab es dann große Verwunderung: „Hä? Was ist das hier bitte? Der Kicker ist ja falsch herum.“ Wir hatten die Stangen so angebracht, dass man von rechts nach links spielt – und nicht wie gewöhnlich von links nach rechts. Bis heute haben wir uns aber nicht die Mühe gemacht, den Kicker wieder auseinander- und richtig zusammenzubauen. So sorgt der Kicker regelmäßig bei Besuchern für Ärger. „Mit dem hier komme ich nicht klar“, heißt es dann. Ein bisschen Heimvorteil sollte uns ja wohl gestattet sein.
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