Neuer Bundesbank-Präsident
Mehr Einfluss wagen
Joachim Nagel wird neuer Bundesbank-Präsident. Anders als sein Vorgänger muss er sich bemühen, kein „Rufer in der Wüste“ zu werden.
Mit Joachim Nagel hat die Ampelkoalition eine gute Wahl für das Amt des Bundesbankpräsidenten getroffen. Der erfahrene Geldpolitiker steht für Kontinuität. Anders als Jens Weidmann muss er sich jedoch darum bemühen, nicht zu stark als „Rufer in der Wüste“ abgestempelt zu werden. Auch wenn EZB-Präsidentin Christine Lagarde Weidmann als „guten Freund“ bezeichnet, hatte er zuletzt kaum noch Einfluss im Entscheidungsgremium der Notenbank. Hier muss Nagel versuchen, einen neuen Weg zu beschreiten und noch kooperativer mit der EZB zusammenzuarbeiten.
Das soll nicht bedeuten, dass er deren Entscheidungen unkritisch akzeptiert. Er sollte sich auf jeden Fall für eine stärkere Stabilitätsorientierung einsetzen. Aber mit einer anderen Kommunikationsstrategie könnten auch die anderen Mitglieder des EZB-Rats vielleicht wieder offener werden für die Argumente der Deutschen. Es wäre auch dem Ansehen der Notenbank in Deutschland zuträglich, wenn der Bundesbankpräsident der Öffentlichkeit die geldpolitischen Entscheidungen besser verständlich machen könnte. Joachim Nagel ist ein alter Hase in der Geldpolitik, er ist national und international gut vernetzt. Er ist zwar nur einer von 14 nationalen Notenbankpräsidenten. Aber es stünde der EZB gut zu Gesicht, wenn er wieder einer der einflussreicheren werden könnte.
Den Autor erreichen Sie unter mantel@zgo.de