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Stadtwerke-Chef Ackermann kündigt in Emden

Gordon Päschel
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Von Gordon Päschel
| 20.12.2021 19:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Manfred Ackermann in seinem Büro bei den Stadtwerken Emden. Der Geschäftsführer löst seinen Vertrag vorzeitig auf und wechselt ins Ruhrgebiet. Foto: Päschel
Manfred Ackermann in seinem Büro bei den Stadtwerken Emden. Der Geschäftsführer löst seinen Vertrag vorzeitig auf und wechselt ins Ruhrgebiet. Foto: Päschel
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Im Frühjahr war in Emden der Vertrag von Stadtwerke-Geschäftsführer Manfred Ackermann bis 2027 verlängert worden. Am Montag reichte er seine Kündigung ein. Der Schritt kommt nicht ganz überraschend.

Emden - Die Stadtwerke Emden brauchen eine neue Geschäftsführung. Wie der amtierende Geschäftsführer Manfred Ackermann am Montag mitteilte, hört er im Sommer 2022 auf. Am Morgen hatte er beim Aufsichtsrat seine Kündigung eingereicht. Als Ziel gab der 52-Jährige an, sich zum 1. Juli „einer neuen Aufgabe in der Energieversorgungs- und Stadtwerkebranche zu stellen“. Gegenüber der Redaktion erklärte er, zu einem deutlich größeren Unternehmen ins Ruhrgebiet wechseln zu wollen. „Mir fällt dieser Schritt nicht leicht, aber mich reizt es, nach zehn Jahren eine neue Herausforderung anzunehmen“, so Ackermann.

Der Wechsel des Top-Managers kommt plötzlich. Sein Vertrag in Emden war erst im April dieses Jahres vorzeitig um sechs Jahre bis 2027 verlängert worden. Er steht seit 2012 an der Spitze der kommunalen Stadtwerke sowie des Mutterkonzerns, den Emder Wirtschaftsbetrieben. „Es wundert mich sehr“, kommentierte FDP-Ratsherr Erich Bolinius Ackermanns Entscheidung. Jetzt müsse es schnell gehen. Aufgrund der in der Branche und in diesen Positionen üblichen langen Kündigungsfristen hofft er, dass der Aufsichtsrats der Stadtwerke „noch in diesem Jahr“ zusammenkommt. „Wir müssen über das weitere Vorgehen beraten und die Stelle ausschreiben“, so Bolinius.

Belastetes Verhältnis zum Oberbürgermeister

Aufsichtsratsvorsitzender und damit Ackermanns Vorgesetzter ist Emdens Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos). Auch er erfuhr erst am Montagmorgen von der Kündigung. Gänzlich unvorbereitet dürfte ihn der Entschluss nicht ereilt haben. Das Verhältnis zwischen ihm und einem seiner einflussreichsten Manager war belastet.

Zuletzt lösten Aussagen des Geschäftsführers zur Finanzierung und Perspektive der Wirtschaftsbetriebe einen offenen Streit aus. Anfang Dezember hatte Ackermann angemahnt, dass das Eigenkapital gefährlich schrumpfe, wenn Gewinne der Stadtwerke durch den Verkauf von Strom, Gas und Wasser nicht mehr reichen, um Verluste der bei den Wirtschaftsbetrieben angesiedelten Friesentherme und des Freibades Borssum auszugleichen. Er sprach von einer „drohenden Insolvenz“.

Aufsichtsrat kommt zusammen

Kruithoff ging daraufhin ebenfalls an die Öffentlichkeit und bezeichnete Ackermanns Darstellung als populistisch. Er sei „erschrocken und entsetzt“ über die Äußerungen, so Kruithoff. Der Stadtwerke-Chef habe Kunden sowie Politik und Öffentlichkeit „ohne Not“ verunsichert. Die Kündigung und den Wechsel Ackermanns zu einem anderen Anbieter kommentierte Kruithoff am Montag auf Nachfrage mit den Worten: „Ich respektiere die Entscheidung [...] und wünsche beruflich wie persönlich alles Gute.“ Er kündigte an, dass sich der Aufsichtsrat Anfang nächsten Jahres zusammensetze.

Mit dabei sein wird bei dieser Sitzung auch Harald Hemken (SPD). Er bedauere die Entscheidung des Stadtwerke-Chefs sehr, so der Ratsherr. „Das ist nicht gut für Emden. Wir haben schon genug Probleme. Ich hoffe, dass wir jetzt jemanden finden, der in die Fußstapfen passt“, sagte er am Montag.

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