Kolumne: Digital total
Ich kann so nicht arbeiten
Auf unserer Internetseite veröffentlichen wir sechs Mal pro Woche eine Kolumne. Dienstags geht es immer um Digitales.
Es ist immer wieder faszinierend, wie sehr doch die eigene Lebensrealität von dem abweichen kann, was in der medialen und öffentlichen Welt so berichtet wird. Bei Digitalthemen kommt mir das in letzter Zeit immer wieder unter. Das liegt natürlich auch daran, dass ich selbst Teil der Medien bin und als Antwort auf meine Berichterstattung viele Rückmeldungen aus allen Teilen der Gesellschaft bekomme, die mich wissen lassen, wenn ich selbst mal voll daneben lag.
Zur Person
Fabian Scherschel (37), geboren in Duisburg und nun in Düsseldorf lebend, arbeitete bis 2019 als Redakteur für das Tech-Portal Heise-Online und für die Tech-Newsseite „The H“ in London. Als Freiberufler schreibt er unter anderem für das Magazin „c’t“. Mittlerweile hat der begeisterte Podcaster sein eigenes Projekt: fab.industries. Fernseh- und Radiosender schätzen ihn als Experten.
Momentan finde ich diese Diskrepanz zwischen dem was sein sollte, und dem was augenscheinlich ist, besonders beim Thema Home Office gravierend. Wir sollen ja all, wenn möglich, von zu Hause arbeiten. Und ich lese immer wieder, vor allem auch bei meinen Kollegen in der Fachpresse, wie einfach das geworden ist. Was es alles für tolle Tools gibt und wie fortschrittlich Firmen bei dem Thema mittlerweile sind. Mir wird gesagt, dass Breitbandinternet nun endlich in der breiten Masse von Deutschland angekommen ist.
Und dann schaue ich mich um und sehe überall genau das Gegenteil. Eine Freundin will umziehen und ihre neue Vermietergesellschaft hat keinen Plan, was für eine Art Internet-Anschluss in der Wohnung vorhanden ist. Geschweige denn, welchen Provider sie anrufen soll. Mein eigener Internetanbieter droht mir regelmäßig damit, meine Verbindung zu kappen, weil deren Rechnungsabteilung zu inkompetent ist, eingegangene Zahlungen korrekt zu verbuchen.
Leser schreiben mir, dass sie wochenlang Internetprobleme haben und sich niemand zuständig fühlt. Netzbetreiber stellen in Häusern, in denen dutzende Menschen von zu Hause arbeiten, mit weniger als einem Tag Vorwarnung den Strom mitten in der Kernarbeitszeit für Stunden ab. Und wenn man mit einer anderen Firma dringend etwas regeln muss, muss man eh vorbeifahren, weil am Telefon niemand einen Plan hat.
So sollen wir von zu Hause arbeiten? Kein Wunder, dass wir in diesem Land nichts mehr organisiert bekommen.
Kontakt: kolumne@zgo.de
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