VW Emden
VW-Betriebsrat: Wir bräuchten hunderte neue Leute
Der Betriebsrat von Volkswagen in Emden legt sich mit der Konzernführung an. Er wirft den Wolfsburgern Kurzsichtigkeit vor. Ist nun der pünktliche Produktionsstart des ID.4 in Emden in Gefahr?
Emden - Der Betriebsrat des VW-Werks in Emden hat die Konzernführung in Wolfsburg dringend aufgefordert, am ostfriesischen Standort nicht Stellen abzubauen, sondern hunderte neue Leute zur Verfügung zu stellen. „Wir bräuchten eigentlich 1000 Leute mehr“, sagte Betriebsratschef Manfred Wulff am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Emden. Er zog zwar nicht explizit eine Verzögerung beim Bau des ID.4 in Emden in Betracht, sagte aber: „Ich kann doch nur dem Konzernvorstand vertrauen, dass nächstes Jahr besser wird.“
Der Emder Betriebsratschef reagierte mit seiner Forderung nach mehr Personal auf einen Beschluss der Wolfsburger, kurzfristig 148 Leiharbeiter nicht weiter zu beschäftigen. „Diese Entscheidung ist falsch gewesen“, sagte Wulff. „Tatsächlich haben wir spätestens im Frühjahr einen Bedarf von zusätzlichen 1000 Mitarbeitern.“ Wulff bezog sich dabei auf angebliche Konzernzahlen aus Wolfsburg. Bis 2024 sind demnach besagte 1000 Leute zusätzlich notwendig, um die parallele Produktion der Verbrenner und der neuen Elektrofahrzeuge zu stemmen.
„Es hat auch gekracht“
Nach Darstellung von Wulff sollen diese fehlenden Arbeitskräfte nun durch Personalüberhänge aus anderen VW-Produktionsstandorten ausgeglichen werden. „Ich weiß aber überhaupt nicht, wie viele Leute wann und ob überhaupt kommen werden“, beschwerte sich der Arbeitnehmervertreter über die Chefs an der Konzernspitze. Zweieinhalb Wochen habe er für den Erhalt der 148 Leiharbeiter-Stellen im Emden gekämpft. „Da hat es auch mal gekracht“, sagte Wulff. Am Ende sei man immerhin zu der Einigung gekommen, dass die Stammbelegschaft keine Mehrarbeit leisten werde, solange die Zukunft der 148 Leiharbeiter nicht geklärt sei.
Volkswagen beschäftigt aktuell 8500 Mitarbeiter in Emden. In diesem Jahr musste das Werk 72 Tage Kurzarbeit anmelden. Von den geplanten 190.000 Fahrzeugen hätten nur 120.000 gebaut werden können. Grund dafür ist bekanntlich der Halbleitermangel in der Branche. Für nächstes Jahr ist vorgesehen, 260.000 Fahrzeuge in Emden zu bauen. Allerdings ist gleich im Anschluss an die Werksferien in der zweiten Januar-Woche erneut Kurzarbeit angesagt.