Flensburg / Pattburg

Omikron: In die Winterferien nach Dänemark – und dann in Quarantäne?

Carlo Jolly
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Von Carlo Jolly
| 15.12.2021 18:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Urlaubern nach den Weihnachtsferien droht in Dänemark nun eine zweiwöchige Quarantäne. Foto: Fotos: AdobeStock / Illustration: uno
Urlaubern nach den Weihnachtsferien droht in Dänemark nun eine zweiwöchige Quarantäne. Foto: Fotos: AdobeStock / Illustration: uno
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Beiderseits der deutsch-dänischen Grenze fürchtet man, dass das Königreich kurzfristig Virusvariantengebiet werden könnten. Was Reisenden dann droht.

Peter Hansens Büro liegt keine zwei Kilometer von jener Grenze entfernt, auf deren nördlicher Seite gerade zu beobachten ist, wie exponentielles Wachstum funktioniert. Und weil das Büro des Leiters des Infocenters Grenze eben auf dänischer Seite in Pattburg ist, hat er mittlerweile nicht nur die Weihnachtsfeier für seine 16 Mitarbeiter abgesagt, sondern überprüft als Chef auch den täglichen 3G-Nachweis oder das Einhalten der überraschend auch zurückgekehrten Maskenpflicht.

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Das freundlich-liberale und pragmatische Königreich ist im Advent voll von der neuen Virusvariante erwischt worden. Dienstagabend sind unter 8314 Neuinfektionen schon 1078 Omikron-Fälle gefunden worden. Jetzt geht die Angst um, Nachbar Deutschland könnte Dänemark zum Virusvariantengebiet erklären: „Das wäre für die Grenzpendler nicht schlimm, aber für alle anderen“, sagt Hansen, dessen Infocenter vor allem für die rund 15.000 Berufspendler arbeitet, die allmorgendlich ganz überwiegend Richtung Norden über die Grenze fahren.

Was diese Einstufung durch die deutsche Bundesregierung für den Grenzübertritt bedeuten würde, sagt Hansen in einem kurzen Satz: „Jeder, der länger als 24 Stunden bleibt, müsste 14 Tage in Quarantäne.“ Auch jeder Geimpfte.

Omikron breitet sich atemberaubend schnell aus

Vor zwei Wochen war die Zahl der Omikron-Fälle in Dänemark insgesamt noch zweistellig. Jetzt ist die neue offenbar hochansteckende Variante im Königreich schon für 13 Prozent aller täglichen Covid-19-Ansteckungen verantwortlich. Vier Tage davor, am 28. November, waren die ersten beiden Omikron-Fälle in Dänemark bestätigt worden. Das heißt, dass das Virus mit atemberaubendem Tempo durch Dänemark fegt. Am Mittwoch waren es schon 8773 Covid-Neuinfektionen.

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Dänemarks Touristiker bangen mit der möglichen Einstufung als Virusvariantengebiet vor allem um zigtausende deutsche Winterurlauber, die traditionell über Weihnachten oder Silvester gerne eine Woche in Jütlands Nordseedünen oder auch auf einer Ostseeinsel feiern. Zwei Wochen Quarantäne: Welcher Weihnachtsferienurlauber kann und will das?

Auch die Politik ist alarmiert: „Wir sehen, dass die Zahl der Omikron-Patienten dramatisch zunimmt“, sagt Stefan Seidler. Der SSW-Politiker sitzt erst wenige Wochen für die Partei der dänischen Minderheit im Bundestag. Da das Königreich traditionell viel testet, fragt sich Seidler, ob das Bild dadurch verzerrt sein könnte, dass Deutschland eine deutlich geringere Testquote hat. 

Gerade die Minderheiten beiderseits der Grenze leben von deren Durchlässigkeit.

30 Prozent Umsatz: Handel auf deutscher Seite in Sorge

Aber auch die Wirtschaft auf deutscher Seite ist alarmiert: „Sollte es zu Einschränkungen kommen, ist das ein Problem für unseren Handel“, sagt Flensburgs IHK-Chef Björn Ipsen. Gerade jetzt vor Weihnachten zählt jeder Tag, an dem die dänische Kundschaft ungehindert über die Grenze darf: „Wir würden uns freuen, wenn es nicht zu einschränkenden Maßnahmen kommt.“ Für bis zu 30 Prozent der Umsätze südlich der Grenze ist die kaufkräftige Kundschaft aus dem Königreich verantwortlich.

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Auf deutscher Seite ist die Variante auch schon eingetroffen. In Flensburg sind vergangenen Sonnabend die ersten drei Omikron-Infektionen bestätigt worden. Im Gegensatz zur Delta-Variante Anfang 2021, die die Grenzstadt seinerzeit kurzzeitig zu einem Corona-Hotspot machte, kamen diese ersten Fälle aber nicht über die Grenze. Es handelte sich um drei Namibia-Reisende, die unmittelbar nach der Rückkehr getestet und in Quarantäne geschickt wurden. Aber mit einer 7-Tage-Inzidenz von 171 lag Flensburg am Mittwoch noch weit von den dänischen Zahlen entfernt, die steigen, je weiter man sich von der Grenze entfernt: Apenrade 461, Sonderburg 525, Esbjerg 796 - und Kopenhagen 1391. Tendenz steigend.

Derweil antwortet die Bundesregierung in Berlin noch ausweichend auf die Frage, ob Dänemark jetzt Virusvariantengebiet wird. Die Einstufung als Hochrisiko- oder als Virusvariantengebiet erfolge nach gemeinsamer Analyse und Entscheidung von Bundesgesundheitsministerium, Bundesinnenministerium und Auswärtigem Amt, erklärt Pressesprecherin Parissa Hajebi aus dem Berliner Gesundheitsministerium und ergänzt: „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir dem nicht vorgreifen können.“

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