Tourismus
2G+-Wirrwarr verunsichert Gäste: Dehoga schlägt Alarm
Obwohl Hotels und Restaurants zwischen Weihnachten und Silvester mehr Möglichkeiten als im Vorjahr haben sollen, wird ohne Ende storniert. Der Dehoga spricht von einem Shutdown durch die Hintertür.
Greetsiel - Wird das Geschäft zwischen Weihnachten und Silvester ähnlich schlecht ausfallen wie vor einem Jahr? Laut dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) deutet schon jetzt vieles darauf hin. Und das, obwohl die Hotels und Restaurants mehr Möglichkeiten als im vergangenen Winter haben, als nur enge Angehörige anlässlich von Familienfeiern zwischen dem 24. und 26. Dezember kommen durften. Der Grund: Die potenzielle Kundschaft wird durch sich immer wieder verändernde Coronaregeln verunsichert, heißt es. Ein Beispiel dafür, wie schlecht es für die Branche läuft, ist das Fischerdorf Greetsiel, das bei Ostfriesland-Urlaubern zu den beliebtesten Orten zählt.
Was und warum
Darum geht es: Die kurzfristigen Änderungen von Corona-Regeln machen den Gastwirten das Leben schwer und verunsichern die Kundschaft.
Vor allem interessant für: Personen, die zwischen den Jahren noch auf der Suche nach einer Unterkunft sind oder etwas Essen gehen wollen
Deshalb berichten wir: Normalerweise läuft das Geschäft zwischen Weihnachten und Neujahr besonders gut. Vor dem Hintergrund des Shutdowns vor einem Jahr wollten wir wissen, ob es den Gastwirten zumindest in diesem Jahr besser ergeht. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Stefanie Bonitz-Sirpas ist die Vorsitzende des Dehoga-Kreisverbands Norden und betreibt in Greetsiel den Romantik-Hof. Der hat gerade geschlossen und bleibt es auch bis ins kommende Jahr hinein – wie auch zumindest vier der fünf anderen Hotels im Ort, sagt sie. Beim fünften Anbieter, dem Enjoy-Hotel, ging am Dienstag nur der Anrufbeantworter ran. „Mir fehlen die Worte“, sagt Bonitz-Sirpas. Seit mindestens zwei Wochen stehe ihr Telefon still. Zuvor habe es andauernd geklingelt, weil Leute ihre Buchungen stornieren wollten. Zu dieser Zeit sei nämlich erstmals von einer Einführung der 2G+-Regel in der Hotellerie (geimpft oder genesen plus regelmäßige Testzentrums-Besuche) die Rede gewesen, was viele verschreckt habe. Dazu komme bei den Gästen die allgemeine Verunsicherung vor kurzfristigen Verschärfungen oder gar einem erneuten Shutdown.
Dehoga: Keine Winterhilfen wie im vergangenen Jahr
Inzwischen wurde festgelegt, dass in der Gastronomie zwischen den Jahren nun doch 2G gilt, sofern die Betriebe zu höchstens 70 Prozent ausgelastet werden. Gäste mit frischem Impf-Booster müssen auch dann nicht zum Test, wenn 2G+ gilt. Das sei aber alles viel zu spät gekommen. „So schnell könnten wir unser Haus mit seinen 32 Betten gar nicht wieder hochfahren“, ärgert sich die Dehoga-Vorsitzende, die ihr Hotel vermutlich erst wieder im Februar öffnen wird. Bei dem Greetsieler Gastronom Karsten Eilers sieht es einem Bericht der Emder Zeitung zufolge ähnlich aus. Auch er will erst in ein paar Wochen wieder die Hotels Hohes Haus und Witthus öffnen, kündigt er mit Verweis auf die mangelnde Nachfrage an. Für die Weihnachtszeit hätten bis zu 50 Prozent der Kunden abgesagt, für die Zeit zwischen den Jahren 75 Prozent. Beim Anruf unserer Zeitung ging nur der Anrufbeantworter ran, der auf Abhol- und Bringmöglichkeiten von Festtags-Gerichten verwies.
Erich Wagner ist der Vorsitzende des Dehoga-Bezirksverbands Ostfriesland und bestätigt, dass es diese Probleme auch andernorts in Ostfriesland gibt. Das sei besonders tragisch, da das Weihnachtsgeschäft für Hotels und Gaststätten mit das wichtigste im Jahr sei. Wagner ärgert sich über die ständigen Veränderungen und spricht von einem „Shutdown durch die Hintertür“. Dazu komme noch, dass es für die Betriebe in der Branche nicht die Winterhilfen von vor einem Jahre gebe und nun weitere harte Monate folgten, bis es endlich wieder wärmer werde. „Die Kollegen wissen nicht mehr weiter. Einige von ihnen heulen.“ Was die Inseln angehe, so sei alleine damit zu rechnen, dass jede zweite Buchung storniert wurde.
Mehr Testzentren gegen lange Schlangen
Zu der Verunsicherung trage darüber hinaus immer wieder die befürchtete ausnahmslose Einführung von 2G+ bei, wissen Wagner und Bonitz-Sirpas aus eigener Erfahrung. Viele potenzielle Kunden wollten nicht riskieren, in langen Warteschlangen anstehen zu müssen, wie es in den vergangenen Wochen oft der Fall war. Dabei steigt die Zahl der Teststationen überall wieder stetig an, auch in der Gemeinde Krummhörn, wo es jetzt drei Zentren gibt.
Ganz neu sind die Test-Einrichtungen, die Rebecca Hasberg im Pewsumer Jugendhaus (Bunter Weg 9) und im Gemeindehaus der reformierten Kirche in Greetsiel (Am Bollwerk 18) eröffnet hat. Davon unabhängig gibt es noch eine weitere an der Adolf-Köppe-Straße 11 im Pewsumer Gewerbegebiet (bei der Spielhalle). Rebecca Hasbergs Mann Alexander schreibt unserer Zeitung auf Nachfrage, dass die beiden vor allem zwischen den Jahren mit einer hohen Nachfrage rechnen. Immerhin gebe es nicht nur Urlauber, sondern auch viele Familien, die dann zusammenkämen und auf Nummer sicher gehen wollen. Man sei gut darauf vorbereitet und habe ausreichend Material für die schätzungsweise 300 bis 400 möglichen Tests pro Tag eingekauft. Auch in Sachen Personal sehe es gut aus. „Wir können ohne Probleme zwei Testzentren mit Personal bedienen. Wir sind aber trotzdem für jede Bewerbung sehr dankbar, da auch weitere Testzentren im Aufbau sind“, so Alexander Hasberg.
Geöffnet hat das Zentrum im Jugendhaus wochentags von 8 bis 20 Uhr und sonntags von 10 bis 20 Uhr, das im Gemeindehaus immer montags bis sonnabends von 8 bis 20 Uhr und sonntags von 10 bis 20 Uhr. An Heiligabend und an den beiden Weihnachtsfeiertagen sind die beiden neuen Testzentren von 9 bis 16 Uhr geöffnet. Weitere Infos unter 0176 / 30511485 oder per Mail an: info@lavie-jever.de. Termine können auch hier und hier gebucht werden. Das Zentrum bei der Spielhalle hat montags bis sonnabends von 8 bis 24 Uhr und sonntags von 11 bis 24 Uhr geöffnet. Termine dafür können hier gebucht werden.