Berlin

Feuerwerk und Corona: Warum es wieder ein Böllerverbot gibt

Jan-Malte Wortmann
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Von Jan-Malte Wortmann
| 14.12.2021 17:38 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auch in diesem Jahr ist der Verkauf von Raketen und Böllern in Deutschland verboten. (Symbolbild) Foto: imago images/Shotshop
Auch in diesem Jahr ist der Verkauf von Raketen und Böllern in Deutschland verboten. (Symbolbild) Foto: imago images/Shotshop
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Auch in diesem Jahr dürfen in Deutschland wieder keine Silvesterraketen oder Böller verkauft werden. Begründet wird dies mit der aktuellen Pandemie-Lage. Aber wie genau sind da die Zusammenhänge?

Zum Jahreswechsel 2021/2022 gilt, genau wie im vergangenen Jahr, wieder ein allgemeines Verkaufsverbot für Feuerwerk der Kategorie F2. Dazu gehören Raketen oder Böller. Zu diesem Beschluss kamen die Vertreter von Bund und Ländern am 2. Dezember.

Es gilt zwar ein Verkaufsverbot, ein generelles Feuerwerksverbot gibt es allerdings nicht. Wer also noch Raketen aus den vergangenen Jahren übrig hat, darf diese durchaus im privaten Rahmen zünden. Im Beschlusspapier der Bund-Länder-Konferenz heißt es nur, dass Feuerwerk an „publikumsträchtigen Plätzen“ gänzlich verboten sei. Diese Orte, an denen viele Menschen in der Öffentlichkeit zusammenkommen könnten, müssen von den Kommunen im Vorfeld definiert werden.

In dem Beschluss heißt es aber auch, dass „vom Zünden von Silvesterfeuerwerk generell dringend abgeraten“ werde. Die Entscheidung von Bund und Ländern wird teilweise sehr unterschiedlich aufgefasst. Aber wie hängen die Pandemie und das Böllerverbot eigentlich genau zusammen? Und wie sinnvoll ist diese Maßnahme?

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Hohe Verletzungsgefahr durch Feuerwerkskörper

Als wichtigster Grund für das Verkaufsverbot von Raketen und Böllern wird das hohe Verletzungsrisiko genannt. Da das Gesundheitssystem durch die hohe Anzahl an Covid-19-Patienten bereits extrem belastet ist, soll es nicht noch weiter an seine Grenzen gebracht werden. In vielen Teilen Deutschlands werden die Intensivbetten aktuell bereits knapp, etwa in Sachsen-Anhalt, Hessen oder Bayern, wo weniger als zehn Prozent der Betten noch frei sind.

Die Kliniken, die bereits an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, sollen mit zusätzlichen Unfallopfern durch unsachgemäßen Umgang mit Feuerwerkskörpern nicht weiter belastet werden. Denn in der Silvesternacht kommt es jedes Jahr zu zahlreichen Verletzten, die in Kliniken behandelt werden müssen.

Grafik: Anteil der freien Betten an der Gesamtzahl der Intensivbetten in Prozent

Silvester gilt unter vielen Medizinern als „die gefährlichste Nacht des Jahres“. Der Umgang mit Feuerwerkskörpern, in viele Fällen gemischt mit Alkoholeinfluss, führe jedes Jahr zu zahlreichen schweren Verletzungen, teilweise mit bleibenden Schäden, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). Typisch seien etwa abgetrennte Finger, Verbrennungen, Brüche, häufig auch Verletzungen im Gesicht oder am Auge. An keinem anderen Tag des Jahres würden sich so viele Menschen an den Händen verletzen.

Viele Verletzte sind minderjährig oder bloß Zuschauer

Eine Studie der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft hat die Zahl der Verletzungen erhoben, die in den Jahren 2016 bis 2019 in 51 Augenkliniken in der Silvesternacht behandelt werden mussten. Insgesamt wurden 1356 Patienten gezählt, die sich an Augen, Händen oder Gesicht verletzt hatten. Rund ein Viertel von ihnen so schwer, dass eine stationäre Behandlung notwendig war.

Mehr als ein Drittel der Verletzten war minderjährig. Außerdem waren rund 60 Prozent der Verletzten lediglich Zuschauer, hatten also gar nicht selbst gezündelt. „Schätzungsweise 40 Prozent der Schwerverletzten werden vermutlich unter dauerhaften Folgen wie Sehverschlechterung oder Narbenbildung leiden“, erklärt Studienautorin Ameli Gabel-Pfisterer, Augenärztin am Ernst-von-Bergmann-Klinikum in Potsdam.

Deutlich weniger Verletzte an Silvester 2020

Schon im vergangenen Jahr galt ein Verkaufsverbot für Feuerwerk. Wie das „Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste NRW“ in einer Pressemitteilung bekannt gab, hatte das auch zu weniger Einsätzen und weniger Verletzten geführt. So rückte die nordrhein-westfälische Polizei in der Silvesternacht landesweit zu rund 2300 Einsätzen aus, das waren etwa 600 weniger als im Vorjahr. Außerdem registrierte die Polizei deutlich weniger Verletzte. 2019 hatten sich an Silvester 159 Zivilpersonen und 19 Polizistinnen und Polizisten in NRW verletzt, 2020 waren es nur 57 Zivilpersonen und 12 Polizeibeamte.

Auch laut einer Umfrage der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft wurden zum Jahreswechsel 2020/2021 nur 79 Augenverletzungen gezählt, in den Jahren zuvor waren es jeweils rund 500 gewesen. Das entspricht einem Rückgang um 80 Prozent.

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