Hamburg
Lauterbach stellt klar: Wurde nicht durch Talkshows zum Minister
Während der Pandemie wurden Talkshows zu Karl Lauterbachs wichtigster Arena. Seine Auftritte verhalfen ihm allerdings nicht zu seinem neuem Job als Gesundheitsminister, erklärte Lauterbach – ebenfalls in einer Talkshow.
SPD-Politiker Karl Lauterbach gehört zu den eindringlichsten Mahnern in der Pandemie - in zahlreichen Talkshows äußert er sich zur aktuellen Lage. Für die einen ist er ein profilierter Corona-Erklärer, für andere schlicht ein Schwarzseher oder einfach eine Nervensäge.
Als Bundesgesundheitsminister ist die Zeit des Mahnens und Warnens vorbei, er wird nun die Geschicke lenken. Zu Beginn der Talkshow „Anne Will“ machte der Politikwissenschaftler Wolfgang Merkel Lauterbachs neues Amt zum Thema. Die Nominierung Lauterbachs bezeichnete er „leicht ironisch“ als „Plebiszit der Talkshows“. Moderation Anne Will kommentierte: „Nichts gegen Talkshows in Talkshows.“ Kurz darauf reagierte Lauterbach und stellte klar: „Ich kenne Olaf Scholz seit 19 Jahren und habe eng mit ihm zusammengearbeitet. Somit ist ganz sicher, dass er meine Eignung für das Amt nicht aus der Talkshow abgeleitet hat.“
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Nach dieser etwas wütenden Klarstellung trat Lauterbach auf, wie Talkshow-Zuschauer ihn kennen. Er rief zu Booster-Impfungen auf, auch wenn die aktuell verfügbaren Impfstoffe noch nicht auf die Omikron-Variante ausgerichtet seien. Geboosterte hätten mit den jetzigen Impfstoffen bereits einen Schutz von 75 Prozent. „Das ist sehr nennenswert“, sagte der SPD-Politiker.
Entsprechend Geimpfte, die sich infizierten, erkrankten in der Regel nicht schwer. „Somit ist die Booster-Impfung unfassbar wertvoll“, betonte Lauterbach. Sie könne die Delta-Welle brechen und eine Omikron-Welle abwenden.
Impfungen gegen Omikron-Variante
Lauterbach rechnet damit, dass ab April/Mai Anti-Omikron-Impfstoffe verfügbar sind. Wenn die Delta-Welle bis dahin gebrochen werde und mit dem Boostern eine Omikron-Welle abgewendet werden könne, „kommen wir ganz gut durch“. Auf die Frage, ob später eine vierte Impfung nötig sein könnte, sagte der Minister, es gebe bislang keine Studie mit Anhaltspunkten dafür.
Lauterbach warb zugleich für ein Ende der Corona-Testpflicht für Geboosterte. Den Vorschlag wolle er der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) unterbreiten. Der Schutz für diese Gruppe sei um ein Vielfaches höher. Derart Geimpfte noch zum Testen zu schicken, sei medizinisch nicht sinnvoll. Zudem könne ein Ende der Testpflicht ein Anreiz sein, sich die Boosterimpfung verabreichen zu lassen. Die Gesundheitsministerkonferenz berät am Dienstag darüber.
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Ebenfalls am Dienstag soll ein neues Expertengremium erstmals zusammenkommen, das die wissenschaftliche Beratung der Bundesregierung auf eine breitere Basis stellen soll. Lauterbach betonte, der Kreis sei ausgewogen besetzt. Die Ergebnisse sollten verbindlicher und transparenter in die Politik einfließen.
Der Gesundheitsminister verteidigte zugleich Pläne für eine allgemeine Impfpflicht. Bei den alten Virusvarianten wäre man ohne ausgekommen, aber schon mit der ansteckenderen Delta-Variante wahrscheinlich nicht mehr. „Mit der Omikron-Variante ist das erst recht so“.
Neben Karl Lauterbach und Politikwissenschaftler Wolfgang Merkel waren Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne), CDU-Politiker Norbert Röttgen und „Welt“-Journalistin Dagmar Rosenfeld zu Gast.