Berlin

Scholz' Gehalt und Merkels Rente: Was uns das Regieren wert ist

Tobias Schmidt
|
Von Tobias Schmidt
| 10.12.2021 17:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Spitzenpolitiker, aber keine Spitzenverdiener: Altkanzlerin Angela Merkel und der neue Kanzler Olaf Scholz. Foto: JOHN MACDOUGALL / AFP
Spitzenpolitiker, aber keine Spitzenverdiener: Altkanzlerin Angela Merkel und der neue Kanzler Olaf Scholz. Foto: JOHN MACDOUGALL / AFP
Artikel teilen:

Kaum ist Olaf Scholz im Amt, schürt die „Bild“-Zeitung eine familiäre Neiddebatte: „Der Kanzler verdient weniger als seine Brüder“, wird unter Berufung auf den Vater getitelt. Das geht ja gut los.

„Berliner Geflüster“: In unserer Hauptstadt-Kolumne berichten unsere Berliner Korrespondenten Rena Lehmann und Tobias Schmidt jedes Wochenende über Kurioses und Bemerkenswertes aus der Berliner Blase. Sie blicken hinter die Kulissen von Bundestag, Kanzleramt und Rotem Rathaus. 

Eigentlich machte Gerhard Scholz einen ziemlich glücklichen Eindruck, als er am Mittwoch von der Ehrentribüne im Bundestag beobachtete, wie sein Sohn zum neunten Regierungschef der Bundesrepublik gewählt wurde. Und doch brachte ihn das Boulevardblatt dazu, Zwietracht zu säen: Alle seine drei Söhne „sind erfolgreich. Der Bundeskanzler verdient am wenigsten.“ 

Es sind genau 21.262,47 Euro pro Monat, die Scholz nach Hause trägt, geregelt ist das im Beamtenrecht. Was die am Mittwoch ebenfalls anwesenden Brüder Jens (Medizinprofessor in Schleswig-Holstein) und Ingo (IT-Bereichsleiter in Hamburg) verdienen, konnte die Zeitung nicht schnell genug recherchieren.

Keinen Sinn für Statussymbole

Ob es Olaf wurmt, dass er als ältester Bruder in Sachen Kohle nur auf Rang drei liegt, war ebenfalls nicht zu erfahren. Zwar wohnt er mit seiner Frau Britta Ernst, Gesundheitsministerin von Brandenburg, in einer schmucken Wohnung an Potsdams schönstem Platz, hat auch noch eine Wohnung in Hamburg. Aber auf Statussymbole legt der „Respekt“-Kanzler ansonsten keinen sonderlichen Wert. Vermutlich wird er es also verkraften.

Und die Altkanzlerin? Die hatte eigentlich angekündigt, an ihrem ersten Tag als Rentnerin mal so richtig ausschlafen zu wollen. Doch dann wurde sie dabei beobachtet, wie sie sich am Donnerstag schon um 8.20 Uhr im Berliner Schneetreiben auf den Weg zu ihrem neuen Büro machte. Immerhin, so erfuhr es ebenfalls die „Bild“-Zeitung, war sie bereits um 16 Uhr wieder daheim.

Kaum Zeit fürs Shoppen

Ob sie bei ihrem ersten Einkauf als Nichtmehrkanzlerin aufs Portemonnaie achten musste? Eher nicht. Auch ihre Altersbezüge sind nicht geheim. 10.083,47 Euro pro Monat stehen ihr an „Abgeordnetenentschädigung“ zu, plus Zulagen für die Amtszeiten, davon allein 16 Jahre als Bundeskanzlerin. Der Bund der Steuerzahle hat genau nachgerechnet und kommt auf eine Summe von 15.000 Euro für die 67-Jährige. 

Da ihr als Regierungschefin zudem wenig Zeit fürs Shoppen oder kostspielige Urlaube blieb, sie reiste ja eh stets nach Südtirol, dürfte Angela Merkel auch von ihren Kanzlerinnen-Bezügen noch etwas auf der hohen Kante haben.

Ähnliche Artikel