Festmahl
So steht es um die „Gans to go“ zum Weihnachtsfest
Wenige Restaurants bieten dieses Jahr einen Weihnachtsbraten zum Mitnehmen an. Da sie zum Fest nach aktuellem Stand öffnen dürfen, wäre es eine Doppelbelastung. Der Bedarf ist allerdings da.
Aurich/Holtrop/Wiesmoor - Im letzten Jahr gab es für die Gastronomie schon lange vor dem Weihnachtsgeschäft eine böse Überraschung: Als Anfang November der zweite Lockdown noch als Lightversion in Kraft trat, musste die Gastronomie schließen. Nur der Außer-Haus-Verkauf war erlaubt. Viele Gastronomen nutzen diese Möglichkeit, sogar ganze Weihnachtsmenüs gab es für zu Hause. In diesem Jahr sind die Infektionszahlen im Winter wieder gestiegen. Die deutschlandweite 7-Tage-Inzidenz erreicht inzwischen schwindelerregende Höhen von über 400 Infizierten pro 100.000 Einwohner. Vor einem Jahr, ohne Impfserum, wäre das öffentliche Leben bei diesen Zahlen erstarrt. In diesem Jahr machen alle weiter und hoffen, dass das Weihnachtsfest eine gesellige Angelegenheit bleiben kann. Auch die Gastronomen.
Was und warum
Darum geht es: Im ersten Jahr der Corona-Pandemie boomte der Markt für das „Festmahl to go“ – also für zu Hause. In diesem Jahr dürfen die Restaurants wahrscheinlich zum Fest öffnen. Wie sieht es nun aus?
Vor allem interessant für: Menschen, die ihren Weihnachtsbraten lieber von anderen kochen lassen und Feinschmecker, die zu spät an eine Reservierung gedacht haben.
Deshalb berichten wir: Wir waren neugierig, wie die Gastronomen die aktuelle Lage einschätzen und ob die „Gans to go“ noch eine Alternative ist. Die Autorin erreichen Sie unter: n.boening@zgo.de
Nur wenige von ihnen im Landkreis Aurich haben deshalb bereits konkrete Pläne für einen Außer-Haus-Verkauf an den Festtagen. „Wir haben uns dazu noch gar keine Gedanken gemacht“, gesteht Henning Wagner vom Hotel zu Post in Wiesmoor. Das müssten sie sich auch gar nicht, findet er. „Denn wo können die Menschen sicherer Weihnachten feiern als bei uns?“, fragt Wagner. Geimpft oder genesen und zusätzlich getestet – mit viel Platz. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Weihnachtsfeier im eigenen Wohnzimmer sicherer abläuft. Dass sich dort wirklich alle testen lassen, ist eher unwahrscheinlich.“
Beides geht nicht
Für den Besuch der Gastronomie gilt aktuell die 2G+-Regel. Wer dort essen möchte, muss gegen das Coronavirus geimpft oder von einer Infektion genesen sein. Zusätzlich ist ein tagesaktueller Test notwendig, das könnte sich allerdings am Sonnabend ändern. Dann könnte aufgrund der sinkenden Corona-Zahlen der Test entfallen. Diese Hürden nehmen offenbar genügend Gäste, denn das Hotel zu Post ist laut Henning Wagner bis in den Januar hinein ausgebucht. Im vergangenen Jahr hatte die Crew noch Menüs für das heimische Weihnachtsfest vakuumiert. Mit einer Anleitung zum Erwärmen im Wasserbad und zum Knusprigbacken der Gans im Backofen kamen sie dort an. Solche Weihnachtsessen zusätzlich zum laufenden Betrieb für zu Hause vorzubereiten, sei allerdings nicht möglich.
Im Restaurant Pittoresk im Auricher Hotel am Schloss gab es im vergangenen Jahr im Lockdown ebenfalls komplette Menüs mit Gänsebraten für das Fest zu Hause. In diesem Jahr ist das Restaurant über die Feiertage geöffnet und bis auf ein paar Plätze laut Rabea Meinders ausgebucht. Es gibt zwar täglich zu bestimmten Zeiten Essen zum Mitnehmen, darunter auch ein vakuumiertes Gänsemenü, aber ein Weihnachtsmenü sei momentan noch nicht in Planung. Ob es noch kommt? Meinders: „Es hängt davon ab, wie sich die Corona-Situation entwickelt.“
Eigentlich mit Lockdown gerechnet
Im Holtroper Krug hatte Geschäftsführer Rainer Preuß eigentlich damit gerechnet, über Weihnachten wieder schließen zu müssen. „Deshalb haben wir eine Weihnachtskarte mit vier Menüs für zu Hause erstellt“, sagt er. Bestellt werden können sie bis zum 19. Dezember – abgeholt bis zum 23. Dezember. Jetzt läuft nach aktuellem Stand das Weihnachtsgeschäft wie gewohnt und der Holtroper Krug ist ausgebucht. Der Außer-Haus-Verkauf kommt oben drauf. Im Lockdown 2020 hat das Restaurant etwa 130 Weihnachtsessen für zu Hause verkauft. Wie viele es dieses Jahr werden, sei noch nicht abzusehen. „Beides zu wuppen, wird für uns sportlich“, so Preuß. „Aber wir wollen für unsere Stammgäste da sein, die nicht kommen können oder lieber zu Hause bleiben.“
Noch immer würden täglich Reservierungsanfragen zum Weihnachtsfest reinkommen. „Viele haben aufgrund der Corona-Zahlen abgewartet“, so Preuß. „Platz haben wir zwar nicht mehr, aber so können wir wenigstens unsere Menüs als Alternative anbieten.“ Beim Holtroper Krug gibt es zwar keine Gans – dafür aber Ente. Wie ihre großen Verwandten kommen sie zum Fest zu Hause bei 180 bis 200 Grad Celsius in den Backofen. „Bis sie schön knusprig sind. Das Menü fertig zu garen, ist kinderleicht“, so Preuß.
Gemeinsam online essen
Ein Festessen für zu Hause aus der Küche des Vertrauens – diese Idee ist nicht erst in der Corona-Pandemie entstanden. Das Hotel Dreiklang aus Kaltenkirchen in Schleswig Holstein hat dieses Konzept schon vor fünf Jahren umgesetzt und einen eigenen Online-Shop dafür eingerichtet. „Angefangen haben wir im ersten Jahr mit 30 Portionen“, erinnert sich Lisa Marie Offenborn. Inzwischen läuft das Geschäft im großen Stil, der NDR hat darüber sogar eine Reportage gedreht. Zum ersten Corona-Weihnachtsfest im Jahr 2020 schnellten die Zahlen in die Höhe. Insgesamt 7000 Essen seien von Kaltenkirchen aus zum Fest in die Welt verschickt worden.
„In diesem Jahr ist die Nachfrage auf dem gleichen Stand wie 2020“, so Offenborn. „Viele Menschen sind aufgrund der aktuellen Corona-Zahlen lieber vorsichtig.“ Auch Kunden aus dem vergangen Jahr seien wieder dabei. „Manche haben dieses Jahr wieder die Weihnachtsfeiern abgesagt und lassen stattdessen Gänse von uns an die Mitarbeiter versenden“, erzählt Offenborn. Gefeiert wird dann trotzdem gemeinsam – mit dem Gänsebraten in einer Online-Konferenz.