Tradition
Ohne Gemütlichkeit kein Teegenuss
Die Ostfriesische Landschaft startet nächstes Jahr ein Projekt, das die Teekultur der Region stärken will. Auch für ostfriesische Tee-Experten ist die Tradition des Teetrinkens sehr wichtig.
Aurich - Um die Teekultur und Tradition des „flüssigen Golds der Ostfriesen“ bekannter zu machen, wird die Ostfriesische Landschaft im nächsten Jahr ein Gütesiegel einführen, was spezielle Standards bei der Herstellung des Ostfriesentees vorsieht. Gastronomen und Hotelliere können durch spezielle Schulungen den Titel Tee-Kultur-Experte erlangen. Regionale Gastronomen und Teefachverkäufer zeigen großes Interesse an dem Projekt. Etwas Kritik gibt es trotzdem.
„Es ist besonderes wertvoll, die Tradition des Tees in Ostfriesland zu erhalten. Aber ob das Tee-Gütesiegel einen Beitrag dazu leisten wird, kann ich noch nicht beurteilen“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter der Auricher Teemanufraktur. Thorsten Schäfer vertraut Gütesiegeln eher weniger, da es oft nur ein Marketing-Instrument der Lebensmittelwirtschaft sei und Verbraucher auch täuschen könne. Die Kultur des Teetrinkens zu erhalten, finde er aber sehr wichtig. Das Problem bei traditionellem Ostfriesischen Tee sehe er daran, dass dieser oft sehr preiswert sei, aber die Qualität zu wünschen übrig lasse. „Der reine Tee hat nicht unbedingt den besten Geschmack“, sagt Schäfer.
Kulinarische Kultur Touristen näherbringen
Für viele Ostfriesen sei es „normal“, Tee zu trinken, aber es sei eine Identität, die täglich gelebt und geliebt werde, findet Eiko Rolf von der Teeproduktion Uwe Rolf GmbH in Aurich. Dies könne besonders durch die Einführung eines Tee-Gütesiegels hervorgehoben werden. „Grade Touristen kann damit der kulinarische Alltag Ostfrieslands nähergebracht werden“, sagt er. Rolf hofft allerdings, dass durch die Einführung des Gütesiegels keine Nachteile für andere Teeläden entstehen, die keins haben werden.
Martina Brinkmann, Besitzerin der Ostfriesischen Teestube am Hafen in Leer, ist sehr begeistert von der Idee eines Gütesiegels. Die Tradition des Ostfriesentees werde bei ihr großgeschrieben. In der Teestube werde das Getränk nur in typischen ostfriesischen und handbemalten Teetassen aus Porzellan serviert. „Auch wenn wir vom Fach sind und auch selbst Teezeremonien machen, wollen wir an den Schulungen teilnehmen“, sagt sie. Das verschaffe den Läden zusätzlich Aufmerksamkeit und begeistere vor allem Touristen.
Erbe der Ostfriesen erhalten
Grade auswärtige Kunden vom Emder-Tee-Contor interessieren sich besonders für die Kultur und Geschichte des Tees. Deshalb finde Sonja Groneberg, die Besitzerin des Ladens, es sehr wichtig, das Erbe der Ostfriesen zu erhalten. „Sie stellen mir immer sehr viele Fragen rund um die Geschichte und die traditionelle Teezeremonie, um sie Zuhause nachmachen zu können“, sagt sie. Zu einem richtigen Ostfriesentee gehöre vor allem Gemütlichkeit. „Der wird nicht schnell zwischen Tür und Angel getrunken“, sagt sie. Es sei sehr wichtig, diese Kultur zu erhalten. „Die Einführung des Gütesiegels ist eine tolle Sache. Ich habe selbst ein großes Interesse an der Schulung, aber bei mir ist das aus zeitlichen Gründen immer etwas schwierig“, sagt Groneberg.
„Ob im sozialen oder im familiären Umfeld, Tee gehört in Ostfriesland einfach zum Leben dazu“, sagt Matthias Stenger, der Direktor der Ostfriesischen Landschaft. Der Tee-Konsum der Ostfriesen sei enorm: Pro Kopf trinkt ein Ostfriese nach Angaben des Deutschen Teeverbands im Schnitt etwa 300 Liter des Heißgetränks im Jahr. Die Schulungen sollen sich vor allem an Mitarbeiter in der Gastronomie, Hotellerie und auch in Tee- und Heimatstuben richten, heißt es in einer Mitteilung der Ostfriesischen Landschaft. Ziel sei es, die Qualität sowie Zubereitung des Tees und die Vermittlung von Wissen rund um das Kulturerbe zu verbessern und die Teilnehmenden damit zu Tee-Kultur-Experten auszubilden.