Schwerin

Tierquälerei-Vorwürfe gegen NDR-Moderator: So reagieren Angler

Sebastian Lohse
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Von Sebastian Lohse
| 07.12.2021 16:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Wurde wegen Tierquälerei von Peta angezeigt: NDR-Moderator Heinz Galling. Foto: Udo Rahn/SHZ/Archiv
Wurde wegen Tierquälerei von Peta angezeigt: NDR-Moderator Heinz Galling. Foto: Udo Rahn/SHZ/Archiv
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Die Tierrechtsorganisation Peta beschuldigt Profiangler Heinz Galling, im Fernsehen einen lebenden Fisch aufgespießt zu haben – und zeigte ihn an. Was sagen Deutschlands Angler dazu?

Die Tierrechtsorganisation Peta hat vergangene Woche Strafanzeige gegen einen Moderator des NDR erstattet. Namentlich geht es um Heinz Galling, der die Angelsendung „Rute raus, der Spaß beginnt!“ moderiert. Laut Peta habe er einen lebenden Fisch als Köder aufgespießt, um damit Hechte anzulocken. Der Vorwurf lautet auf Verdacht des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Die Anzeige sorgt bei vielen Anglern für Kopfschütteln. 

„Was soll das?“, kommentiert eine Leserin unter unserem Bericht. „Das trifft wirklich den Falschen! Heinz (und Horst) bewirken so viel Positives in Sachen Tier- und Umweltschutz! Wie wurde vor 20 Jahren geangelt? In ihren Sendungen zeigen sie vorbildlich, wie vernünftiger, tierschutz- und umweltgerechter Angelsport aussehen sollte.“

Viele Reaktionen im Netz

Das sehen auch viele andere Petrijünger so. Auf einen Facebook-Post des Angelmagazins „Blinker“ zu dem Fall reagierten zahlreiche Petrijünger mit Unverständnis. „Das ist an Lächerlichkeit kaum noch zu überbieten“, ist dort in den Kommentaren zu lesen. 

Dennoch gibt es auch kritischere Töne. „Von mir aus kann das Angeln mit totem Köderfisch sofort abgeschafft werden. Es gibt wirklich genug andere Möglichkeiten. Und wenn mit der Methode dann eben nichts beißt, gut für den Fisch“, schreibt ein Angler. Dennoch halte er die Abschaffung der Sendung für falsch. So sehen es auch die anderen Kommentatoren.

Nicht umsonst ist die Sendung laut NDR äußerst beliebt. Seit zehn Jahren steht der Angel-Profi Heinz Galling für „Rute raus, der Spaß beginnt!“ vor der Kamera.

Peta meint, dass der Fisch noch lebte

Die Folge wurde am 13. November im Nachmittagsprogramm ausgestrahlt und ist derzeit noch auf der Website des Senders und bei Youtube zu sehen. 

Nachdem Heinz Galling eine Rotfeder gefangen hat, weist er selbst darauf hin, dass es nicht mehr erlaubt sei, mit Lebendködern zu angeln. „Wir haben ihn vorschriftsmäßig getötet“, sagt der Moderator vor der Kamera.

Als er den Fisch auf den Haken spießt, zappelt dieser kurz in seiner Hand. Peta schließt postmortale Nervenzuckungen in diesem Fall aus. Während der 61-jährige Galling selbst von einem „toten Köderfisch“ spricht, glaubt die Organisation, dass der Fisch noch lebte.

Die von Peta kritisierte Szene ist nach etwa 20 Minuten Laufzeit zu sehen.

Peta fordert Sendungs-Aus und will Angeln generell verbieten

„Der Fisch erlitt akute Atemnot, wurde von Heinz Galling in seiner Hand eingequetscht und schließlich von ihm mit einem Haken durchbohrt“, teilte Peta ihre Einschätzung mit. Die Tierrechtsorganisation verweist auf wissenschaftliche Studien, die bestätigen, dass Fische Schmerzen spüren. Daher fordert sie den öffentlich-rechtlichen Sender auf, die Sendung „Rute raus, der Spaß beginnt“ sofort abzusetzen.

Doch Peta will nicht nur eine Abschaffung der Sendung erwirken. Angeln gehöre nach Ansicht der Organisation generell abgeschafft. „Angler und Angelvereine fühlen sich wie ertappte Straftäter. Sie reden ihr tierquälerisches Hobby in der Öffentlichkeit mit Unwahrheiten schön. Doch selbst Staatsanwaltschaften betrachten Angelveranstaltungen nach Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes als strafbar“, kommentierte schon 2018 Peta-Mitglied Edmund Haferbeck in einem offiziellen Statement.

Tierrechtler kritisieren „Angeln macht Schule“

So kritisieren die Tierrechtler auch den Angelunterricht in den Schulen von Mecklenburg-Vorpommern scharf. Ende September forderte Peta Umweltminister Till Backhaus auf, das Projekt „Angeln macht Schule“ nicht länger zu fördern. 

Das Projekt solle die Umweltbildung erweitern und bei den Kindern das Interesse am Angelsport wecken, heißt es vonseiten des Umweltministeriums. Genau das sorgte für Kritik. „Kinder sollten in Schulen nicht lernen, wie man Tiere tötet, sondern wie man sie schützt“, sagte Tanja Breining, die für Peta als Fachreferentin für Fische und Meerestiere arbeitet. „Angeln wie Jagen sind altertümliche Bräuche, die wie Gladiatorenkämpfe in Geschichtsbücher verbannt gehören.“ 

Nach Ansicht von Till Backhaus gehöre der Organisation die Gemeinnützigkeit aberkannt.

Wie es im Fall Galling weitergeht, ist derzeit noch offen. Auf Anfrage teilte der NDR mit, dass sich weder der Sender noch der Moderator selbst zu dem laufenden Verfahren äußern.

Der Landesanglerverband Mecklenburg-Vorpommern teilte auf Nachfrage zum aktuellen Fall mit: „Wir werden uns dazu nicht äußern.“ Ebenso wenig zu den Fällen in der Vergangenheit. Die Tierrechtsorganisation Peta reagierte bisher nicht auf die Anfragen der Redaktion.

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