Corona

Großes Manko: Hesel hat kein Testzentrum

Christine Schneider-Berents
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Von Christine Schneider-Berents
| 06.12.2021 18:49 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Wer in der Samtgemeinde Hesel wohnt und einen zertifizierten Corona-Schnelltest machen lassen möchte, muss nach Remels, Nortmoor oder Warsingsfehn fahren. Vor Ort ist das nicht möglich. Foto: Pixabay
Wer in der Samtgemeinde Hesel wohnt und einen zertifizierten Corona-Schnelltest machen lassen möchte, muss nach Remels, Nortmoor oder Warsingsfehn fahren. Vor Ort ist das nicht möglich. Foto: Pixabay
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Politiker und Verwaltung der Samtgemeinde Hesel fordern den Landkreis Leer zum Handeln auf: Er soll in Hesel schleunigst wieder ein Corona-Testzentrum genehmigen.

Hesel - Spontan im Restaurant essen oder zum Friseur gehen? Einen Termin beim Physiotherapeuten wahrnehmen? In nahezu allen Bereichen des öffentlichen Lebens müssen sich seit Mittwoch auch geimpfte und genesene Menschen auf das Covid-19-Virus testen lassen. 2G+ (geimpft, genesen und zusätzlich getestet) gilt unter anderem für Veranstaltungen in Innenbereichen, bei Restaurant- und Friseurbesuchen. Erlaubt sind zertifizierte Schnelltests. Die gibt es nicht überall: Sie müsse täglich für einen Corona-Test nach Remels fahren, um anschließend im Klinikum in Leer reingelassen zu werden, machte unlängst eine Frau aus Hesel im sozialen Netzwerk Facebook ihrem Unmut Luft. Sie frage sich, warum sie sich nicht an ihrem Wohnort testen lassen könne?

Was und warum

Darum geht es: Aufgrund der Infektionsrate gilt fast in allen Lebensbereichen die 2G+-Regelung. Was machen diejenigen, für die das nächste Testzentrum weit weg ist?

Vor allem interessant für: Geimpfte, Genesene und Ungeimpfte. Deshalb berichten wir: In der Samtgemeinde Hesel gibt es kein Testzentrum und auch sonst keine Möglichkeiten, sich auf das Coronavirus testen zu lassen. Politiker und Verwaltung sehen darin einen Benachteiligung der Bürgerinnen und Bürger.

Die Autorin erreichen Sie unter: schneider-b@zgo.de

Diese Frage stellt man sich auch im Rathaus. Seit dem 1. Dezember gilt im Landkreis Leer die Warnstufe 2 und für viele Aktivitäten damit verbindlich die 2G+-Regel. „Das führt zwangsläufig zu einem höheren Testbedarf“, sagt Uwe Themann, Bürgermeister der Samtgemeinde Hesel. Leider gebe es jedoch viel zu wenig Testzentren. Das, was bis vor ein paar Wochen beim Combi in Hesel geöffnet hatte, sei abgebaut worden. „Dies bedeutet für unsere Bevölkerung neben den ohnehin sehr einschränkenden Maßnahmen eine weitere, oftmals nicht lösbare Herausforderung“, ärgert sich der Verwaltungschef.

Die Lösung liegt woanders

Eigentlich sei die Kommune für die Lösung des Problems nicht zuständig, gleichwohl kümmere sie sich darum. Dies gestalte sich jedoch schwieriger als erwartet. Man habe zu mehreren potenziellen Betreibern eines Testzentrums Kontakt aufgenommen. Deren Anträge müssten beim Landkreis Leer als Genehmigungsbehörde vorliegen. „Ich hoffe auf eine schnelle Lösung“, so der Samtgemeindebürgermeister.

Die nächsten Testzentren in der Nähe von Hesel gibt es beim Fehntjer Center in der Rudolf-Eucken-Straße in Warsingsfehn, beim Bünting-Besucherzentrum in der Gewerbestraße 16 in Nortmoor und beim Lidl in der Ostertorstraße 75 in Remels. Die Adressen sind im Internet auf der Homepage des Kreises Leer veröffentlicht. Gleiches gilt für Arztpraxen und Apotheken, die Corona-Tests anbieten. Für die Samtgemeinde Hesel gibt es dazu keine Informationen.

Geeigneter Standort gesucht

Einen Betreiber für ein Testzentrum zu finden, sei das eine. Parallel aber suche die Gemeinde auch nach einem Standort, so Themann weiter. Dabei habe man zunächst das Foyer der geschlossenen Schwimmhalle in Betracht gezogen, von der Idee jedoch Abstand genommen, weil der Raum zu klein sei. Die Wilhelm-Busch-Schule, bis Ende September das zentrale Impfzentrum im Landkreis Leer, komme ebenfalls nicht in Frage. Dort werde demnächst gebaut, um den Umzug der Außenstelle der Oberschule Kloster Barthe in Brinkum nach Hesel vorzubereiten.

Eine Schülerin macht einen Corona-Schnelltest im Klassenzimmer. Foto: Kirchner/DPA
Eine Schülerin macht einen Corona-Schnelltest im Klassenzimmer. Foto: Kirchner/DPA

Auf eine schnelle Lösung drängen ebenfalls die Kommunalpolitiker. „Am 26. November gab der Landkreis bekannt, dass zu den wenigen Teststationen fünf neue Teststationen errichtet werden. Vier davon in Leer, eine in Rhauderfehn. Aus Sicht der CDU Hesel sind das viel zu wenig“, ärgert sich Melanie Nonte, Vorsitzende des CDU-Samtgemeindeverbandes Hesel. Gerade die Gemeinden im Landkreis, die aktuell keine Testmöglichkeiten hätten, müssten versorgt werden. „Bei allem Verständnis für die hohe Notwendigkeit in der Stadt – wir brauchen die Teststationen als wohnortnahe Angebote in jeder Samtgemeinde beziehungsweise Gemeinde. Allein schon unter der 3G-Regelung (genesen, geimpft, getestet) hätte es die Möglichkeit geben müssen“, so Nonte.

Bünting will Testzentren

Ähnlich äußert sich die Parteigruppierung im Heseler Samtgemeinderat „Gemeinsam für Hesel“. „Wie kann es sein, dass eine neue Verordnung zum 1. Dezember in Kraft tritt, die die Vorlage von negativen Corona-Schnelltests in fast allen Bereichen des öffentlichen Lebens vorsieht, solche Testmöglichkeiten aber kaum in der Samtgemeinde existieren“, kritisieren Dieter Nagel (FDP) und Holger Kleihauer (Friesen) vom Bündnis Friesen, Linke, Grüne und FDP.

Mit dem Thema Testzentren beschäftigt man sich ebenfalls bei der Firma Bünting. Bis Mitte dieses Jahres hatten externe Unternehmen rund 80 Testzentren auf Parkplätzen von Bünting-Supermärten wie Combi betrieben. „Derzeit gehen wir auf die uns bereits bekannten Kooperationspartner zu, um zu prüfen, ob eine Wiederaufnahme des Testbetriebs, unter anderem in Hesel, möglich ist“, teilt Bünting-Sprecherin Annett Rabe.

Im Frühjahr gab es lange Schlangen vor dem Testzentrum in Rhauderfehn. Foto: Hellmers
Im Frühjahr gab es lange Schlangen vor dem Testzentrum in Rhauderfehn. Foto: Hellmers

An elf Marktstandorten könne man sich schon wieder auf das Covid-19-Virus testen lassen, für weitere Einrichtungen warte man auf die behördliche Genehmigung. Von Seiten des Landkreises wird versichert, alles so schnell wie möglich abzuarbeiten. Alle offenen Anträge seien kurzfristig eingegangen, teilt Kreissprecherin Annika Smit mit. Aktuell seien 13 Testzentren noch in der Bearbeitung, darunter auch drei für die Samtgemeinde Hesel.

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