Tourismus

Spiekeroog will eine neue schnelle Fährverbindung

Imke Oltmanns
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Von Imke Oltmanns
| 06.12.2021 19:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Fähre Spiekeroog I im Neuharlingersieler Hafen. Von hier geht es rüber auf die Insel. Foto: Oltmanns/Archiv
Die Fähre Spiekeroog I im Neuharlingersieler Hafen. Von hier geht es rüber auf die Insel. Foto: Oltmanns/Archiv
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Wer nach Spiekeroog will, muss gut planen: Es gibt Tage, an denen drei Abfahrten zur Auswahl stehen, an anderen gibt es nur eine. Je nach Tide. Diese Abhängigkeit soll jetzt ein Ende haben.

Spiekeroog - Spiekeroog gehört zu den ruhigeren der ostfriesischen Inseln, und das hat mehrere Gründe: Sie ist im Vergleich zu Norderney oder Borkum recht klein, erlaubt anders als diese beiden keinen Autoverkehr und, nicht ganz unwichtig, man kommt nicht jederzeit einfach so hin. „Wir haben als einzige Insel keinen Flugplatz und sind tideabhängig“, sagt Ansgar Ohmes. Er ist Geschäftsführer der Nordseebad Spiekeroog GmbH (NSB), dem kommunalen Tourismus-Service der Insel, und will mit einem neuen Projekt dafür sorgen, dass Spiekeroog künftig besser erreichbar wird. Also unabhängiger von den Gezeiten, die den Fahrplan der Fähren bestimmen.

Die NSB will gemeinsam mit der Ems Maritime Offshore GmbH (EMO), einer Tochter der Reederei AG Ems, eine neue Schnellfähre bauen, die die drei bestehenden Inselfähren ergänzen soll. Das Besondere: Das neue Boot wird in beladenem Zustand einen Tiefgang von gerade mal 70 Zentimetern haben. Damit ist dann fast egal, ob Ebbe oder Flut herrscht. Die neue Fähre mit Namen „WattnExpress“ soll weitgehend tideunabhängig bis zu 50 Personen transportieren können. Und das deutlich schneller als die Inselfähren: 20 Minuten für eine Fahrt, statt der üblichen 45 Minuten.

Bis jetzt nur eine Animation, aber so soll die neue Schnellfähre zwischen Neuharlingersiel und Spiekeroog aussehen. Foto: WattnExpress Besitz GmbH - Spiekeroog
Bis jetzt nur eine Animation, aber so soll die neue Schnellfähre zwischen Neuharlingersiel und Spiekeroog aussehen. Foto: WattnExpress Besitz GmbH - Spiekeroog

Warum eine Schnellfähre

„Die Leute wollen flexibler an- und abreisen“, begründet Ohmes das Vorhaben. Das sei auch an der starken Nachfrage bei den privaten Taxidiensten zu den einzelnen Inseln ablesbar. Im Gespräch mit dem Touristiker werden zwei Dinge deutlich: Erstens will man die zunehmende Nachfrage nach schnellen flexiblen Verbindungen nicht einfach den privaten Anbietern überlassen. Und zweitens will man beim Tourismus auch nicht ins Hintertreffen geraten, wenn die anderen Inseln so viel einfacher bereist werden können.

„Die neue Verbindung wird aber nicht zu deutlich mehr Tourismus auf der Insel führen“, betont Ohmes noch. Zielgruppe seien auch die Insulaner selbst, Handwerker und Servicekräfte, die am Festland wohnen. Mit ein paar mehr Tagesgästen sei aber wohl auch zu rechnen.

Wie der Plan ankommt

In den sozialen Netzwerken hat die Ankündigung der neuen Schnellfähre gemischte Reaktionen hervorgerufen. Dutzende Kommentare begleiteten die Veröffentlichung des Vorhabens. Viele Nutzer begrüßen es, viele andere sehen es allerdings auch kritisch. Grundtenor der Kritiker: Angst vor Massentourismus und vor dem Verlust der Beschaulichkeit auf der Insel. Dazu ein paar Zahlen: Spiekeroog verzeichnete 2019 rund 95.000 Gästeankünfte und 607.000 Übernachtungen. Dazu kommen noch einmal 84.000 Tagesgäste. Bewohnt wird die Insel von etwa 800 Menschen.

Auch Ohmes selbst schaltete sich in diese Online-Diskussion ein und erklärte das Vorhaben umfangreich. Gefolgt von der Versicherung: „Der entschleunigte Tourismus bleibt Inselphilosophie.“

Wie es jetzt ist

Anders als die Nachbarinsel Langeoog verfügt Spiekeroog nicht über eine ausgebaggerte Fahrrinne für den Fährverkehr. Die Überfahrt muss sich also nach den Gezeiten richten, damit die Fähren ausreichend Wasser unter dem Bug haben. Nach Auskunft der NSB gibt es dafür ein grobes Zeitfenster, zwischen etwa zwei Stunden nach Niedrigwasser und etwa zwei Stunden nach Hochwasser. Mit den wechselnden Tiden ändern sich außerdem die Abfahrtszeiten von Tag zu Tag. Es gebe also Tage, schreiben die Touristiker, an denen die Aufenthaltszeiten auf der Insel oder auch auf dem Festland nicht eben optimal seien.

Die NSB betreibt die Schifffahrt zwischen Insel und dem Festlandhafen Neuharlingersiel selbst. Drei Fähren sind aktuell in Betrieb. Allerdings ist die inseleigene Gesellschaft nicht der einzige Transport-Anbieter: Spiekeroog wird auch von dem Boots-Taxidienst BTS angefahren. Mit deutlich kleineren und deutlich schnelleren Booten.

Wie es werden soll

Die neue Schnellfähre soll die Fahrzeiten der drei jetzigen Fähren ergänzen, das heißt: Insgesamt mehr Abfahrten täglich und damit mehr Möglichkeiten, auf die Insel oder aufs Festland zu gelangen. Die „WattnExpress“ wird nach Angaben der EMO in Singapur oder Indonesien gebaut und im Juli 2022 nach Deutschland ausgeliefert. Zu den Kosten machen das Unternehmen und die Spiekerooger nur vage Angaben: ein unterer einstelliger Millionenbetrag.

In den Häfen von Neuharlingersiel und Spiekeroog müssen für den Betrieb der neuen Schnellfähre noch jeweils eine Pontonanlage angeschafft oder erweitert werden. Sie dienen als eine Art Brücke auf die Fähre, die nicht direkt im Hafenbecken anlegen kann.

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