Finanzen
Abwassergebühr in Weener steigt – nicht nur 2022
Die Stadt Weener will die Abwasserbeseitigung effektiver und energiesparender machen. Bevor ein möglicher Einspareffekt eintritt, werden die Bürger mit einer Gebührenerhöhung zur Kasse gebeten.
Weener - Die Stadt Weener investiert mehr als drei Millionen Euro in die Abwasserbeseitigung. Die erforderlichen Ausgaben werden sich auch auf die Gebühren und somit auch auf die Bürger auswirken. Die Stadt ist in diesem Jahr daher erstmals dem Beispiel vieler Kommunen im Landkreis gefolgt und hat vom Planungsbüro Frieling Consult eine externe Gebührenkalkulation erstellen lassen. Sinn und Zweck der vorausschauenden Planung ist es, die künftige Kostenentwicklung besser einschätzen zu können. Der Ausschuss für Finanzen, Digitalisierung, Wirtschafts- und Tourismusentwicklung hat sich am Donnerstag mit dem Thema befasst.
Was und warum
Darum geht es: Verbraucher in Weener müssen künftig mehr für die Abwasserbeseitigung bezahlen.
Vor allem interessant für: Weeneraner und alle, die sich für kommunale Finanzen interessieren.
Deshalb berichten wir: Der Ausschuss für Finanzen, Digitalisierung, Wirtschafts- und Tourismusentwicklung der Stadt Weener hat sich mit dem Thema befasst. Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de
In Weener sind 94 Prozent der Einwohner ans öffentliche Kanalnetz angeschlossen. Die Abwassergebühr für diese Haushalte war erst Anfang dieses Jahres auf 2,98 Euro pro Kubikmeter angehoben worden. Nun werden die Weeneraner in den kommenden beiden Jahren erneut zur Kasse gebeten. Ab dem 1. Januar 2022 soll die Gebühr um 27 Cent auf 3,25 Euro steigen. Auf eine vierköpfige Familie kommen nach Berechnungen von Kämmerer Ingo Großpietsch im Jahr Mehrkosten von 42 Euro zu. „Im Vergleich zum Jahr 2021 ist das eine Steigerung um neun Prozent.“ Die bisherige Planung für das Jahr 2023 sieht eine Anhebung um weitere 25 Cent auf 3,50 Euro vor.
Klärschlammentsorgung wird teurer
Nach den Worten des Kämmerers liege Weener damit noch im Mittelfeld. „In Emden ist die Gebühr mit 4,60 Euro deutlich höher. Und die Gemeinde Jemgum müsste eigentlich 4,88 Euro pro Kubikmeter kassieren, um kostendeckend zu sein“, so Großpietsch. Nach seinen Worten sei die zentrale Schmutzwasserkanalisation nach dem Niedersächsischen Kommunalabgabengesetz als „kostenrechnenden Einrichtung“ zu betreiben. Konkret heißt das: Die Gebühren müssen die Kosten der Einrichtung decken, dürfen sie jedoch nicht übersteigen.
Auch für Eigentümer von Grundstücken mit einer Hauskläranlage steigen die Kosten etwas. Die Gebühr erhöht sich von 40 Euro auf 42 Euro pro Kubikmeter für die Klärschlammentsorgung. „Wenn man den durchschnittlichen Verbrauch zugrunde legt, steigen die jährlichen Kosten in einem Vier-Personen-Haushalt von 200 auf 210 Euro“, erläuterte der Kämmerer. In diesem Bereich sei die Stadt Weener am günstigsten. In der Samtgemeinde Jümme und der Stadt Leer sei die Gebühr laut Großpietsch mit mehr als 80 Euro doppelt so hoch.
Weitere Investitionen geplant
Die Abgabe für Grundstücke, die nicht an das öffentliche Schmutzwasserkanalnetz angeschlossen werden können und die keine Kleinkläranlage haben, die dem Stand der Technik entspricht, wird ebenfalls angehoben. Die Abgabe steigt ab dem 1. Januar 2022 von 0,21 Cent pro Kubikmeter auf 0,35 Cent.
Im Klärwerk in Weener wird 2022 eine neue Lüftungs- und Gebläsetechnik eingebaut. Allein die Kosten hierfür belaufen sich auf 1,1 Millionen Euro. Ziel dieser und weiterer Maßnahmen ist es, die hohen Energiekosten der Anlage herunterzufahren und ihre Leistungsfähigkeit zu erhöhen. All diese Investitionen fließen in die Gebührenkalkulation ein. Ob sie einen positiven Effekt auf die Gebühren haben, wird sich erst nach einem längeren Zeitraum herausstellen. Einsparungen erhofft man sich auch von der Stilllegung der Kläranlage in Diele, die mittelfristig in den kommenden fünf Jahren umgesetzt werden soll. Das Abwasser aus Diele soll dann über eine Druckrohrleitung zum Pumpwerk nach Stapelmoor und von dort zur Kläranlage nach Weener geleitet werden. Doch dazu muss die Stadt zunächst kräftig investieren. Neben der Verlegung der Druckrohrleitung muss das Pumpwerk in Stapelmoor aufgerüstet werden.