Genuss
Süße Kunstwerke sollen Schokoladenfans begeistern
Ein Wasserschaden hat Leonie Paffen vor der Eröffnung ihrer Pop up-Patisserie in Leer einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jetzt startet die Konditormeisterin in Weener durch – im Eiscafé Venezia.
Weener - Im Eiscafé Venezia in Weener wäre jetzt normalerweise Winterpause. Umso mehr wundern sich viele Passanten über das rege Treiben im gläsernen Eislabor, das man durch eine große Glasfront beobachten kann. Doch es ist kein Eis, was dort hergestellt wird. Die Eismaschinen sind einem Backofen gewichen. Leonie Paffen hat dort eine Pop-up-Patisserie eröffnet. Bis das Eiscafé im Frühjahr wieder öffnet, stellt die Konditormeisterin aus Leer dort handgefertigte Pralinen, feinste Trüffel und andere Köstlichkeiten her – geplant war das an diesem Standort allerdings nicht.
Was und warum
Darum geht es: Die 27-jährige Konditormeisterin Leonie Paffen macht sich mit einer Patisserie selbstständig. Fast wäre die Eröffnung ihres Pop ups nichts geworden.
Vor allem interessant für: Liebhaber süßer Kunstwerke und Weeneraner, die sich über ein neues Angebot in der Stadt freuen.
Deshalb berichten wir: Wir haben ein Hinweis bekommen, dass in der Westerstraße ein Pop up-Unternehmen eröffnet und nachgefragt, was dahintersteckt. Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de
Eigentlich wollte die 27-Jährige den Schritt in die Selbstständigkeit in den Räumen der Gelateria Arte Dolce in der Mühlenstraße 35 in Leer wagen. Kurz vor der Eröffnung dann der Schock. „Im oberen Geschoss war ein Rohr geplatzt. Das Wasser lief über Stunden durch die Decke“, erzählt die Existenzgründerin. „Als ich das gesehen habe, war ich fix und fertig.“ Doch die 27-Jährige hatte Glück im Unglück.
Wasserschaden im Laden
Andreas und Vanessa Karafotias, die die Eismanufaktur in der Mühlenstraße betreiben, saßen eigentlich schon auf gepackten Koffern für die Reise in ihr italienisches Winterquartier. Als sie von dem Malheur hörten, boten sie Leonie Paffen spontan ihre Räume in der Westerstraße in Weener an. „Ich bin unendlich dankbar, dass ich nun doch loslegen kann“, sagt Leonie Paffen begeistert.
Für die Leeranerin geht mit dem Start-up ein Lebenstraum in Erfüllung. „Ich habe schon immer gerne gebacken“, erzählt sie. Nach dem Abitur und einem Auslandsjahr machte sie ihre Leidenschaft zum Beruf und begann 2015 eine Ausbildung zur Konditorin bei der renommierten Konditorei und Confiserie Gmeiner im Schwarzwald. „Nach Abschluss der Ausbildung habe ich dort hauptsächlich Sachen für Events und Messen gefertigt.“
Schritt in die Selbstständigkeit
Zwei weitere Jahre sammelte sie in einem Feinkostladen auf Föhr Erfahrungen. „Dort habe ich nicht nur die Backstube geleitet, sondern konnte dort auch eine Chocolaterie einrichten und schonmal ein Gefühl in völlig selbstständiges Arbeiten bekommen“, erzählt die Existenzgründerin. Im vergangenen Jahr hat sie in Potsdam und Oldenburg ihre Meisterprüfung abgelegt und ihr nächstes Ziel ins Auge gefasst: den Schritt in die Selbstständigkeit.
In einem Gebäudeteil von Möbel Schulte in Leer soll die Patisserie zu einem späteren Zeitpunkt ihren festen Standort bekommen. „Ein Café ist dort nicht geplant. Alles ist nur zum Mitnehmen.“ Nach dem Prinzip funktioniert auch die Pop-up-Patisserie in der Westerstraße in Weener. Geöffnet ist dort immer sonnabends von 11 bis 15 Uhr. Alles andere kann auf Bestellung abgeholt werden.
Backofen statt Eismaschine
Im Eislabor entstehen nun süße Kunstwerke unterschiedlichster Art. Hochzeitstorten, französische Macarons und Gianduja-Pralinen. „Ich arbeite gerne mit Schokolade“, sagt Leonie Paffen. Sie kann gar nicht verstehen, wenn jemand beispielsweise einen Trüffel mit einem Bissen verspeist. „Man muss doch genießen, wie sich der Geschmack entfaltet“, findet die Leeranerin, die aus feinster französischer Kuvertüre Trüffel und Pralinen entstehen lässt, die auf der Zunge zerschmelzen.
Wie widersteht sie bei ihrer Arbeit eigentlich der Versuchung, selbst zu naschen? „Wenn man etwas wirklich Feines genießt, reicht ja auch ein Stück“, sagt sie und nennt den Grund, warum sie trotz ihres Berufs keine Gewichtsprobleme hat. „Auch wenn man es vielleicht nicht vermutet, ist das Handwerk manchmal auch anstrengend“, sagt die Konditormeisterin, „wenn man so ein Backblech aus dem Ofen hebt, kommen schon einige Kilogramm zusammen.“ Bei der Arbeit möchte sie aber auch ihre ganz persönliche künstlerische Note zum Ausdruck bringen. „Ich habe daher auch mal einen Auftrag abgelehnt, eine Ostfriesen-Torte in traditioneller Art herzustellen“, erzählt sie.
„Ich möchte die Leute mit diesem Genusserlebnis glücklich machen“, bringt sie ihren Anspruch auf den Punkt. Das soll auch im Namen ihrer Pop up-Patisserie zum Ausdruck kommen. „Oh, Leonie“ hat sie ihr Unternehmen genannt. Die junge Existenzgründerin wünscht sich, dass die Kunden den Firmennamen für sich ergänzen „Oh, Leonie, wie lecker“.