Corona in Ostfriesland
Kinder und Jugendliche geraten unter Impfdruck
Die Ausnahmen für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren bei den 2G- und 3G-Regeln könnten zum Jahresende fallen. Ein Kinobesuch wäre dann beispielsweise ungeimpft nicht mehr möglich.
Ostfriesland - Mit den Freunden ins Kino gehen, zum Turnverein oder aber mit den Eltern ins Restaurant: Für Kinder und Jugendliche, die bis zum 1. Januar keinen vollen Impfschutz haben oder nicht genesen sind, könnte das zum Problem werden. Alle anderen müssten zumindest in allen Bereichen, in denen die 2G+-Regel gilt, wie Erwachsene einen Testnachweis vorlegen.
Bislang waren Kinder und in weiten Teilen auch Jugendliche davon befreit. Das könnte sich schon bald ändern, wie ein Blick in die Corona-Verordnung des Landes zeigt. Demnach sind die Ausnahmen bis zum 31. Dezember dieses Jahres befristet. Sollte die Regel nicht verlängert werden, haben ungeimpfte Kinder und Jugendliche, die zwölf Jahre oder älter sind, das Nachsehen. Konkret könnte das bedeuten, dass sie beispielsweise kein Restaurant, Café oder Kino mehr betreten dürfen. Auch die Teilnahme am Vereinssport oder der Besuch beim Frisör werden zum Problem. Für Jugendliche in der Ausbildung würde dann auch die 3G-Regel am Arbeitsplatz greifen und sie müssten sich täglich testen lassen, ehe sie den Betrieb betreten.
Impfschutz kann gar nicht mehr rechtzeitig aufgebaut werden
Die Krux an der Sache: Wer sich angesichts dessen jetzt noch schnell impfen lassen möchte, hat den nötigen Impfschutz bis zum Inkrafttreten der neuen Regel zum 1. Januar 2022 nicht aufgebaut. Ein weiteres Problem ist der Impfstoffmangel, der zum Beispiel auch die Arbeit der Emder Kinder- und Jugendärztin Dr. Sigrun Hartmann schwermacht. Die Medizinerin impft, wie viele ihrer Kollegen auch, seit mehreren Monaten Jugendliche ab zwölf Jahren. Wie groß der Anteil der bereits Geimpften in dieser Altersklasse sei, könne sie nicht sagen, weil sich die Jungen und Mädchen auch an Schulen impfen lassen können.
Die Stadt Emden hat beispielsweise in der letzten Novemberwoche eine zentrale Impfaktion für die Schüler und Schülerinnen der weiterführenden Schulen angeboten. Mitte Dezember soll es nach Angaben von Stadtsprecher Eduard Dinkela eine erneute Aktion geben. Auch im Landkreis Aurich hat es schon spezielle Impf-Aktionen an den weiterführenden Schulen gegeben. „Mit vergleichsweise geringer Resonanz“, wie der Sprecher des Landkreises Aurich, Rainer Müller-Gummels, auf Nachfrage mitteilt. Aktuell seien keine weiteren Aktionen geplant. Stattdessen hätten Schülerinnen und Schüler auch die Möglichkeit, sich für die Impfungen im Auricher EEZ anzumelden. Dies ist über das Impfportal des Landes möglich.
Im Landkreis Leer konnten Schülerinnen und Schüler bereits im September im Impfzentrum eine Impfung erhalten, nachdem die Ständige Impfkommission (Stiko) eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen hatte. „Seit Anfang November impfen die mobilen Teams auch in Schulen im Kreisgebiet“, sagt Landkreis-Pressesprecherin Annika Smit. 15 Schulen seien bereits angefahren worden. Insgesamt habe es durch die mobilen Teams an den Schulen 770 Erstimpfungen, 481 Zweitimpfungen sowie 637 Auffrischungsimpfungen gegeben. Jeder Schüler und jede Schülerin könne zudem auch die übrigen Impfaktionen der mobilen Impfteams besuchen, von denen bis Weihnachten noch mindestens 13 Aktionen in den Gemeinden im Leeraner Kreisgebiet angeboten werden würden.
Nach Schätzungen von Dr. Sigrun Hartmann gebe es dennoch viele ungeimpfte Jugendliche. Wer sich jetzt impfen lässt, könne schon nicht mehr vor Weihnachten die zweite Dosis bekommen und hätte dann im Januar keinen vollen Impfschutz. „Entsprechend kann das bis Anfang Januar gar nichts mehr werden“, so Hartmann. Außerdem sei zu bedenken, dass ab Mitte Dezember auch fünf- bis elfjährige Kinder geimpft werden sollen.
Größtes Problem: Zu wenig Impfstoff
„Aber im Moment ist das größte Problem der nicht vorhandene Impfstoff“, sagt Hartmann. Weil der Impfstoff Moderna für Personen unter 30 Jahren nicht mehr eingesetzt werden soll und es von Biontech höchstens 30 Dosen pro Arzt und Woche gibt, „können wir kaum etwas erreichen.“
Die Kinder und Jugendlichen täten ihr „unglaublich leid“. Sie hätten sich eineinhalb Jahre eingeschränkt, man habe ihnen diese Einschränkungen aufgezwungen, um Erwachsene zu „retten“, die sich jetzt nicht impfen lassen würden. „Und zur ,Belohnung’ sollen sie wieder mittels 2G vom öffentlichen Leben ausgeschlossen werden, obwohl sie selbst höchstwahrscheinlich gar nicht schwer krank werden würden.“ Sie seien schon jetzt deutlich häufiger als in den letzten Jahren psychisch krank oder beeinträchtigt und bräuchten unbedingt soziale Kontakte.
Mehr Aufwand für Vereine, Kinder und Eltern
Bei einigen Sportvereinen ist die mögliche Aufhebung der Ausnahmen bereits ein Thema, wenngleich dies nicht zum sofortigen Handeln führt. Angesichts der dynamischen Entwicklung sei man dazu übergangen, nicht mehr allzu weit im Voraus zu planen, wie Peter Bartsch als Chef vom Stadtsportbund Emden sagt. „Man kann die Lage inzwischen kaum noch abschätzen.“ Im Falle dessen, dass ungeimpfte Kinder und Jugendliche dann nicht mehr am Vereinssport teilnehmen oder aber bereits geimpfte dann einen Testnachweis vorlegen müssten, „würde es natürlich mehr Aufwand für die Vereine bedeuten.“
Das sieht auch Adelheid Klaassen vom Emder Turnverein (ETV) so. Sie habe jedoch den Eindruck, dass bereits viele Kinder und Jugendliche schon geimpft seien. Aktuell gilt bei allen Angeboten für Erwachsene die 2G+-Regel. Die Eltern seien darum gebeten worden, ihre Kinder und Jugendlichen nicht ohne vorherigen Test in die Halle zu schicken. Das funktioniere sehr gut. „Da muss man ein großes Lob aussprechen“, sagt sie.