Gastronomie

Erste Konsequenzen aus 2G+ und Test-Chaos

Claus Hock
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Von Claus Hock
| 02.12.2021 16:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
2G+ ist das eine, aber kombiniert man das mit fehlenden Testkapazitäten, dann gibt es schnell Probleme. Ein Gastronom in Pilsum hat daraus jetzt Konsequenzen gezogen. DPA-Symbolfoto: Schuldt
2G+ ist das eine, aber kombiniert man das mit fehlenden Testkapazitäten, dann gibt es schnell Probleme. Ein Gastronom in Pilsum hat daraus jetzt Konsequenzen gezogen. DPA-Symbolfoto: Schuldt
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Die Alte Brauerei in Pilsum zieht Konsequenzen aus 2G+ und den fehlenden Testkapazitäten. Die neue Regelung beutelt die Gastronomen stark, bestätigt auch die Dehoga Ostfriesland.

Pilsum - Während in Greetsiel eine Gastronomie kurzerhand selbst eine kleine Teststation einrichtet, zieht man in Pilsum andere Konsequenzen aus 2G+-Pflicht und mangelnden Testmöglichkeiten. Die „Alte Brauerei“ Pilsum hat unter anderem auf Facebook bekanntgegeben, dass man sich bis auf weiteres nicht in der Lage sehe, den Restaurantbetrieb aufrechtzuerhalten.

Als Grund wird auf dem Anrufbeantworter angegeben, dass aktuell kaum kurzfristige Testtermine zu erhalten seien. Die Betreiber der Alten Brauerei waren für die Redaktion am Donnerstag nicht erreichbar.

Was und warum

Darum geht es: Die Stimmung unter den Gastronomen ist schlecht, manche ziehen aus der aktuellen Situation schon Konsequenzen.

Vor allem interessant für: diejenigen, die die aktuellen Entwicklungen beobachten

Deshalb berichten wir: Uns war die vorübergehende Schließung der Alten Brauerei aufgefallen. Das haben wir zum Anlass genommen, um einen Blick auf die Branche zu werfen.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

„Stimmung ist nicht gut“

Diese Notbremse zeigt aber die Kehrseite der recht plötzlich eingeführten Testpflicht auch für Genesene und Geimpfte. Die Testinfrastruktur ist noch nicht vorhanden, in der Gemeinde Krummhörn sucht man beispielsweise noch händeringend nach einem Betreiber für zwei Testzentren. Die bestehenden Stationen beispielsweise in Emden oder der Stadt Norden sind größtenteils völlig überlaufen.

„Die Stimmung in der Gastronomie ist nicht gut“, sagt Erich Wagner, 1. Vorsitzender der Dehoga Ostfriesland, im Gespräch mit unserer Zeitung. Wagner betreibt das Hotel Zur Post in Wiesmoor. „Die Gastronomen gehören mal wieder zu den Leidtragenden. Es gibt wieder viele Existenzängste“, sagt er. Der Dezember sei der wichtigste Monat für die Gastronomie. „Aber viele Firmen und Gruppen haben schon ihre Reservierungen abgesagt“, so Wagner. Die mangelnden Testkapazitäten würden jetzt auch dafür sorgen, dass auch vermehrt weitere Gäste fernbleiben.

Kein Vorwurf gegenüber lokalen Behörden

Die Stimmung unter den Gästen sei „mal so, mal so“, sagt Wagner. Manche Gäste würden die neuen Regelungen gar nicht akzeptieren. „Manche denken sogar, dass wir Gastronomen für die Regeln verantwortlich sind“, sagt er. Dabei setze man nur die Bundes- und Landesregeln um. Andere Gäste würden hingegen ihr möglichstes tun, um gerade in der Adventszeit sich auch mal den Gang ins Restaurant zu gönnen.

„Wir müssen jetzt schnell ans Boostern kommen und das auch immer beibehalten“, sagt Wagner. Dies würde auch über die Dehoga in Richtung Politik so kommuniziert. „In anderen Ländern, in denen viel geimpft und aufgefrischt wird, sehen die Zahlen anders aus“, sagt er. In Deutschland habe die Politik die richtigen Maßnahmen aber „mal wieder verschlafen“. Dem Landkreis und den Verwaltungen vor Ort macht Wagner keinen Vorwurf. „Im Gegenteil“, sagt er. „Die Behörden sind sehr bemüht, uns zu helfen und auch neue Test- und Impfkapazitäten zu schaffen“, so seine Erfahrung.

Initiativen, wie die vom Restaurant Seestern in Greetsiel, das bis zur Eröffnung von neuen Teststationen in der Gemeinde Krummhörn diesen Service einfach selbst anbietet, begrüßt Wagner zwar, aber das sei nicht Aufgabe der Gastronomen. „Dennoch ist uns allen natürlich daran gelegen, unseren Gästen einen Aufenthalt zu ermöglichen.“ Er gibt aber auch den Faktor Zeit zu bedenken. Wenn von 50 Gästen 40 ohne Test erscheinen, dann sei eine Tischplanung aufgrund der zusätzlichen Testzeit gar nicht mehr möglich. „Wir bitten deswegen darum, schon getestet zu uns zu kommen“, sagt der Chef vom Hotel Zur Post.

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