Osnabrück
Kommt das E-Cabrio für den VW-Standort Osnabrück?
Endlich gute Nachrichten für den VW-Standort Osnabrück? Laut Volkswagen-Chef Herbert Diess hat das Werk gute Aussichten auf ein E-Cabrio. Was das bedeutet.
Kommt in diesem Jahr doch noch die Ankündigung für die Produktion eines neuen Modells am VW-Standort Osnabrück? Volkswagen-Chef Herbert Diess hat kurz vor Abschluss der diesjährigen Investitionsplanungsrunde des Konzerns dafür Hoffnungen geweckt. Das Osnabrücker Werk könnte laut Diess gute Aussichten auf ein Elektro-Cabrio haben. Osnabrück sei als „Nischen-Cabrio-Standort sehr kompetent“, sagte der Vorstandschef in einem internen Gespräch, zu dem die Belegschaft Fragen einreichen konnte. „Die nächste Möglichkeit muss natürlich ein elektrisches Cabrio sein. Es gibt Überlegungen bei Volkswagen, es gibt Überlegungen bei Audi.“
Kommt das ID3-Cabrio? Diess bleibt wage
Ob es sich bei den Überlegungen von Volkswagen um das ID.3-Cabrio handelt, bleibt offen. Konkreter wurde Diess in dem Gespräch nicht. Im März hatte Konzernchef auf Twitter einen Post veröffentlicht: „Wir denken über ein E-Cabrio nach, vielleicht ein VW-ID.3-Cabrio. Was meinen Sie?“
Die Resonanz auf den Vorstoß der Konzernleitung sei insgesamt positiv gewesen, sagte der Osnabrücker Werkschef Jörn Hasenfuß noch im Juli unserer Redaktion „Natürlich ist ein Cabriolet auf elektrischer Basis das, was wir uns hier am Standort wünschen. Wir haben intensiv mit dem Vorstand diskutiert und das ID3.-Cabrio ist derzeit in der Bewertung“, hieß es damals. Entschieden ist also noch nichts.
Gemischte Reaktion aus Osnabrück
Im Osnabrücker Werk wurde die Anmerkung von Diess zu einem möglichen E-Cabrio positiv aufgenommen. „Wir freuen uns über die Aussage von Herrn Diess“, teilte eine Werkssprecherin mit. Mit der Produktion des T-Roc-Cabrios zeigen am in Osnabrück tagtäglich seine Kompetenz. Sie dämpfte aber zeitglich die Erwartungen: „Die Aussage von Diess ist keine Entscheidung, dafür gibt es den Bewerbungsprozess, alles andere wäre Spekulation.“
Entsprechend zurückhaltender fällt auch die Reaktion IG Metall und des Betriebsrats vor Ort aus. „Herr Diess kann der Ankündigung gerne Taten folgen lassen“, sagte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Osnabrück, Stephan Soldanski, unserer Redaktion. Und auch Betriebsratschef Gerhard Schrader sagte: „Wir nehmen alle beim Wort, die uns jetzt Versprechungen machen.“
Denn der Vorstoß von Diess jetzt kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Auslastung und die Zukunft des Werkes und damit auch die Sicherheit der Arbeitsplätze - mal wieder - ein großes Thema ist. Produziert wird in Osnabrück aktuell lediglich das T-Roc-Cabriolet. Insgesamt 17.800 Fahrzeuge sollen in in diesem Jahr in Osnabrück gefertigt werden. Hinzu kommt seit September die Montage eines Teils der Arteon Shooting Brakes. Produziert werden die Fahrzeuge allerdings im Schwesterwerk in Emden, das derzeit zu einem E-Standort umgebaut wird. Aufgrund des anhaltenden Halbleitermangels wird das Osnabrücker Werk nach einer Woche Kurzarbeit im November allerdings auch im Dezember an vier Tage die Produktion herunterfahren. Die technische Entwicklung sowie der Anlagen- und Werkzeugbau sind von der Kurzarbeit nicht betroffen.
Lesen Sie auch: So steht es um VW Osnabrück vor dem Werksurlaub
Stand jetzt: Keine Fahrzeugproduktion mehr Ende 2025/26
Gibt es keine Ankündigung für ein neues Modell am Standort Osnabrück, wird nach jetzigem Stand Ende 2025/26 kein Auto mehr in der Hasestadt produziert. „Das zeigt die Dringlichkeit, in Wolfsburg endlich eine strategische Entscheidung für das Osnabrücker Werk zu fällen“, so Betriebsratsvorsitzender Gerhard Schrader. „In der letzten Planungsrunde von VW sind wir vertröstet worden und auch in dieser zeichnet sich derzeit keine Lösung für ein neues Fahrzeugbauprojekt am Standort ab.“
Den rund 2400 Mitarbeitern sei die Situation des Standorts bewusst. „Sie sorgen sich darum wie es weitergeht. Sie haben Angst um ihren Arbeitsplatz“, sagt Schrader. Schon in vergangenen Jahr hatte die Belegschaft ähnliche Sorgen gegenüber Ministerpräsident Stephan Weil geäußert, als dieser vor der letztjährigen Planungsrunde das Werk besuchte. Damals gab es keine Entscheidung für ein neues Modell am Standort Osnabrück.
Schrader: Kleinserien können wirtschaftlich produziert werden
Bislang fehlt aus Wolfsburg eine Aussage zur künftigen Strategie für den VW-Standort Osnabrück, bemängeln sowohl Soldanski als auch Schrader. Und IG-Metaller Soldanski ergänzt: „Wir brauchen jetzt zeitnah eine Richtungsentscheidung aus Wolfsburg, um zum Beispiel auch den Wissenstransfer durch verstärkte Ausbildung zu organisieren. Wenn keine Entscheidung kommt, verlieren wir den Anschluss und können zukünftig nicht mehr die komplette Fertigungstiefe - die uns heute auszeichnet - darstellen.“
Ein Kostenproblem für den Konzern sei Osnabrück als kleiner Standort nicht. „Wenn wir das Volumen kriegen, das zu unserer Fabrik passt, haben wir kein Problem Kleinserien wirtschaftlich abzubilden. Wir sind ein Mehrmarkenwerk“, betont Betriebsratsvorsitzender Schrader. „Im Unterschied zu anderen gehen wird mit Ideen nach Wolfsburg. Dafür braucht es jedoch das OK. Wir wollen kein Problem sein, sondern zur Lösung beitragen und die Produktpalette von Volkswagen, Audi, Porsche und anderen Marken bereichern.“
Zum 9. Dezember wird der Abschluss der Investitionsplanung bei VW für die kommenden fünf Jahre erwartet. Der Konzernchef sagte an die Beschäftigten gerichtet, er sei „sicher, dass sich Osnabrück um eine Fertigung bei unserem elektrischen Cabrio bewerben wird. Da bin ich sehr zuversichtlich.“