Corona in Ostfriesland
Ostfriesischer Zahnarzt-Vorstand will nicht impfen
Die Ministerpräsidentenkonferenz will Zahnärzte und Apotheker schnellstmöglich in die Impfkampagne einbinden. Manche haben mit der Kurzfristigkeit ein Problem, andere sind grundsätzlich dagegen.
Ostfriesland - Geht es nach der Ministerpräsidentenkonferenz sollen künftig auch Zahnärzte und Apotheker die Corona-Impfung durchführen. Laut Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat der Bund zugesagt, die rechtlichen Bedingungen dafür zu ändern. Und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat angekündigt, dass die 150 Apotheken, die bereits gegen die Grippe impfen, auch kurzfristig für die Anti-Corona-Spritze bereitstünden. Nur sehen das sowohl die Apotheker als auch die Zahnmediziner etwas anders.
Berend Groeneveld, Norder Apotheker und Vorstandsvorsitzender des Landesapothekerverbands Niedersachsen, hatte der Redaktion vor einigen Tagen gesagt, dass zwar jede Apotheke in Niedersachsen ein Beratungszimmer habe, doch weder ausreichend Platz noch genug Personal, um einem Ansturm auf Booster-Impfungen standzuhalten. Groenevelds Verband schreibt jetzt, dass auch die Apotheken, die an der Grippeschutzimpfung beteiligt sind, ohne Gesetzesänderung nicht einfach mit der Corona-Spritze loslegen dürften.
Medizinisch und rechtlich nicht vernünftig
Wenn der Gesetzgeber eine Beteiligung an der Impfkampagne wünsche, verschließe man sich diesem nicht – man brauche allerdings eine ausreichende Vorbereitungszeit. Groeneveld hatte dazu gesagt: „In ein paar Monaten ist das nicht zu machen.“ Gar nicht zu machen ist das aus Sicht von Dr. Michael Debbrecht, Vorsitzender des Ostfriesland-Bezirks der Zahnärztekammer Niedersachsen. „Wir sind keine Allgemeinmediziner“, sagt er. Weder rechtlich noch medizinisch halte er es für vernünftig, in Zahnarztpraxen zu impfen.
Es gehe schließlich nicht einfach darum, die Spritze zu setzen, sondern auch um die Beratung sowie Aufklärung und darum, bei Komplikationen professionell eingreifen zu können. „Wenn es unseren Patienten aufgrund einer Anästhesie nicht gut geht, wissen wir natürlich, was zu tun ist“, sagt Debbrecht. Für allgemeinmedizinische Anamnesen, die keinen Bezug zu ihrer üblichen Arbeit hätten, und die Absicherung von Impfungen seien Zahnärzte aber nicht ausgebildet. Es habe einen Grund, warum sich Mediziner spezialisierten.
Tierärzte wollen mitmachen
Der Ostfriesland-Vorstand rate den Kammer-Mitgliedern deswegen geschlossen davon ab, Corona-Impfungen durchzuführen, sagt Debbrecht. Wer sich dennoch dazu entschließe, bei der Impfkampagne mitzumachen, solle allerdings vorher unbedingt mit seiner Haftpflichtversicherung sprechen – denn Corona-Impfungen gehörten nicht zum Alltag der Zahnmediziner und es bestehe die Gefahr, dass Kollegen und Kolleginnen nicht ausreichend abgesichert seien.
Der Bundesverband Praktizierender Tierärzte hält derweil eine Beteiligung von Veterinären an den Corona-Impfungen unter bestimmten Voraussetzungen für durchaus machbar. „Grundsätzlich von der medizinischen Ausbildung können wir das leisten“, sagte die Verbandssprecherin, Tierärztin Astrid Behr, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur und fügte hinzu: „Machbar ist es.“ Nach ihren Angaben impfen beispielsweise in den USA Tierärzte schon lange. Allerdings müsse die Haftung geregelt sein.