Entsorgung
Wenn der Restmüll ungeahnte Sprengkraft entfaltet
Die Stadt Oldenburg hat sich jüngst an ihre Bürger gewandt und davor gewarnt, gefährliche Stoffe in die Restmülltonne zu werfen. Auch in Ostfriesland hat man damit schon schlechte Erfahrungen gemacht.
Ostfriesland - „Bombenstimmung in der Restabfalltonne“ ist ein Flyer überschrieben, den die Stadt Oldenburg jüngst an ihre Haushalte verteilt hat. Der Grund: Es komme immer wieder zu Unfällen in der Abfallbehandlungsanlage, weil Restabfalltonnen falsch befüllt worden seien, teilt die Stadtverwaltung mit. Konkret gehe es um gesundheitsgefährdende, brennbare und im Extremfall explosive Stoffe wie Farben, Lacke, Batterien, Akkus, Gasflaschen oder Munition und Feuerwerkskörper.
Was und warum
Darum geht es: Batterien, Lacke oder kleine Elektrogeräte können großen Schaden anrichten – das hat sich auch in Ostfriesland schon gezeigt.
Vor allem interessant für: alle, die es beim Befüllen der Restmülltonne gerne mal nicht allzu genau nehmen.
Deshalb berichten wir: Die Stadt Oldenburg hat ihre Bürger per Flyer um das richtige Befüllen der Restmülltonne gebeten, um Gefahren abzuwenden. Wir wollten wissen, wie die Lage in Ostfriesland ist. Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de
Ein reines Großstadtproblem? Nicht ganz, auch in Teilen von Ostfriesland kennen die Verantwortlichen dieses Problem. „Wir kennen den Oldenburger Flyer und auch bei uns ist das ein Thema“, bestätigt Yves Knoblich, der Pressesprecher des Abfallwirtschaftsbetriebs des Landkreises Aurich. In dem Betrieb wird neben dem Restmüll von Stadt und Landkreis Aurich auch der aus den Landkreisen Ammerland und Oldenburg (nicht der der Stadt Oldenburg) verarbeitet. Für das kommende Jahr sei eine ähnliche Kampagne geplant, wie sie gerade Oldenburg macht. „Von der Dringlichkeit her könnten wir sie auch jetzt schon machen, aber gerade konzentrieren wir uns auf Plastik im Biomüll.“ Zwei Kampagnen gleichzeitig seien erfahrungsgemäß nicht sinnvoll.
Brände in der Abfallbehandlungsanlage
Wie gefährlich Fehlwürfe wie Batterien oder kleine Elektrogeräte werden können, hätten zwei Brände vor gut anderthalb Jahren gezeigt. Einmal sei im Bereich des Vorzerkleinerers der mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlage (MBA) ein Feuer ausgebrochen und über das Förderband in die Halle getragen worden. Dort habe das Feuer einen großen Schaden angerichtet. „Auslöser war wahrscheinlich eine Lithium-Ionen-Batterie oder ein anderer brandgefährlicher Stoff, der für einen Funkenflug gesorgt hat“, sagt Knoblich. Ein anderer ähnlich gelagerter Vorfall sei glimpflicher ausgegangen, weil das Feuer schneller entdeckt worden sei. Dies seien nur zwei Beispiele von mehreren.
„Die illegale Entsorgung von Sonderabfällen über die Abfallbehälter ist natürlich grundsätzlich ein Problem“, sagt Ralf Klöker, Pressesprecher des Landkreises Wittmud. Es sei aber schwierig, vor dem Leerungsvorgang an der Straße die Tonnen auf ihren Inhalt hin zu überprüfen. „Sollte der Fahrer eine Fehlbefüllung über die Bord-Kameras bemerken, stoppt er natürlich den Kippvorgang und wir werden vom beauftragten Unternehmen über die nicht geleerte Tonne informiert. Das kommt jedoch recht selten vor.“ Genaue Informationen über das Ausmaß der Fehlwürfe im Landkreis Wittmund gebe es nicht, weil im zuständigen Abfallwirtschaftszentrum Wiefels in der Anlieferungshalle der Müll aus unterschiedlichen Landkreisen vermischt werde. Auf das korrekte Sammeln und Entsorgen werde im Tagesgeschäft und über den jährlichen Abfallratgeber hingewiesen.
Keine größere Probleme in Leer und Emden
Der Müll aus dem Landkreis Leer geht in die MBA Wilsum. Von dort habe es bisher noch keine Hinweise auf auffällig viele Fehlwürfe gegeben, sagt Klaus Anneken, Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs in Leer. „Die Bürger im Landkreis scheinen die richtige Sortierung und Zuordnung des Mülls ganz gut hinzukriegen.“
Ähnlich positiv äußert sich Eduard Dinkela, Pressesprecher der Stadt Emden. „Fehlwürfe in der Restmülltonne sind natürlich nicht auszuschließen. Aber uns sind keine größeren Probleme deswegen bekannt.“ Die Informationsstrategie und die des Bau- und Entsorgungsbetriebs Emden (BEE) und die verschiedenen Möglichkeiten, seinen Müll abzugeben, zeigten offensichtlich Erfolg.