Osnabrück

Kaufkraft sinkt: So stark belastet die Inflation die Arbeitnehmer

Uwe Westdörp
|
Von Uwe Westdörp
| 30.11.2021 12:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Die Inflationsrate hat einen neuen Höchstwert erreicht. Auch für Tarifbeschäftigte ist das bitter, denn ihre Verdienste hinken der Entwicklung deutlich hinterher. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Die Inflationsrate hat einen neuen Höchstwert erreicht. Auch für Tarifbeschäftigte ist das bitter, denn ihre Verdienste hinken der Entwicklung deutlich hinterher. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Artikel teilen:

Fast alles wird teurer: die Inflation steigt und steigt. Selbst für Tarifbeschäftigte, die in der Regel besser gestellt sind als andere, ist das bitter: Denn ihre Verdienste hinken der Entwicklung weiter hinterher.

Weiterer Kaufkraftverlust für Arbeitnehmer: Die Inflation ist auch im dritten Quartal schneller gestiegen als die Verdienste der Tarifbeschäftigten. Und die Teuerungsrate steigt aktuell immer weiter.

Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, sind die Tarifverdienste in Deutschland im 3. Quartal 2021 um durchschnittlich 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen. „Dies ist der geringste Anstieg seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2010.“ Im gleichen Zeitraum erhöhten sich die Verbraucherpreise um 3,9 Prozent, sodass die Beschäftigten unter dem Strich deutlich an Kaufkraft verloren haben.

Das Ergebnis berücksichtigt tarifliche Grundvergütungen und Sonderzahlungen wie Einmalzahlungen, Jahressonderzahlungen oder tarifliche Nachzahlungen. Ohne Sonderzahlungen lag der Anstieg der Tarifverdienste im Vorjahresvergleich bei 1,3 Prozent.

Lesen Sie auch:

Die relativ geringen Steigerungen der Verdienste sind auf verhaltene Tarifabschlüsse unter dem Eindruck der Corona-Pandemie zurückzuführen. Weitere Einbußen, beispielsweise durch Kurzarbeit, sind in der Auswertung der Tarifgehälter nicht enthalten. Vor der Pandemie hatten die Beschäftigten meist Lohnsteigerungen oberhalb der Inflation erhalten.

Wer lag über dem Schnitt, wer darunter?

Unterdurchschnittliche Tarifsteigerungen (plus 0,5 Prozent) gab es im 3. Quartal vor allem im Bereich „Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen“. Auch im Bereich „Freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen“ war die Tarifentwicklung unterdurchschnittlich (plus 0,8 Prozent).

Überdurchschnittlich - um 2,9 Prozent - stiegen die Tarifverdienste vor allem bei den sonstigen Dienstleistungen, so die Statistiker. „Hier machte sich neben regulären Tariferhöhungen vor allem die Angleichung der Entgelte im Osten an die des Westens im Bereich der Arbeitnehmerüberlassung bemerkbar.“ In der Arbeitnehmerüberlassung stiegen die Tarifverdienste insgesamt um 3,7 Prozent. Ein überdurchschnittliches Plus im Vergleich zum Vorjahresquartal gab es auch im Baugewerbe (2,1 Prozent) und in der Energieversorgung (2,0 Prozent). 

Im verarbeitenden Gewerbe sanken die Tarifverdienste einschließlich Sonderzahlungen um 0,9 Prozent. Dabei ist ein Sondereffekt zu beachten, so das Statistische Bundesamt: „In der Metall- und Elektroindustrie wurde im 3. Quartal 2020 eine Pauschalzahlung geleistet, die im Jahr 2021 erst für das 4. Quartal vorgesehen ist. Ohne  Sonderzahlungen lagen die Tarifverdienste im Verarbeitenden Gewerbe um 0,6 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Inflationsrate auf 5,2 Prozent gestiegen

Die Teuerungsrate ist unterdessen auf 5,2 Prozent gestiegen. Sie hat damit im November den höchsten Stand seit fast 29 Jahren erreicht. Ökonomen rechnen freilich damit, dass die Inflationsrate zu Beginn des kommenden Jahres wieder sinkt, vor allem weil ein Sondereffekt aus der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung entfällt. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung prognostizierte jüngst für 2022 einen Rückgang der Teuerungsrate auf 2,6 Prozent. 

Ähnliche Artikel