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Moderna-Chef geht von geringerer Wirksamkeit gegen Omikron aus

Anneke Mayra Petersen
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Von Anneke Mayra Petersen
| 30.11.2021 11:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Moderna-Chef Bancel schätzt die Wirksamkeit der bestehenden Impfstoffe gegen die neue Omikron-Variante als geringer ein. Foto: imago images/NurPhoto/Jakub Porzycki
Moderna-Chef Bancel schätzt die Wirksamkeit der bestehenden Impfstoffe gegen die neue Omikron-Variante als geringer ein. Foto: imago images/NurPhoto/Jakub Porzycki
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Die Verbreitung der neuen Omikron-Variante lässt einen Rückschlag in der Pandemiebekämpfung befürchten. Moderna-Chef Stephane Bancel nimmt an, dass die aktuellen Vakzine vermutlich weniger wirksam gegen die Mutante sind.

Die neue Omikron-Variante bereitet angesichts steigender Infektionszahlen in Europa zusätzlich Sorge. Immer mehr Länder melden Infektionen mit der neuen Coronavariante. Wie gefährlich genau Omikron ist, ist bislang unklar. 

Eine Aussicht auf die potentielle Wirksamkeit der bestehenden Corona-Impfstoffe gegen die neue Variante gab jetzt Stéphane Bancel, Chef des Impfstoffherstellers Moderna. Gegenüber der „Financial Times“ (FT) sagte er, dass er von einer geringeren Schutzwirkung der existierenden Impfstoffe gegen Omikron ausgeht. 

Im Video: Moderna-Chef: Corona-Impfstoffe gegen Omikron wahrscheinlich weniger wirksam

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„Erhebliche Abnahme“ der Schutzwirkung

Bancel nehme an, dass die Impfstoffe vor der neuen Variante nicht so effektiv schützen, wie vor der Delta-Variante. „Ich denke, es wird eine erhebliche Abnahme sein. Ich weiß nur nicht, wie viel, weil wir die Daten abwarten müssen“, so Bancel. „Aber alle Wissenschaftler, mit denen ich gesprochen habe, sagen eher: 'Das wird nicht gut sein.'“

Die vielen Mutationen der neuen Variante am Spike-Protein bereiteten Wissenschaftlern Sorge. Dieses Protein an der Oberfläche des Virus nutzen die Vakzine, um eine Immunreaktion gegen das Coronavirus auszulösen. Viele Experten seien davon ausgegangen, dass es erst in ein oder zwei Jahren eine so stark mutierte Variante des Coronavirus auftauchen würde, so Bancel.

Albert Bourla, Chef des Moderna-Konkurrenten Pfizer, hatte sich zuvor optimistischer geäußert. Mit Blick auf Tests des Biontech/Pfizer-Impfstoffes gegen die neue Virusvariante sagte er: „Ich denke nicht, dass das Ergebnis sein wird, dass das (derzeitige) Vakzin nicht schützt.“ Laut Bancel dürften konkrete Daten zur Wirksamkeit der Impfstoffe gegen Omikron in zwei Wochen vorliegen.

Herstellung passender Impfstoffe könnte Monate dauern

Stellt sich die Wirksamkeit der bestehenden Impfstoffe als nicht ausreichend heraus, müssten diese an die Omikron-Variante angepasst werden. Moderna arbeite bereits an einem entsprechenden Impfstoff. Bis ein spezifischer Omikron-Impfstoff in großen Mengen hergestellt werden kann, könnte es jedoch Monate dauern, so Bancel. 

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Moderna und Pfizer wären nicht in der Lage nächste Woche eine Milliarden Dosen herzustellen, sagte der Moderna-Chef. „Die Rechnung geht nicht auf. Aber könnten wir die Milliarde Dosen bis zum Sommer auf den Markt bringen? Sicher“, so Bancel weiter. Allerdings wäre es riskant, die gesamte Produktion auf einen Impfstoff gegen Omikron auszurichten, solange noch andere Varianten im Umlauf sind.

Bis ein passender Impfstoff zur Verfügung stehe, könnten stärkere Booster-Impfungen den besten Schutz für ältere Menschen oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem bieten. Auch Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts sagte kürzlich, dass selbst bei geringerer Wirksamkeit gegen eine neue Virusvariante die Impfung die beste Option sei. „Alle Menschen, die sich impfen lassen, fangen nicht bei null an, wenn sie sich mit einer neuen Variante infiziert haben“, sagte er bei einer Digitalveranstaltung des Bundesgesundheitsministeriums in Berlin.

Omikron-Sorge zeigt sich am Aktienmarkt

Nach den skeptischen Aussagen des Moderna-Chefs zur Wirksamkeit der bisherigen Impfstoffe gegen Omikron stieg am Dienstag die Nervosität der Anleger spürbar. Der Dax sank im frühen Handel um 1,04 Prozent auf 15 121,83 Punkte. Vor allem die Prognose, dass die Herstellung passender Vakzine länger dauern könnte, bereitete Anlegern Sorge. „Omikron könnte damit die Börsen länger im Würgegriff halten als bislang gedacht“, sagte Kapitalmarktexperte Jürgen Molnar von RoboMarkets gegenüber der Deutschen Presseagentur.

mit dpa 

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