Corona in Ostfriesland

FFP2-Maske im Supermarkt? Land verbreitet falsche Infos

| | 29.11.2021 19:13 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In der Gastronomie ist sie Pflicht – im Einzelhandel aber nicht: die FFP2-Maske. Foto: Rumpenhorst/DPA
In der Gastronomie ist sie Pflicht – im Einzelhandel aber nicht: die FFP2-Maske. Foto: Rumpenhorst/DPA
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Das Land hat in einer Pressemitteilung, in Grafiken und in den „Häufig gestellten Fragen“ auf seiner Webseite behauptet, im Einzelhandel gelte bei Warnstufe 2 die FFP2-Maskenpflicht. Das stimmt nicht.

Ostfriesland/Hannover - Das Land Niedersachsen hat am Montag für große Verwirrung um die ab Mittwoch in ganz Ostfriesland geltende FFP2-Maskenpflicht gesorgt. Gemäß der Pressemitteilung zu den aktuellen Warnstufen sowie den Grafiken und Hinweisen auf der Internetseite der niedersächsischen Landesregierung sollte diese Pflicht auch im Einzelhandel gelten. In den FAQ – den häufig gestellten Fragen – hieß es beispielsweise zum Einzelhandel: „Wichtig: Ab Warnstufe 2 ist nur noch eine FFP2-Maske im Rahmen der Maskenpflicht zulässig.“ In einer Grafik war ein Piktogramm eines Einkaufswagens zu sehen – mit dem Hinweis: „Ab Warnstufe 2 gilt die FFP2-Maskenpflicht!“ Das Problem: Das stimmt nicht. Die aktuelle Corona-Verordnung sieht eine solche Pflicht für den Einzelhandel nicht vor. Das räumte am späten Nachmittag auch Oliver Grimm, Pressesprecher des Gesundheitsministeriums, ein.

Auf der Webseite heißt es fortan zu den FFP2-Masken: „(gilt nicht im Einzelhandel)“. Wie es zu den falschen Informationen gekommen ist, konnte Grimm nicht sagen. „Ich weiß, dass es da heute Abstimmungen gegeben hat. Allerdings ist für die Grafiken die Staatskanzlei zuständig.“ In deren Pressestelle war am späten Montagabend telefonisch niemand erreichbar. Ohnehin war das Kind längst in den Brunnen gefallen: Auf der Facebook-Seite des Kreises Leer hatten mehrere Personen gefragt, ob die Pflicht auch beim Einkaufen gelte. Der Kreis bejahte das – mit Verweis auf das Land. Eine Diskussion – insbesondere über den Preis der Masken – brach los.

„Es ist mehr als bedauerlich“

Nach dem Hinweis der Redaktion hat der Kreis die Angaben auf Facebook korrigiert. „Wir haben uns bei den Antworten auf Bürgeranfragen in den Sozialen Medien ausdrücklich auf eine Information des Landes Niedersachsen bezogen, wie sie auf der Landesseite unter den FAQs zu finden war“, teilte Pressesprecher Philipp Koenen mit. „Es ist mehr als bedauerlich, dass diese Information des Landes offenkundig nicht stimmte und zu Irritationen geführt hat.“

Die falsche Information hat nicht nur bei den Kunden, sondern auch bei den Händlern für Fragezeichen gesorgt: „Wir hatten um die 15 Anrufe, in denen es um die Angaben des Landes und des Landkreises Leer ging“, sagte Jörg Thoma, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands Ostfriesland.

Behörden wollen schärfer kontrollieren

Außer der FFP2-Maskenpflicht, die in vielen Bereichen – aber eben nicht im Einzelhandel – gilt, tritt am Mittwoch die 2Gplus-Regel, beispielsweise in der Gastronomie, in Kraft. Die Landkreise Leer und Wittmund haben verstärkte Kontrollen angekündigt – laut Philipp Koenen vom Kreis Leer und Ralf Klöker vom Kreis Wittmund auch gemeinsam mit der Polizei. Theda Eilers von der Stadt Emden und Rainer Müller-Gummels vom Kreis Aurich teilten mit, dass die bisherigen Kontrollen fortgesetzt würden, von Verstärkungen war bei ihnen allerdings keine Rede. „Allen Hinweisen gehen wir selbstverständlich nach“, so Müller-Gummels. Alle Sprecher teilten mit, dass Infektionen vor allem im privaten Bereich aufträten. „Man muss so ehrlich sein und sagen: Das ist ein Bereich, in dem in der Regel gar nicht kontrolliert werden kann“, so Müller-Gummels.

Besonders von der ab Mittwoch geltenden 2Gplus-Regelung betroffen ist die Gastronomie. Erich Wagner, Ostfriesland-Chef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands, sagte auf Nachfrage der Redaktion, dass einige Kolleginnen und Kollegen schon wieder aufs Außer-Haus-Geschäft umstellten – „wenn die Möglichkeiten es zulassen“. Es gebe bereits viele Stornierungen, weil Geimpfte und Genesene es nicht einsähen, sich auch noch testen zu lassen. Es gebe allerdings auch Menschen, die sich das Ritual des Essengehens erhalten wollten, so Wagner. In der Regel seien „das ältere Leute, also über 40 Jahre“, so der Gastronom, der in Wiesmoor ein eigenes Hotel mit Restaurant betreibt. Viele Unternehmer gingen davon aus, dass die Maßnahmen noch verschärft würden und Anfang oder Mitte Dezember ein kompletter Lockdown anstehe.

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