Innenstädte

Emder Innenstadt-Achse könnte zur Kunstmeile werden

Heiko Müller
|
Von Heiko Müller
| 29.11.2021 20:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Viele in Emden halten den Anblick der langen Schaufensterfront an der Straße Agterum für trist. Dadurch werde der Gesamteindruck von den Neutor-Arkaden beeinträchtigt, heißt es. Foto: H. Müller
Viele in Emden halten den Anblick der langen Schaufensterfront an der Straße Agterum für trist. Dadurch werde der Gesamteindruck von den Neutor-Arkaden beeinträchtigt, heißt es. Foto: H. Müller
Artikel teilen:

Der Vorschlag des Neutor-Arkaden-Architekten Frank Buken, die Schaufenster des Drogeriemarktes Müller attraktiver zu gestalten, findet Widerhall. Die Kunsthalle ist begeistert und hat eigene Ideen.

Emden - Die Straße Agterum in der Emder Innenstadt könnte sich in Zukunft zu einer kleinen Kunstmeile entwickeln. Der Vorschlag des Hamburger Architekten Frank Buken, die lange Schaufensterfront des Drogeriemarktes Müller in den Neutor-Arkaden attraktiver zu gestalten, hat in Emden Widerhall gefunden.

Was und warum

Darum geht es: Der Architekt der Neutor-Arkaden hat eine attraktivere Gestaltung der langen Schaufenster-Front des Drogeriemarktes Müller ins Spiel gebracht.

Vor allem interessant für: diejenigen, die sich für eine Belebung der Emder Innenstadt oder im Allgemeinen für die Entwicklung von Stadtzentren interessieren sowie Kunstfreunde

Deshalb berichten wir: Wir haben bei verschiedenen Stellen in Emden nachgefragt, was sie von dem Vorschlag des Architekten halten.

Den Autorin erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

Buken ist einer der Geschäftsführer des Architektenbüros Prasch Buken Partner (pbp), das die Neutor-Arkaden im Auftrag des Investors und Projektentwicklers List entwarf. Er hatte in einem Interview mit dieser Zeitung angeregt, die Schaufenster des Drogeriemarktes Müller mit Kunst aufzuwerten. Nach seinen Vorstellungen sind dort unter anderem historische Fotos der Stadt und eine Art von Street-Art-Galerie denkbar. Buken hatte aber ausdrücklich die Kunsthalle als einen möglichen Partner genannt, die quasi vis-à-vis der Neutor-Arkaden liegt.

Viele stört der jetzige Anblick

Hintergrund dieser Überlegungen ist, dass die Schaufenster mit einer Folie und dem Logo des Drogeriemarktes beklebt sind. An diesem Anblick stören sich viele. Die Kritiker sagen, dass dadurch der Gesamteindruck des stadtbildprägenden und neuen Gebäudekomplexes auf dem Areal des ehemaligen Kaufhallen-Geländes beeinträchtigt wird.

Bei der Kunsthalle trifft der Vorschlag des Architekten auf Begeisterung. Laut ihrer Marketing-Leiterin und Sprecherin Ilka Erdwiens bieten sich die Schaufenster für eine Gestaltung mit dem Fokus auf Kunst an. „Die Kunsthalle wäre mit ihrer Sammlung, den Ausstellungen und der Kunst-aktiv-Malschule auf jeden Fall gerne dabei“, schreibt sie auf Nachfrage dieser Zeitung.

Kunsthalle sieht viele Möglichkeiten

Eine individuelle Gestaltung der Schaufenster-Flächen mit Blick hinüber zur Kunsthalle und dem Fokus auf die Kunst würde laut Erdwiens auch hervorragend zu den Plänen von Stadt und Museum passen, zwischen dem Wasserturm und dem Henri-Nannen-Platz entlang des Stadtgrabens eine neue Promenade mit einer Skulpturenmeile entstehen zu lassen. „Vielleicht kann man das ja sogar zusammen denken“, so Erdwiens.

Für die Gestaltung der Schaufensterflächen sieht die Marketing-Expertin „sehr viele Möglichkeiten“. Spontan denke sie an großformatige und hochwertige Reproduktionen ausgewählter Werke aus den Sammlungen der Kunsthalle. Möglich wären auch attraktive Fotos, die Einblick in das Museum und die Malschule geben, oder kreative Projekte mit der Malschule. Zudem hält Erdwiens auch Kunstprojekte in den Schaufenstern für denkbar, die dauerhaft oder wechselnd für Künstler und Designer ausgeschrieben und von einer Jury ausgewählt werden.

List kündigt Gespräche an

Das alles hänge am Ende aber an der Haltung des Eigentümers sowie an Budgets und Kosten, räumt die Kunsthallen-Sprecherin ein. Gleichwohl wäre das aber „auch eine besondere Chance für eine hochwertige Gestaltung in diesem wichtigen Innenstadtbereich“, glaubt sie. Das moderne Emden wirke dort wie an anderen Orten zunehmend urban. „Und Kunst und Kultur sind inzwischen eben auch typisch für Emden“, meint Erdwiens. Das ließe sich an dieser Stelle schön sichtbar machen.

Die List-Gruppe als Eigentümerin der Neutor-Arkaden möchte nach Angaben einer Sprecherin der Drogeriemarktkette Müller als Mieterin der Geschäftsflächen „das Recht nicht wegnehmen, die Schaufenster selbst zu gestalten.“ Gespräche seien allerdings geplant. „Wir werden eine schöne Gesamtlösung finden“, sagt die List-Sprecherin.

Müller äußert sich nicht

Die Drogeriemarktkette selbst ließ eine Anfrage unserer Redaktion bislang unbeantwortet. Die Pressestelle des Unternehmens hatte aber schon anlässlich der Eröffnung der Filiale in den Neutor-Arkaden darauf hingewiesen, dass die Folienbeklebung der Schaufenster meistens zum Schutz von sonnenempfindlichen Artikeln diene.

Die Stadt äußerte sich zurückhaltend auf die Vorschläge für eine attraktivere Gestaltung der Schaufensterfront. „Wir können und wollen uns natürlich gerne in diese Projekte mit einbringen und das Thema Erscheinungsbild des öffentlichen Raums aktiv begleiten“, schreibt Innenstadt-Koordinatorin Martje Merten auf Nachfrage. Als Beispiele nennt sie die aktuelle Open-Air-Fotoausstellung „Hafen-Menschen“ auf der Neutorstraße und die geplante Skulpturenmeile am Stadtgraben.

„Im konkreten Fall hängt jedoch viel an der Eigentümerin und deb Mieter*innen, die mit im Boot sind und das mitgestalten wollen.“ Die städtische Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing sehe sich da in der Rolle als Vermittlerin und Koordinatorin. Voranbringen könne sie solche Projekte auch dadurch, Fördermöglichkeiten zu vermitteln, so Merten.

Ähnliche Artikel