Corona

Gefangen auf der Insel?

Imke Oltmanns
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Von Imke Oltmanns
| 29.11.2021 18:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Eine Langeoog-Fähre auf dem Weg zum Festland. Foto: Oltmanns/Archiv
Eine Langeoog-Fähre auf dem Weg zum Festland. Foto: Oltmanns/Archiv
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Wer auf der Insel lebt, ungeimpft und nicht genesen ist, und auf’s Festland will, muss die Testhürde nehmen. Ohne Negativ-Test geht’s nicht auf die Fähre. Übel nur, wenn kein Testzentrum auf hat.

Langeoog - Langeoogs Bürgermeisterin Heike Horn (parteilos) ist einigermaßen genervt: Die Inseln mit ihren sehr spezifischen Corona-Problemen werden mal wieder allein gelassen, findet sie. „Meine Sorge ist: Wie können sich alle so testen lassen, dass sie auch die Fähre nehmen können, wenn es nötig ist“, sagt sie im Gespräch. Sie schildert einen konkreten Fall: Ein Insulaner, der weder geimpft noch genesen ist und deshalb immer mal wieder für die Fähre einen negativen Testnachweis braucht. Unglücklich ist allerdings: Das Testcenter auf der Insel hat nur drei Tage die Woche geöffnet.

Oder dieses Problem: Was, fragt die Bürgermeisterin, soll mit Insulanern geschehen, die vom Festland zurück nach Hause wollen, aber vor der Abfahrt positiv auf das Coronavirus getestet werden? Bleiben die dann im Hafen? Werden sie irgendwo auf dem Festland untergebracht? „Schwimmen ist keine Alternative“, sagt sie. Nur so viel sei sicher: „Wir werden keinen Rechtsbruch begehen.“ Der Fährverkehr nach Langeoog wird von der Kommune selbst betrieben.

Das Nadelöhr Fähre

Hintergrund: Die Inselfähren fallen in den Verordnungen unter den öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV), für sie gilt also die 3G-Regel. Heißt: An Bord kommt nur, wer gegen Corona geimpft, nach einer Infektion genesen oder aktuell negativ auf eine Infektion getestet ist. Und das auch jeweils nachweisen kann. So ist es beim Land Niedersachsen nachzulesen.

Außerdem heißt es dort für den ÖPNV: „Insofern ist die Missachtung von 3G kein Kavaliersdelikt oder schlichter Ausdruck von Protest. Es ist eine Ordnungswidrigkeit (wie das Fahren ohne Ticket) und entsprechend mit einem (voraussichtlich empfindlichen) Bußgeld belegt.“ Die Inselgemeinde ist als Fährbetreiberin verpflichtet, die Einhaltung der 3G-Regel zu überwachen.

Suche nach Antworten

Um Antworten auf ihre Fragen zu bekommen, hat Horn nach eigener Auskunft mit dem Gesundheitsamt des Landkreises Wittmund – zu dem Langeoog gehört – gesprochen und auch das Land Niedersachsen angeschrieben. Auch mit dem DRK-Kreisverband Wittmund sei sie in Kontakt; der betreibe das Testzentrum auf der Insel. Dort bemühe man sich auch sehr, die Öffnungszeiten auszudehnen, betont Horn. Das erklärt auf Nachfrage auch die Wittmunder Kreisbehörde.

Die Kreisverwaltung äußert sich auch zum – noch theoretischen – Problem der auf dem Festland gestrandeten positiv getesteten Insulaner: „Wenn das Gesundheitsamt einen (auf der Fähre gewährleisteten) isolierten Transport als möglich ansieht, wäre eine Lösung damit gegeben“, heißt es in einer Stellungnahme.

Isolieren von Passagieren

Auf der Insel Spiekeroog ist ein solch isolierter Transport übrigens schon möglich, wie Ansgar Ohmes, Geschäftsführer der Nordseebad Spiekeroog GmbH, erklärt. Dort hatte man vor anderthalb Jahren eigens einen „Sanitätscontainer“ angeschafft, 2,80 Meter mal 2,40 Meter groß, ausgestattet mit Fenster, Heizung und Sitzgelegenheit. Dieser Container steht im Inselhafen und wird bei Bedarf auf die Fähre gehoben. Positiv Getestete betreten die Fähre dann zuerst, setzen sich in den Container, fahren auf diese Weise isoliert mit rüber aufs Festland, und gehen dort als letzte von Bord.

Auch auf der Insel Borkum hat man Erfahrung mit dem Isolieren von Passagieren. Denn: „Die Verordnung spricht nur von erforderlicher Absonderung bei einem positiven Test, nicht von einem Transportverbot“, betont Borkums Bürgermeister Jürgen Akkermann (parteilos). Positiv getestete Gäste seien schon bisher mit einem speziellen Fahrzeug aufs Festland gebracht worden.

Andere Inseln

Auf Langeoogs Nachbarinseln Baltrum und Spiekeroog herrscht in der Rathausspitze ohnehin weniger Ärger. „Wir leben hier auf der Insel der Glückseligen“, findet etwa Spiekeroogs Bürgermeister Patrick Kösters (parteilos). Dort betreibe die Inselspedition ein Testzentrum auf dem Dorfplatz, sieben Tage die Woche. Und bei Bedarf auch wohl mal am Eingang zu einer Veranstaltung. Flexibel also. „Ein bisschen vorausschauend wird es jedem gelingen, sich testen zu lassen“, sagt Kösters.

Sein Baltrumer Amtskollege Harm Olchers (parteilos) äußert sich ähnlich entspannt. Und auch hier kann man sich an sieben Tagen die Woche zu bestimmten Zeiten testen lassen, im Kur- und Heilmittelzentrum Baltrum (KuBa). „Es wäre natürlich schön, wenn wir mehr testen könnten“, sagt Olchers. Ein Problem sieht er aber nicht. Und positiv Getestete am Festlandshafen? Bisher nicht geschehen, sagt Baltrums Bürgermeister. Aber sicher werde man dann eine Lösung finden. Denn: „Wenn jemand in Quarantäne soll, muss er auch nach Hause können.“

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