Umweltverschmutzung

Was tun beim Fund einer wilden Müllkippe?

Susanne Ullrich
|
Von Susanne Ullrich
| 28.11.2021 17:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Debora Wijngaarden ist die wilde Müllkippe in Tannenhausen ein Dorn im Auge. Sie befürchtet, Tiere könnten sich an den teils schafkantigen Plastikteilen verletzen. Foto: Ullrich
Debora Wijngaarden ist die wilde Müllkippe in Tannenhausen ein Dorn im Auge. Sie befürchtet, Tiere könnten sich an den teils schafkantigen Plastikteilen verletzen. Foto: Ullrich
Artikel teilen:

Debora Wijngaarden aus Willmsfeld stört sich an den blauen Müllsäcken auf einer ihrer Spazierstrecken. Sie wollte den Fund melden. Und geriet dabei mehr als einmal an den Falschen.

Aurich/Willmsfeld - Debora Wijngaarden aus Willmsfeld geht täglich mit ihrer Schäferhündin Freja spazieren. Auf einer ihrer Lieblingsstrecken wird sie dabei seit Monaten regelrecht wütend: Im Meerhusener Moor gibt es eine sogenannte wilde Müllkippe. Seitlich des Sandwegs in Tannenhausen hat offenbar bereits vor Monaten jemand seinen Hausmüll unrechtmäßig entsorgt. Mehrere blaue Müllsäcke mit überwiegend Plastikmüll liegen am Straßenrand, zusammen mit einigen größeren Einzelteilen. „Vielen ist es wohl egal“, sagt sie frustriert beim Anblick dieser Umweltverschmutzung. Außer ihr kämen hier Landwirte, Reiter, Jäger und andere Spaziergänger vorbei.

Was und warum

Darum geht es: Debora Wijngaarden hat eine wilde Mülldeponie entdeckt und wollte etwas gegen die Umweltverschmutzung tun.

Vor allem interessant für: alle, die in Ostfriesland unterwegs sind

Deshalb berichten wir: Nachdem Debora Wijngaarden allein nicht weiterkam, schrieb sie der Redaktion eine E-Mail.

Die Autorin erreichen Sie unter: s.ullrich@zgo.de

„Es sind scharfkantige Gegenstände dabei, die das Wild – Rehe, Hasen und Füchse – verletzen können.“ Wijngaarden sagt, sie habe ihren Fund seit Sommer mehrfach gemeldet. Zwischenzeitlich wurde sie sozusagen selbst aktiv. Sie habe den Unrat näher an die Straße herangezogen. Später habe sie ihn direkt auf der landwirtschaftlichen Straße platziert. „Ein paar Tage später war alles wieder schön auf einem Haufen zusammen gelegt worden.“ Und auch das noch: Der Müll sei im Laufe der Zeit „immer ein wenig mehr zum Graben“ geschoben worden. Jetzt wandte sie sich an die Redaktion dieser Zeitung: Es sei ein letzter Versuch. An vier Telefonate mit zwei verschiedenen Ämtern in zwei Landkreisen könne sie sich genauer erinnern: „Jedes Mal hat man sich meine Telefonnummer aufgeschrieben. Aber ich habe nichts mehr gehört.“ Auf Nachfrage der Redaktion erinnert sich im Rathaus der Samtgemeinde Holtriem und der Stadt Aurich niemand an Hinweise der Willmsfelderin. Die Polizeiinspektion Aurich/Wittmund wurde ebenfalls nicht über den Entsorgungsort informiert, sagt Sprecherin Wiebke Baden auf Nachfrage.

Wo meldet man eine wilde Müllkippe?

Wiebke Baden erklärt, wie man sich verhalten sollte, wenn man wie Debora Wijngaarden eine wilde Müllkippe entdeckt. „Wichtig ist, dass es gemeldet wird“, unterstreicht sie. Möglichst im Rathaus der jeweiligen Kommune. Denn: „Der Bauhof der Gemeinden ist für die Entsorgung zuständig.“ Wenn der Finder davon ausgeht, dass durch den Müll eine Gefahr für die Umwelt besteht, könne der sich auch direkt an die Polizei wenden, beispielsweise an Wochenenden, an denen die Mitarbeiter der Behörden nicht erreichbar sind. Normalerweise werde die Polizei von den Ordnungsämtern nur bei schweren Umweltdelikten hinzugerufen.

In diesem konkreten Fall ist das Ordnungsamt der Stadt Aurich der richtige Ansprechpartner. Wie Leiter Helmut Lücht auf Nachfrage mitteilt, können Meldungen unter der zentralen Rufnummer der Stadt Aurich 04941/120 oder per E-Mail unter info@stadt.aurich.de abgegeben werden. Dort aber sei die Meldung über den Fall in Tannenhausen nicht eingegangen. Er nahm die Information anlässlich unserer Anfrage auf und versicherte, die Mitarbeiter des Bauhofs würden „zeitnah“ rausfahren und den Müll entsorgen. „Sofern es sich um Müll handelt, der auf einer öffentlichen Fläche liegt“, relativierte er.

Dieses Foto von der illegalen Mülldeponie schickte Debora Wijngaarden als eine Art Hilferuf an die Redaktion. Foto: privat
Dieses Foto von der illegalen Mülldeponie schickte Debora Wijngaarden als eine Art Hilferuf an die Redaktion. Foto: privat

Was lief also schief?

Debora Wijngaarden ist froh darüber, dass der Müll jetzt endlich aus der Natur verschwinden soll. Sie skizziert ihre Bemühungen wie folgt: Zunächst habe sie im Westerholter Rathaus angerufen. Als Holtriemerin sei dieser Weg für die gebürtige Niederländerin der naheliegendste gewesen, erklärt sie. Dort aber erinnert man sich an keine Eingabe, teilt Friedhelm Janssen, Fachdienstleitung Bauen, auf Nachfrage mit.

Nachdem sich nichts tat, habe sie vermutet, dass die Zuständigkeit auf Auricher Seite liegen könnte. In einem zweiten Schritt habe sie sich im Internet eine Auricher Nummer herausgesucht. Wo sie genau landete, kann sie heute nicht mehr nachvollziehen. Vermutlich in der Kreisverwaltung. Man habe sie an die Abfallwirtschaft verwiesen.

Die Zuständigkeiten erschließen sich Wijngaarden nur schwer, wie sie zugibt. Sie sagt, sie hätte sich gewünscht, dass man ihre Hinweise an die passende Stelle weitergeleitet hätte. „Oder dass man mir sagt, wo ich anrufen muss.“ So habe sie immer wieder über Wochen gewartet, weil man sie um Geduld gebeten habe. Und dann war der Müll beim nächsten Spaziergang trotzdem noch da. „Das ist frustrierend.“

Ähnliche Artikel