Finanzen
Freibad Borssum: Am Dienstag droht das Aus
Die Sanierung des Freibads Borssum wird teurer, die vereinbarte Kostengrenze ist nicht zu halten. Jetzt muss eine schnelle Entscheidung her. Stichtag ist bereits am nächsten Dienstag.
Emden - Die Kosten für die geplante Sanierung des Freibads Borssum steigen und landen über der bisher vereinbarten Schmerzgrenze. Wie die Redaktion aus sicheren Quellen erfuhr, werden zu den bislang veranschlagten 3,3 Millionen Euro zusätzlich mindestens 300.000 Euro benötigt. Das ergibt sich aus der Ausschreibung, deren Ergebnisse am Donnerstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit von der Stadt bekanntgegeben wurden.
Was und warum
Darum geht es: die geplante Sanierung des Freibades Borssum
Vor allem interessant für: Borssumerinnen und Borssumer, die auf die Wiedereröffnung des gesperrten Bades warten, sowie Mitglieder des Emder Rates, die die Mittel für das Millionenprojekt verantworten
Deshalb berichten wir: Das Ergebnis der Ausschreibung liegt vor. Daraus ergeben sich neue Herausforderungen. Den Autor erreichen Sie unter: g.paeschel@zgo.de
Die neue Entwicklung stellt die Verantwortlichen im Rat und in der Verwaltung vor eine unangenehme Entscheidung. Beide Seiten hatten wiederholt betont, kein weiteres Geld für die Wiedereröffnung des seit 2017 gesperrten Bades ausgeben zu wollen. Jetzt sieht sich vor allem die Politik unter Druck. Die Fraktionen des Emder Rates sind von der Verwaltung um Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) aufgefordert worden, spätestens bis Dienstag einen Beschluss zu fassen. Sie sollen festlegen, ob weiter an dem umstrittenen Millionenprojekt festgehalten wird.
Die Zeit drängt
Der Grund der Eile ist eine Frist im Ausschreibungsverfahren. Demnach verlieren etliche Angebote von Firmen, die sich um die Aufträge beworben hatten, mit Ablauf des Monats November ihre Gültigkeit. In den Fraktionen war dieses Ultimatum dem Vernehmen nach nicht bekannt. Sie wurden am Donnerstag kalt erwischt.
Im Laufe des Tages hatte es kurz nacheinander zwei kurzfristig von der Stadt anberaumte Treffen gegeben. Ab 15 Uhr brachte die Verwaltung um Tim Kruithoff zunächst Vertreter der Fraktionen auf den neuesten Stand und gab dabei auch einen Überblick über die Kosten. Eine Stunde später dann waren die Mitglieder eines Runden Tisches in den Ratssaal eingeladen.
Optimismus im Förderverein
Zu den Teilnehmern des zweiten Treffens zählt Rainer Wortelker, Vorsitzender des Fördervereins Freibad Borssum. „Über Kosten wurde am Runden Tisch nicht gesprochen“, sagt er. Stattdessen habe der Inhalt der Ausschreibungen im Vordergrund gestanden. Dass für alle 14 Arbeitsschritte Angebote eingegangen seien, wertet er als „positiv“. Er ist deswegen zuversichtlich, dass der Zeitplan für die Sanierung eingehalten und das Bad im Jahr 2023 wieder aufgemacht werden kann. „Wir wollen Emden nach vorne bringen“, sagt er. „Es geht hier nicht nur um ein Bad, sondern um die Entwicklung eines ganzen Stadtteils.“
Die mittlerweile knapp 90 Mitglieder des Fördervereins treffen sich regelmäßig auf dem Freibadgelände, um die Anlage zu pflegen und ihren Teil dazu beizutragen, dass der Umbau im März nächsten Jahres beginnen kann. Dass das Projekt an den steigenden Kosten scheitert, glaubt Wortelker nicht. Angesichts der aktuellen Lage im Baugewerbe seien Preissteigerungen nicht verwunderlich. „Wenn 400.000 bis 500.000 draufkommen, ist das im Moment das normale Geschäft“, so der Vorsitzende.
Der OB und das Bad
Die finanziellen Unwägbarkeiten auf der einen und die Bedeutung des Bades für Borssum auf der anderen Seite sieht auch der Oberbürgermeister. „Wenn man im Bestand baut, ist es immer mit finanziellen Risiken behaftet“, sagt er. Dass der Rat ihm am Dienstag die Entscheidung abnimmt, macht ihm das Leben leichter. Vor allem in seinem Wahlkampf 2019 hatte er sich für den Erhalt und die Sanierung der städtischen Anlage stark gemacht. Nach der Wahl zum neuen Verwaltungschef hatte er sich öffentlich allerdings auch deutlich gegen zusätzliche Ausgaben ausgesprochen.
Sofern die Politik das Projekt nicht stoppt, geht Kruithoff davon aus, dass das Bad 2023 wiedereröffnet werden kann. Daran ändert auch nichts, dass eine der 14 Ausschreibungen wiederholt werden muss, weil das abgegebene Angebot nicht der Leistungsanforderung entsprach. „Das gefährdet nicht den Zeitplan“, so der Oberbürgermeister am Freitag.