Corona in Ostfriesland

Arztpraxen und Impf-Teams bekommen zu wenig Impfstoff

| | 26.11.2021 18:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Von den Lieferschwierigkeiten betroffen sind wohl die Impfstoffe von Moderna (links) und Biontech. Foto: Woitas/DPA
Von den Lieferschwierigkeiten betroffen sind wohl die Impfstoffe von Moderna (links) und Biontech. Foto: Woitas/DPA
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Laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ist genug Impfstoff da. Aus den Arztpraxen und von den Impf-Teams hört man jedoch genau das Gegenteil. Und auch aus dem Impfen in Apotheken wird wohl nichts.

Ostfriesland - Die Corona-Lage spitzt sich immer weiter zu: Belgien hat am Freitag den ersten europäischen Fall der neuen, zunächst im südlichen Afrika festgestellten Variante B.1.1.529 registriert und Deutschland schränkt den Flugverkehr aus Südafrika ein. Dazu kommt ein weiteres großes Problem: Es gibt in Niedersachsen nicht mehr genug Impfstoff.

„Seit heute Vormittag erreicht uns aus allen Landesteilen sowohl von den Impfteams der Kommunen als auch aus den Praxen der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte die Nachricht, dass die bestellten und vom Bundesgesundheitsministerium zugesagten Impfstoffmengen für die kommende Woche nicht in vollem Umfang lieferbar seien“, schreibt Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) am Freitag.

„Ein schwerer Schlag“

Betroffen seien Bestellungen von Biontech und Moderna. Behrens schreibt, das sei „ein schwerer“ Schlag – und attackiert Spahn: Dieser habe noch diese Woche zugesichert, es sei ausreichend Impfstoff vorhanden, „und nun erleben wir diese unhaltbaren Zustände“. Wenn der Bund nicht sofort Abhilfe schaffe, würden Termine in Praxen ausfallen und die Impfaktionen in den Kreisen und Städten deutlich kleiner ausfallen müssen.

Behrens hatte derweil die Impfung in Apotheken ins Spiel gebracht – und dafür nicht überall Beifall bekommen. „Wir halten das nicht für notwendig, weil wir in der Impfkampagne sehr gut aufgestellt sind“, sagt etwa Dr. Uwe Köster aus der Pressestelle der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Schließlich impften bereits niedergelassene Mediziner, Betriebsärzte und die Impf-Teams der Landkreise und kreisfreien Städte. Berend Groeneveld, Norder Apotheker und Vorstandsvorsitzender des Landesapothekerverbands Niedersachsen, ist ebenfalls nicht begeistert: „Dank Minister Spahn haben wir ein riesiges Durcheinander, was Biontech- und Moderna-Bestellungen angeht, daneben haben wir gerade eine Erkältungswelle – und jetzt sollen wir auch noch impfen?“

„Innerhalb von Monaten ist das nicht zu machen“

Zwar habe jede Apotheke in Niedersachsen ein Beratungszimmer, doch weder genug Personalkapazitäten noch ausreichend Platz um einen Ansturm auf Booster-Impfungen zu bewältigen. „Außerdem sind wir gar nicht dafür ausgebildet oder befugt, zu impfen“, sagt der Apotheker. Sollte der Gesetzgeber per Vorschrift die Apotheken in die Pflicht nehmen, werde man sich trotzdem nicht verschließen. „Aber innerhalb von ein paar Monaten ist das nicht zu machen“, sagt Groeneveld.

Behrens hatte als Vorbild das Modellprojekt der Grippeschutzimpfungen in Niedersachsen genannt. „Da machen von 1825 Apotheken in Niedersachsen rund 160 mit“, sagt Groeneveld. Der Einfluss, den so wenige Anbieter auf die Impfkampagne hätten, sei quasi zu vernachlässigen. Stattdessen sollten lieber Zahn- und Tierärzte mit eingebunden werden, „zumindest Erstere sind in Niedersachsen ja flächendeckend vorhanden“, sagt Groeneveld. Aus vielerlei Ecken wird zudem kritisiert, dass Bund und Länder die Impfzentren geschlossen hätten, die angesichts der aktuellen Pandemie-Entwicklung wieder dringend gebraucht würden. „Die Bildung eines Impfzentrums erfolgt grundsätzlich erst durch Auftrag des Landes“, schreibt dazu Nikolai Neumayer aus der Pressestelle des Landkreises Aurich.

Einen solchen Auftrag gibt es für Ostfriesland nicht – also gibt es auch keine Impfzentren. Zumindest keine vom Land gesteuerten. Die Emder Verwaltung hatte allerdings bereits angekündigt, ab Dezember Termine in einem „ambulanten Impfzentrum“ anzubieten. Der Landkreis Aurich hat das Energie-, Bildungs- und Erlebniszentrum (EEZ) zum Quasi-Impfzentrum mit Terminvergabe gemacht und im Landkreis Wittmund gibt es feste Stationen in Esens und Wittmund sowie künftig auch eine in Friedeburg. Kreissprecher Ralf Klöker nennt das „Impfzentrum light“. Der Kreis Leer will Angaben der Pressestelle zufolge durch die Aufstockung auf fünf mobile Teams jeder Gemeinde wöchentlich einen festen Impftag anbieten, um die Menschen vor Ort zu erreichen. Dafür habe man bereits Personalgespräche geführt, freue sich aber dennoch über weitere Bewerbungen.

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