Osnabrück

Corona ist eine Zeitbombe: Was ist daran so schwer zu verstehen?

Uwe Westdörp
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Von Uwe Westdörp
| 26.11.2021 17:25 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Intensivstationsarzt Ullrich Voran zieht Schutzhandschuhe an, bevor er das Zimmer eines Patienten betritt. Die aktuelle Situation auf der Intensivstation im Klinikum Fürth ist angesichts steigender Corona-Zahlen sehr angespannt - wie in so vielen Kliniken in Deutschland. Foto: Daniel Vogl/dpa
Intensivstationsarzt Ullrich Voran zieht Schutzhandschuhe an, bevor er das Zimmer eines Patienten betritt. Die aktuelle Situation auf der Intensivstation im Klinikum Fürth ist angesichts steigender Corona-Zahlen sehr angespannt - wie in so vielen Kliniken in Deutschland. Foto: Daniel Vogl/dpa
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Wenn wir eines nicht mehr haben in dieser Pandemie, dann ist das Zeit. Leider haben das immer noch nicht alle politisch Verantwortlichen verstanden. Ein Kommentar.

Die Uhr tickt: Täglich mehr als 70.000 Neuinfektionen und Hunderte von Corona-Toten sind ein Alarmzeichen. Auch deswegen, weil noch immer zu viele Menschen nicht geimpft sind, steuert Deutschland auf eine völlige Überlastung des Gesundheitssystems zu. Schon werden wichtige Operationen verschoben, schon häufen sich die Warnungen vor einer Triage-Situation, in der nicht mehr jeder Schwerstkranke ein Intensiv-Krankenbett erhalten wird. Und jetzt droht auch noch Gefahr durch eine neue, offenbar noch sehr viel gefährlichere Virusvariante. Es ist der Blick in einen Abgrund.

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Da ist es schwindel- und furchterregend, wenn Politiker der Ampel-Parteien behaupten, man könne sich noch mal anderthalb Wochen Zeit nehmen. Schauen wir mal, dann sehn wir schon - das ist keine ernsthafte Beschäftigung mit einer Frage von Leben und Tod. Das bedeutet, noch mehr Leid und noch mehr Tote in Kauf zu nehmen.

Schon jetzt liegen alle Fakten auf dem Tisch. Soll die Infektionswelle gebrochen werden, muss die Zahl der Kontakte nach Einschätzung führender Fachleute drastisch gesenkt werden - und zwar sofort. Und jeder weiß, was da am besten hilft: gezielte regionale und zur Not auch allgemeine Lockdowns - solange es irgendwie geht, aber mit Ausnahme der Schulen. Ein Experte, der von 2G- und 3G-Maßnahmen aktuell nicht viel hält, hat dafür ein treffendes Bild gefunden: „Ein brennendes Haus löscht man nicht mit der Wasserpistole.“

Es braucht die Impfpflicht

Zweitens braucht es endlich die allgemeine Impfpflicht. Denn was hilft es dauerhaft, wenn wir die vierte Infektionswelle irgendwie überstehen, dann aber im kommenden Jahr in die fünfte hineinrauschen. Erst-, Zweit- und Drittimpfungen sind deshalb Bürgerpflicht, um die Corona-Risiken so weit wie möglich zu reduzieren. Das ist nicht nur eine Frage der Vernunft, sondern auch der Solidarität ohne die Gesellschaften tiefe Krisen nicht schadlos überstehen. Schade, dass dies so viele Menschen bislang nicht verstanden haben oder verstehen wollen und dass letztlich alle darunter leiden. 

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