Berlin
Lieber Christian, liebe Saskia - was ist bloß mit der Ampel-Koalition los?
Christian Lindner, Olaf Scholz und Robert Habeck sind neuerdings so nett zueinander, als wollten sie bald zusammenziehen. Die Ampel startet im Schmuse-Modus.
„Berliner Geflüster“: In unserer Hauptstadt-Kolumne berichten unsere Berliner Korrespondenten Rena Lehmann und Tobias Schmidt jedes Wochenende über Kurioses und Bemerkenswertes aus der Berliner Blase. Sie blicken hinter die Kulissen von Bundestag, Kanzleramt und Rotem Rathaus.
Die beiden SPD-Vorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans wussten gar nicht, wie ihnen geschieht. Und selbst der sonst so stoische Olaf Scholz schmunzelte - im Rahmen seiner Möglichkeiten. Bei der Vorstellung des Koalitionsvertrags nutzte FDP-Chef Christian Lindner viele Sekunden seiner begrenzten Redezeit, um die neuen Koalitionspartner zu loben. SPD und Grüne hätte gut verhandelt. Beide könnten das Ergebnis mit Stolz ihren Mitgliedern präsentieren. Und Olaf Scholz erst! Den habe er persönlich ganz neu kennengelernt und dabei festgestellt, dass er über ein „inneres Geländer“ verfügt, mit dem er „ein starker Bundeskanzler für die BRD“ sein wird.
Wochen der Isolation haben zusammengeschweißt
Doch Christian Lindner ist nicht der Einzige, der einen glauben lässt, die drei so grundsätzlich verschiedenen Parteien würden jetzt ein echtes Wunschbündnis bilden. „Lieber Christian, liebe Saskia, lieber Norbert“ - so machte Grünen-Co-Chef Robert Habeck gleich weiter.
Saskia Esken und Christian Lindner - vor Monaten kaum vorstellbar - duzen sich inzwischen. Und auch sonst soll es in den Verhandlungsgruppen von SPD, Grünen und FDP immer wieder mal gefunkt haben. Bei den Liberalen befinden sie inzwischen, dass Esken „gar nicht so schlimm ist“ wie sie alle dachten. Die Wochen der Verhandlungen in Isolation haben die Ampel auf Schmusekurs gebracht. Ob es schon zu viel des Guten ist mit der gegenseitigen Lobhudelei? Es würde ja erstmal reichen, wenn sie zusammen das Land gut regieren. Lieb haben müssen sie sich dafür nicht unbedingt.
Andererseits: Sollen sie ruhig ein wenig kuscheln. Rauer Wind kommt sowieso schneller auf, als uns und ihnen lieb sein kann, in diesen Zeiten.