Osnabrück
13.Gehalt: Diese Merkmale erhöhen Ihre Chancen auf Weihnachtsgeld
Der wichtigste Garant für das Weihnachtsgeld ist und bleibt der Tarifvertrag. Doch es gibt noch weitere Merkmale, die die Wahrscheinlichkeit auf die Sonderzahlung am Jahresende erhöhen.
Es ist eine schöne, vorgezogene Bescherung: Gut die Hälfte aller Arbeitnehmer in Deutschland darf sich in diesem Jahr über Weihnachtsgeld freuen. Dabei handelt es sich um eine Sonderzahlung der Unternehmen an die Mitarbeitenden. Einen automatischen Anspruch darauf gibt es in Deutschland allerdings nicht. Während also manche Beschäftigte mit der Sondervergütung zum Jahresende nochmal gut verdienen, gehen andere leer aus.
Allerdings: Dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zufolge gibt es Merkmale, die die Chancen aufs Weihnachtsgeld erhöhen:
1.Tarifverträge als wichtigster Garant für das Weihnachtsgeld
Ob Unternehmen überhaupt Weihnachtsgeld zahlen, wird entweder durch Tarifverträge bestimmt oder beruht auf freiwilligen Leistungen des Arbeitgebers. Letzteres kann bei mehrjährigen Wiederholungen auch zum Gewohnheitsrecht werden und wären damit dann verpflichtend.
In der Praxis zählen vor allem Tarifbeschäftigte zu den Glücklichen: Sie erhalten in Deutschland häufiger und mehr Weihnachtsgeld als die übrigen Arbeitnehmer. Der WSI-Lohnspiegel-Datenbank zufolge bekommen mehr als drei Viertel (77 Prozent) aller Beschäftigten in Betrieben mit Tarifvertrag Weihnachtsgeld, verglichen mit nur 41 Prozent in Betrieben ohne Tarifbindung. „Die Chance, am Jahresende eine Sonderzahlung zu erhalten, ist für Beschäftigte in tarifgebundenen Unternehmen damit fast doppelt so hoch wie in Unternehmen ohne Tarifvertrag“, sagt Thorsten Schulten, Leiter des WSI-Tarifarchivs.
Auch dem Statistischen Bundesamt zufolge erhalten knapp 9 von 10 Tarifbeschäftigte (87,2 Prozent) die Sonderzahlung zum Jahresende. Dabei beträgt die Zahlung im Schnitt 2677 Euro, was eine Steigerung um 1,9 Prozent zu 2020 darstellt.
2. Wer in Westdeutschland wohnt hat bessere Chancen
In punkto Weihnachtsgeld gibt es deutliche Unterschiede zwischen Ost und West: So erhalten der Hans-Böckler-Stiftung zufolge in Westdeutschland 55 Prozent der Beschäftigten den Bonus, im Osten hingegen nur 40 Prozent. Mit ein Grund dafür sei, dass die Tarifbindung in Ostdeutschland deutlich niedriger sei als im Westen.
Doch auch die Höhe ist unterschiedlich. Dem Statistischen Bundesamt zufolge bekommen Tarifbeschäftigte in Westdeutschland durchschnittlich 2 695 Euro Weihnachtsgeld und damit 5,5 Prozent mehr als in Ostdeutschland (2 554 Euro).
3. Männer bekommen häufiger Weihnachtsgeld als Frauen
Unterschiede gibt es auch zwischen den Geschlechtern: Laut Hans-Böckler-Stiftung erhalten Frauen seltener Weihnachtsgeld als Männer. Bei den Frauen sind es 50 Prozent, bei den Männern 54 Prozent.
4. Art der Beschäftigung ist entscheidend
Auch die Art des Beschäftigungsverhältnisses kann die Chancen auf Weihnachtsgeld erhöhen. Den Wissenschaftlern der Hans-Böckler-Stiftung zufolge ist der Erhalt der Sondervergütung bei Vollzeitbeschäftigten mit 53 Prozent wahrscheinlicher als bei Teilzeitbeschäftigten. Von denen wiederum erhalten nur 47 Prozent den finanziellen Bonus.
Noch ausgeprägter sind die Unterschiede zwischen Arbeitnehmern mit einem befristeten und unbefristeten Arbeitsvertrag. So erhalten 45 Prozent der Beschäftigten mit Befristung Weihnachtsgeld, während es bei unbefristet tätigen Mitarbeitenden 53 Prozent sind.
Hohe Varianz bei der Höhe des tarifvertraglichen Weihnachtsgeldes
Entscheidend beim Weihnachtsgeld ist natürlich auch die Branche. Mancherorts wird ein Vielfaches des Weihnachtsgeldes ausgezahlt als in anderen Wirtschaftszweigen. Auch, ob überhaupt eine Sonderzahlung geleistet wird, variiert je nach Sektor stark. Längst nicht überall ist Weihnachtsgeld ein fester Bestandteil der Vergütung beziehungsweise des Arbeitsvertrags.
Am meisten erhalten nach den Angaben des Statistischen Bundesamts Tarifbeschäftigte im Bereich Kokerei und Mineralölverarbeitung. Dort erhalten demzufolge alle Tarifbeschäftigten Weihnachtsgeld in Höhe von durchschnittlich 5.651 Euro. Ebenfalls über dem Durchschnitt liegt den Angaben zufolge das tarifliche Weihnachtsgeld im Bereich „Herstellung von chemischen Erzeugnissen“ mit 5 369 Euro sowie im Bereich „Energieversorgung“ mit 5 171 Euro. In beiden Bereichen haben ebenfalls nahezu alle Tarifbeschäftigten einen Anspruch auf Weihnachtsgeld.
Im Gegensatz dazu erhalten den Statistikern zufolge Tarifbeschäftigte im Bereich „Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften“ - sprich Leiharbeiter − mit durchschnittlich 301 Euro am wenigsten Weihnachtsgeld. Der Betrag ist zwar gering, aber immerhin haben 99 Prozent der Tarifbeschäftigten in der Arbeitnehmerüberlassung darauf Anspruch. Auch im Gastgewerbe wird mit durchschnittlich 861 vergleichsweise wenig Weihnachtsgeld gezahlt. Hier haben rund 92 Prozent der Tarifbeschäftigten einen Weihnachtsgeldanspruch.