Bedarfsplanung
Krummhörner Feuerwehren fusionieren früher als gedacht
Zuletzt hieß es, dass die Fusion zweier Krummhörner Feuerwehren auf Jahre verschoben wird. Vermutlich ist es aber schon in einem Monat so weit – aus gutem Grund, wie das Feuerwehrkommando betont.
Pewsum - Sind im Ernstfall genügend Einsatzkräfte verfügbar? Wie lang sind die Einsatzwege? Welche örtlichen Besonderheiten gibt es und wie gut ist die Ausrüstung? Das sind einige der Fragen, die in Feuerwehr-Bedarfsplänen beantwortet werden. Für die Gemeinde Krummhörn wurde dieser neulich auf den neuesten Stand gebracht und es zeigte sich: Die Wehr Canum-Freepsum ist mit ihren verbleibenden 20 aktiven Mitgliedern kaum einsatzfähig. Trotzdem sollte sie zumindest drei weitere Jahre bestehen bleiben. Das wird sich nun vermutlich ändern, wie sich am Donnerstagabend bei der jüngsten Sitzung des Krummhörner Feuerschutzausschusses in Pewsum zeigte.
Was und warum
Darum geht es: Weitere Krummhörner Ortsfeuerwehren sollen zum Jahreswechsel fusionieren. Zuletzt sah es nicht danach aus.
Vor allem interessant für: Mitglieder der Feuerwehr sowie die Bewohner und Besucher der Krummhörn, die bei Bränden oder Unfällen auf sie angewiesen sind
Deshalb berichten wir: Am Donnerstag tagte der Feuerschutzausschuss des Rates der Gemeinde Krummhörn in Pewsum. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Dessen Mitglieder stimmten nämlich ausnahmslos dafür, dass die Canumer und Freepsumer schon jetzt mit der Feuerwehr Pewsum-Woltzeten zu einem neuen Standort Krummhörn-Mitte fusionieren. Abschließend muss das am 7. Dezember zwar noch der Rat der Gemeinde entscheiden, aber in der Regel ist das eine reine Formsache. Gemeindebrandmeister Jan-Jürgen Lüpkes und der stellvertretende Ortsbrandmeister von Canum-Freepsum, Rudolf Peters, begrüßten das am Freitag auf Nachfrage unserer Zeitung. Ebenso die Krummhörner Feuerwehrleute, die am Donnerstag an der Sitzung teilnehmen und sogar applaudierten, nachdem für den aktualisierten Bedarfsplan gestimmt worden war.
Als einziger am Einsatzort
Lüpkes und seine Stellvertreter waren von vornherein dafür und hatten an dem Plan auch mitgearbeitet. Als der neulich schon einmal in dem Fachausschuss vorgestellt worden war, kam jedoch plötzlich Kritik in der betroffenen Ortsfeuerwehr sowie in Teilen der Politik auf, obwohl die Pläne da schon laut Lüpkes monatelang in den wichtigsten Zügen vorgelegen haben. Schlussendlich einigte man sich auf eine Vertagung der Entscheidung: Der Bedarfsplan sollte zwar angenommen, der Passus mit der Fusion aber gestrichen und in drei Jahren neu diskutiert werden.
Dass das offenbar keine gute Idee war, zeigte sich laut Peters am 13. Oktober, als er und seine Kameraden zu einem brennenden Heuballen in Freepsum gerufen wurden. Peters sei als erster und einziger am Einsatzort eingetroffen und habe Verstärkung aus der Umgebung anfordern müssen. „Jetzt reicht es“, habe er sich da gesagt und sich mit den anderen Befürwortern gegen die Kritiker der Fusion durchgesetzt. Sollte der Rat zustimmen, beginne die Fusion de facto ab dem Jahreswechsel und ab da werde es auch gemeinsame Dienstabende geben. Formell steht dann aber noch die nächste Jahreshauptversammlung an, die – vorbehaltlich der Corona-Zahlen – wie sonst auch im März abgehalten werden soll. Dort werde auch ein neuer Vorstand gewählt.
Shuttleservice für die Jugend
Laut Lüpkes hätten vor den Wahlen 15 Mitglieder angekündigt, in die neue Wehr Krummhörn-Mitte zu wechseln. Allerdings betonen er und Peters, dass sich das nie genau sagen lasse. Dass es zu Austritten kommt, sei aber so gut wie sicher und eigentlich bei jeder Fusion der Fall. Auch, weil es für viele ältere oder inaktivere Feuerwehrleute, die ohnehin aufhören wollen, eine gute Gelegenheit sei. Wichtig ist es den beiden vor allem, die 13 Mitglieder der Jugendfeuerwehr zu halten. An diesem Sonnabend gebe es in Pewsum ein gemeinsames Infotreffen mit deren Eltern, um über die Zukunft zu sprechen. So werde man einen Shuttledienst einrichten, damit die Jugend aus Freepsum und Canum auch in Zukunft zum neuen Treffpunkt in Pewsum und zurück komme, versichern sie.
Lüpkes appelliert aber auch an die Erwachsenen, zu bleiben und die neuen Bedingungen wenigstens ein halbes Jahr lang kennenzulernen. In der neuen Wehr gebe es immerhin mehr Einsätze, wegen denen sie ja auch in die Wehr eingetreten seien. Zudem sei man dort besser ausgerüstet und es ist ein neues Gerätehaus geplant. Außerdem: Erst wenn der Neubau fertig sei, würden die Standorte in Canum und Freepsum tatsächlich geschlossen.
Was den jetzt aktualisierten (fortgeschriebenen) Feuerwehr-Bedarfsplan angeht, so zeigte sich Damian Prinz von der Lülf + Sicherheitsberatung GmbH aus Viersen insgesamt zufrieden. Die Einsatzkräfte in der Krummhörn seien zuverlässig innerhalb von zehn Minuten vor Ort. Teils deutlich früher. Auch gebe es eine gute Verteilung von „einfachen“ Feuerwehrleuten und denen mit Schlüsselqualifikationen, hieß es im Ausschuss. Prinz erinnerte daran, dass auch schon weitere Ortswehren zu den neuen Standorten Krummhörn Nord, Ost, Süd und West zusammengelegt worden sind – zumindest organisatorisch. Auch für sie sollen noch Neubauten entstehen. Prinz machte zudem darauf aufmerksam, dass die Kameraden in den nächsten fünf bis sechs Jahren weitere Einsatzfahrzeuge benötigen werden.