Osnabrück

Wölfe im Ampel-Koalitionsvertrag: Bald gezielte Bejagung?

Dirk Fisser
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Von Dirk Fisser
| 25.11.2021 16:47 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Zahl der Wölfe in Deutschland wächst. Werden die Raubtiere unter einer Ampel-Regierung gezielt bejagt? Foto: Bernd Wüstneck/dpa
Die Zahl der Wölfe in Deutschland wächst. Werden die Raubtiere unter einer Ampel-Regierung gezielt bejagt? Foto: Bernd Wüstneck/dpa
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Die alte Bundesregierung hat das Reizthema Wolf weitgehend ausgesessen. Geht es dem Raubtier unter der neuen Ampel-Koalition nun an den Pelz?

Sieben Zeilen sind im Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP dem Wolf gewidmet. Eingeleitet wird die Passage mit dem salbungsvoll klingenden Satz: „Unser Ziel ist es, das Zusammenleben von Weidetieren, Mensch und Wolf so gut zu gestalten, dass trotz noch steigender Wolfspopulation möglichst wenige Konflikte auftreten.“ 

Das ist derzeit beispielsweise in Niedersachsen nicht der Fall. Jedes Jahr werden Hunderte Nutztiere, vor allem Schafe gerissen. Schäfer geben frustriert auf.

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies fordert daher schon lange eine härtere Gangart im Umgang mit dem Raubtier. Weil das aber nach wie vor streng geschützt ist, gibt es immer wieder Ärger - selbst um den Abschuss von nachweislichen Problemwölfen. Die Ampel-Koalitionäre wollen den zuständigen Bundesländern „europarechtskonform ein regional differenziertes Bestandsmanagement ermöglichen“, heißt es nun im Vertrag.

Was kompliziert klingt, erfreut den SPD-Minister, der selbst als Verhandler an den Gesprächen teilgenommen hat. Er sieht in den Beschlüssen der Ampel-Koalitionäre zum Thema Wolf einen „gewaltigen Schritt nach vorn“. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte Lies: „Wir werden künftig schneller, flexibler und sicherer reagieren können, wenn es zu Problemen mit dem Wolf kommt.“

Der alten Bundesregierung sei es in den zurückliegenden Jahren nicht gelungen, eine Lösung für den vor allem auf dem Land schwelende Konflikt um das Raubtier zu finden. „Die Ampel setzt hier ein starkes Signal, das Zusammenleben von Mensch und Wolf ermöglichen zu wollen.“

Für „ein regional differenziertes Bestandsmanagement“, wie es im Koalitionsvertrag formuliert ist, muss laut Lies das Bundesnaturschutzgesetzes angepasst werden. „Wir reden hier nicht über willkürliche Wolfsabschüsse oder die Auslöschung des Wolfes. Es geht um die Grundlage für ein rechtssicheres Vorgehen, wenn es zu zu vielen Wolfsrissen kommt oder die Wolfspopulation regional das verträgliche Maß übersteigt.“

450 Wölfe in Niedersachsen

Angesichts der stark steigenden Zahl der Wölfe in Deutschland rede man dabei mittelfristig auch über eine Regulierung des Bestandes etwa in Deichregionen, betonte Lies. Seinen Angaben zufolge gibt es in Niedersachsen derzeit 39 nachgewiesene Wolfsrudel, was in etwa 450 Wölfen entspreche.

Möglicherweise sind es noch mehr, betont Helmut Damann-Tamke, Vizepräsident des Deutschen Jagdverbandes. Er forderte die Ampelkoalitionäre auf, die geplante Reform schnell umzusetzen. Unserer Redaktion sagte er: „Was im Koalitionsvertrag festgehalten worden ist, ist in anderen Ländern Europas längst Realität oder geht noch viel weiter.“

Jäger: Auch ganze Problemrudel entnehmen

Dammann-Tamke betonte: „Die Zahl der Wölfe in Deutschland nimmt von Jahr zu Jahr stark zu. Dementsprechend wachsen auch die Probleme im ländlichen Raum.“ Als einen Effekt der Bejagung erwartet Dammann-Tamke, dass die Kontakte zwischen Wolf und Mensch zurückgehen. „Wir müssen den Wolf lehren, dass er das bleibt, was er von Natur aus ist: ein scheues Wildtier“, so der Verbandsvertreter.

Es müsse auch möglich werden, dass solche Wolfsrudel, die immer wieder Nutztiere gerissen haben, auch „komplett entnommen werden“, sagte Dammann-Tamke. Ansonsten sei die Haltung von Schafen auf Deichen oder in der Lüneburger Heide kaum mehr möglich.

Niedersachsen ist seit Jahren das Bundesland mit den meisten Nutztier-Rissen. „Diese Entwicklung kann so nicht weitergehen“, betonte Minister Lies. Mehrfach hatte er in den vergangenen Monaten einzelne Problemwölfe zum Abschuss freigegeben. Jedes Mal gab es darum Ärger. Entsprechende Genehmigungen werden als Geheimsache eingestuft. Dagegen klagen die Grünen im Land.

Lies betonte, er gehe davon aus, dass auch bei einem grünen Bundesumweltminister die Umsetzung des Vorhabens aus dem Koalitionsvertrages schnell vorangetrieben werde.

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