Osnabrück

Pünktlich zum Black Friday: Verdi ruft zum Streik bei Amazon auf

Brigitte Scholtes
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Von Brigitte Scholtes
| 25.11.2021 16:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Mitarbeiter des Paketversenders Amazon sortieren Pakete. Foto: Peter Steffen/dpa
Mitarbeiter des Paketversenders Amazon sortieren Pakete. Foto: Peter Steffen/dpa
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In diesem Jahr dürfte vor allem der Onlinehandel vom Black Friday profitieren. Ein guter Zeitpunkt, um auf die Lage der Amazon-Beschäftigten aufmerksam zu machen, meint die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

Es ist kaum zu übersehen: Es ist „Black Friday“- der Schnäppchentag schlechthin. Das ist in den USA der Tag nach „Thanksgiving“, der vierte Donnerstag im November, an dem die Amerikaner sich zu ihrem Erntedank treffen - sowie dies die Pilgerväter der Mayflower zum ersten Mal 1621 taten, ein Jahr, nachdem sie von England aus in der „Neuen Welt“ angekommen waren. Dieser Freitag ist der umsatzstärkste Tag im Weihnachtsgeschäft - allerdings vor allem im stationären Handel.

Doch in diesem Jahr dürfte vor allem der Onlinehandel der große Gewinner sein. Denn die vierte Welle der Corona-Pandemie dürfte viele Verbraucher davon abhalten, in die Innenstädte zu strömen und dort die Rabatte auszunutzen. Der Internetgigant Amazon läutet den Schnäppchentag schon zum zweiten Mal am Donnerstag vorher ein. 

Verdi ruft zum Streik bei Amazon auf

Ein guter Zeitpunkt, um auf die Lage der Amazon-Beschäftigten aufmerksam zu machen, meint die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Sie hat deshalb die Mitarbeiter zum Streik aufgerufen - unter anderem in den Versandzentren Rheinberg, Koblenz und Graben bei Augsburg. Die Aktionen unter dem Motto „Make Amazon Pay“ seien Bestandteil eines weltweiten Aktionstages, den die internationale Dienstleistungsgewerkschaft UNI Global Union, der auch Verdi angehört, zum „Black Friday“ gegen die Ausbeutung durch Amazon organisiere, teilte die Dienstleistungsgewerkschaft mit. 

Amazon müsse zur Kasse gebeten werden, meint Orhan Akman, Fachgruppenleiter für den Einzel- und Versandhandel bei Verdi. Die Gewerkschafter werfen dem amerikanischen Konzern Steuervermeidung und Tariflosigkeit vor. Amazon bestreitet das. Als Arbeitgeber biete er „exzellente Bezahlung, exzellente Zusatzleistungen und exzellente Karrierechancen“. Mit spürbaren Auswirkungen rechne man nicht. Tatsächlich versucht Verdi schon seit Jahren, bei Amazon Flächentarifverträge des Einzel- und Versandhandels durchzusetzen - bisher ohne Erfolg. Amazon hält dagegen, man sei ein Logistikdienstleister - mit entsprechend niedrigeren Tarifen.

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Für die Aktionstage „Black Friday“ und den darauffolgenden „Cyber Monday“ erwartet der Handelsverband Deutschland (HDE) einen Gesamtumsatz von rund 4,9 Milliarden Euro. Das wäre ein Zuwachs von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Es ist absehbar, dass der Löwenanteil der durch die Aktionstage generierten Umsätze auch dieses Mal wieder auf Amazon und wenige andere Großkonzerne entfallen wird“, sagte Akman von Verdi. Auf der Strecke blieben kleinere Unternehmen, die keine Millionenetats für Werbung und Rabattschlachten aufbringen könnten.

Produkte wegen Lieferengpässe schwierig zu kriegen

Diese Einschätzung teilen grundsätzlich auch die Branchenexperten der DZ-Bank. Doch ganz so rosig sei die Lage auch für die Internethändler in diesem Jahr nicht, meinen sie. Der Grund sind die Lieferengpässe für bestimmte Produkte: „Der Onlinehandel mit Elektronik dürfte die Lieferprobleme besonders stark zu spüren bekommen“, schreiben sie in einer Studie. Das bedeute zwar nicht automatisch, dass dadurch der Umsatz im Weihnachtsgeschäft schrumpfen werde. Allerdings dürfte der tatsächlich real geringer ausfallen. 

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Der HDE erwartet für das Weihnachtsgeschäft einen Zuwachs um zwei Prozent auf 112 Milliarden Euro. Doch rechne man die aktuelle Inflation von 4,5 Prozent ein, so schreibt Studienautor Claus Niegsch, dann dürfte der Umsatz im Weihnachtsgeschäft bei realer Betrachtung eher schrumpfen. Selbst wenn man die Energiepreise herausrechnet, stiegen die Preise für Gebrauchs- und Verbrauchsgüter im Oktober immer noch um 3,7 Prozent. Für den November rechnet die Bundesbank inzwischen sogar mit fast sechs Prozent Preissteigerung (inklusive der Energiepreise).

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