Kritik

Mutter wird auf Behindertenparkplätzen angepöbelt

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 25.11.2021 15:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Falschparker auf Behinderten-Parkplätzen lassen schnell die Emotionen hochkochen. Nicht immer ist die Kritik jedoch berechtigt. Symbolfoto: Pixabay
Falschparker auf Behinderten-Parkplätzen lassen schnell die Emotionen hochkochen. Nicht immer ist die Kritik jedoch berechtigt. Symbolfoto: Pixabay
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Nicht immer ist ersichtlich, ob jemand auf einem Behindertenparkplatz stehen darf. Darunter muss eine Mutter aus Hinte leiden, die an pöbelnde Passanten appelliert. Das ist kein Einzelfall.

Hinte - „Ihre Kinder sehen ja gar nicht behindert aus!“ Sprüche wie diese muss Imke Feldkamp immer wieder ertragen, wenn sie ihren Wagen auf einem Behindertenparkplatz abstellt und von Passanten kritisiert oder sogar angepöbelt und angeschrien wird. Nun wendet sich die Hinteranerin an die Öffentlichkeit, um darauf aufmerksam zu machen, erklärt sie unserer Zeitung ihre Beweggründe. Es handle sich nämlich um ein generelles Problem, das auch viele andere Familien betreffe, in deren Haushalten Menschen mit körperlichen Einschränkungen leben, betont die Einzelhandelskauffrau.

Was und warum

Darum geht es: Behinderten-Parkplätze werden immer wieder von Menschen genutzt, die nicht das Recht dazu haben. Trotzdem sollte man die Verkehrsteilnehmer im Zweifelsfall vernünftig ansprechen, fordert eine betroffene Mutter.

Vor allem interessant für: Menschen mit Behinderungen sowie deren Angehörige, jedoch auch alle anderen Verkehrsteilnehmer

Deshalb berichten wir: Wir hatten über soziale Netzwerke von der Geschichte von Imke Feldkamp erfahren.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Sie hat zwei Kinder, von denen das eine eine seltene Behinderung hat und nicht laufen kann. Der Junge sei aber noch in einem Alter, in dem er – wie auch viele andere Kleinkinder – auf dem Arm getragen wird und die Behinderung nicht sofort auffällt. Die ist aber da, weshalb Feldkamp auch einen entsprechenden Parkausweis hinter der Windschutzscheibe ihres Autos liegen hat. Gleichzeitig ist ihr bewusst, dass viele Leute unerlaubt auf Behinderten-Parkplätzen stehen bleiben. Manche ohne Ausweis, während andere damit betrügen würden. Darum findet es die Mutter auch richtig, Verkehrsteilnehmer darauf anzusprechen, wenn diese verdächtig erscheinen. „Wenn sie einen ansprechen, dann aber bitte auf eine vernünftige Art und Weise“, appelliert die 37-Jährige.

Abwertende Blicke

Auch sollten die Passanten immer erst schauen, ob nicht doch ein Ausweis hinter der Windschutzscheibe liegt und das ganze seine Richtigkeit hat. So gebe es auch Menschen mit Gehbehinderungen oder anderen Leiden, denen man das nicht sofort anmerken könne. „Oft gucken die Leute gar nicht und sehen in meinem Fall nur eine Frau mit einem Zweijährigen auf dem Arm.“ Den Schwerbehinderten-Ausweis hingegen nicht. Oftmals seien es Passanten im Rentenalter, die sie kritisieren würden. Wenn sie angemacht werde, sei das das eine. Aber sie wolle nicht, dass ihre Kinder so etwas erleben müssen, betont Feldkamp. Darum hat sie sich inzwischen an den Behindertenbeirat des Landkreises Aurich gewandt, um Unterstützung bei der Sensibilisierung der Bevölkerung zu bekommen.

Bärbel Pieschke ist die Vorsitzende und die Sprecherin dieses Beirats, dem die Behindertenbeauftragten der Städte und Gemeinden des Landkreises Aurich angehören. Sie bestätigt, dass es sich um keinen Einzelfall handelt. Vor allem bei Familien mit Kleinkindern komme das vor – aus den von Feldkamp beschriebenen Gründen. Bei älteren Menschen hingegen falle eine Behindert schneller auf, auch weil diese entsprechende Einrichtungen hätten, um leichter ins Auto rein- und wieder rauszukommen. Betroffene wie die 37-Jährige hingegen würden nicht nur kritisiert werden, sondern ernteten oft auch abwertende Blicke, was ebenfalls nicht schön ist. Über den Fall von ihr wird inzwischen auch in den sozialen Medien diskutiert. Eine Frau sagt dort, dass ihr Mann schwer herzkrank sei, man ihm das aber nicht ansehen könne und er beim Parken ebenfalls kritisiert werde. Auch zwei Mütter melden sich zu Wort, von denen es die eine sogar mit dem Ordnungsamt zu tun bekommen hat, während ein älterer Herr besserwisserisch neben ihrem Wagen stand. Am Ende habe sich der Mitarbeiter des Ordnungsamts nach der Kontrolle des Behindertenausweises entschuldigt. Der Passant sei dann beleidigt „abgerauscht“.

Trotz Sonderausweis werden auch normale Parkplätze benötigt

Kritik müssen sich die Betroffenen allerdings auch dann anhören, wenn sie mit einem Behinderten-Parkausweis hinter der Scheibe ihr Auto auf einem normalen Parkplatz abstellen, weiß Pieschke. Das passiere aber gerade dann, wenn es ohnehin schon irgendwo voll sei, es an Behinderten-Parkplätzen mangle oder diese unerlaubt von Nichtberechtigten genutzt werden würden. Auch komme es vor, dass Räder die Flächen blockieren. Den Betroffenen bleibe dann nichts anderes übrig, als auf einen regulären Parkplatz auszuweichen, bittet die Vorsitzende um Verständnis. Kein Verständnis hat sie hingegen für Situationen, in denen Angehörige von Menschen mit Behinderung alleine unterwegs sind und deren Ausweis für Erledigungen nutzen. Das sei nicht in Ordnung. Auch sie selbst habe schon einen Mann darauf angesprochen, der das laut eigenen Angaben nicht gewusst habe.

Laut Pieschke verfügen etwa vier Prozent der Menschen im Landkreis Aurich über einen Parkausweis für Schwerbehinderte. Der Wert schwanke aber, da es auch befristete Ausweise gebe, die beispielsweise nach Beinbrüchen ausgestellt werden würden.

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