Osnabrück
Eugene Boateng über Flensburg und seine Rolle als Kommissar
Die neue Kulisse für den Donnerstagskrimi im Ersten: Flensburg. Der neue Kommissar: Eugene Boateng. Ein Polizist mit Leidenschaft fürs Spielen und für modische Kleidung.
Gleich in der ersten Szene, in der Antoine Haller zu sehen ist, wird der Zuschauer mit der Nase darauf gestoßen: Dieser Kommissar ist anders. „Hey“, schreit ein gerade Festgenommener, „darf der Schwarze das?“ - „Ja, der Schwarze darf das!“, schreit Haller (Eugene Boateng) zurück. Der Schauspieler aus Düsseldorf mit ghanaischen Wurzeln hält diesen Einstieg für richtig. „Es ist vielleicht nicht schön, aber einfach Realität, dass ein schwarzer Polizist anders wahrgenommen wird“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. „Wir nehmen diese Realität an und spielen auch ein bisschen damit.“
Gerade deshalb hat Boateng die Rolle so gerne angenommen. „Dass ich einen Kommissar spielen darf, finde ich großartig“, sagt er. Ja, schwarze Kommissare gab es vereinzelt seit Charles M. Huber beim „Alten“, aber trotzdem sei es „ein Riesenschritt für Deutschland“. Und einer, der Auswirkungen im realen Leben haben könnte. „Ich finde, solche Rollen dienen auch einem größeren Bild“, sagt Boateng. „Sie sollen Jüngeren Hoffnung machen, dass sie zum Beispiel bei der Polizei willkommen sind.“
Dass die neue Krimireihe in Flensburg spielt, hat dem Rheinländer eine ganz neue Gegend erschlossen. „Ich kannte Flensburg vorher nur von den Punkten für’s zu schnelle Fahren“, sagt er und lacht. Bei den Dreharbeiten habe sich hingegen eine viel sympathischere Seite aufgetan. „Wir haben während des Lockdowns gedreht“, sagt Boateng. „Überall war alles zu, aber weil in Schleswig-Holstein die Zahlen so gut waren, hatten hier die Cafés geöffnet und alles wirkte so frei und lebendig.“ Weniger überzeugt hat ihn das norddeutsche Wetter. „Es war nur an einem Tag warm“, erinnert er sich. „Als wir auf dem Boot gedreht haben, war es wirklich eisig. O, Gott, war es kalt…“
Das „Wir“ in diesem Krimi ist vor allem Hallers Chefin, Hauptkommissarin Svenja Rasmussen (Katharina Schlothauer). Sie kehrt in der ersten Folge nach einem völlig misslungenen Einsatz aus Hamburg in ihr altes Revier zurück, dorthin, wo auch ihr Vater und ihr Bruder als Polizisten gearbeitet haben. Mit einem traumatischen Ausgang, der als Nebenhandlung jede Menge Perspektiven für weitere Flensburg-Folgen bietet.
So ganz grün sind sich die neuen Kollegen Rasmussen und Haller (natürlich) nicht. Er fährt zu langsam Auto, sie lässt vom Kollegen sich siezen; er nimmt nicht gerne Anweisungen entgegen, sie hat nicht gerne Widerspruch. Und dann ist da noch Hallers Leidenschaft fürs Wetten, ein Hobby, das nicht zwingend zu einem Polizisten passt und dass gleich in der ersten Folge eher mit Pech verbunden ist. „Das geht mir genauso“, sagt Boateng und lacht. „Ich verliere immer, wenn ich um Geld spiele. Schon als Jugendlicher beim Fußball. Wenn wir gewettet haben, wer die meisten Tore schießt, habe ich garantiert nicht mehr getroffen.“
Außergewöhnlich an Haller ist auch sein Kleidungsstil. „Extrem chic, besonders die Schuhe und der Mantel“, sagt Eugene Boateng, der auch als Tänzer und Model arbeitet. „Haller legt Wert auf sein Äußeres, er will als gepflegt und elegant wahrgenommen werden.“ Und natürlich als guter Polizist, wie in diesem ersten Fall, in dem es um einen Dänen geht, der tot an der Flensburger Förde angespült wurde. „Ich fand das Drehbuch sehr schön“, sagt Eugene Boateng. Auch, weil es um eine Geschichte geht, die keine alltägliche Krimikost ist. „Ich glaube, dass das funktioniert: Krimi und Mitgefühl“, sagt Boateng. „Ich kenne das Drehbuch zum zweiten Film noch nicht. Aber es soll weitergehen und ich hoffe, dass es in dieser Art weitergeht.“
Flensburg-Krimi: Der Tote am Strand. Am Donnerstag, 25. November 2021, um 20.15 Uhr im Ersten