Osnabrück
Starker Tatort „Masken“ aus Dortmund: Fabers Wandlung
Wurde Zeit: Im Tatort „Masken“ aus Dortmund erleben wir heute Abend einen veränderten Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann). Prädikat: sehenswert.
Kennen Sie Pick-up-Artists? Das sind Männer, die sich in Testosteron-lastigen Seminaren beibringen lassen, wie man Frauen aufreißt, einmal mit ihnen schlafen und sie anschließend als wertlos betrachten. Eine ganz besonders sympathische Sorte Zeitgenossen also. Nicolas Schlüter war so einer. 28, verheiratet, werdender Vater - und Pick-up-Artist.
Der neue Dortmunder Tatort braucht eine Minute, dann ist der Typ tot. Beim Joggen überfahren von einem unbekannten Täter, der noch einmal zurücksetzt und ein zweites Mal über ihn rollt, als er sich zum letzten Mal in seinem Leben bewegt. Zynischerweise hat der Täter für seinen Mord den Wagen des Opfers benutzt.
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Schlüter war Streifenpolizist. Und nach ersten Befragungen der Dortmunder Kommissare Faber (Jörg Hartmann) und Bönisch (Anna Schudt) sowie ihrer Kollegen Pawlak (Rick Ozon) und Herzog (Stefanie Reinsperger) überall beliebt. Schnell ergeben sich allerdings Ermittlungsansätze. Schlüter hatte einem Zahnarzt, der nebenbei Pick-up-Seminare gibt, neun Knöllchen innerhalb von drei Monaten verpasst. Er hatte dem Kollegen, der ihn als seinen besten Freund bezeichnet, seine spätere Ehefrau ausgespannt. Und er hatte die Tochter seiner Chefin Katrin Steinmann (Anne Ratte-Polle) zu einem seiner Pick-up-Girls gemacht. Steinmann wiederum ist für Bönisch eine alte Bekannte - die beiden Frauen waren zusammen auf der Polizeischule.
Klingt komplizierter als es ist. „Masken“ ist ein eher konventioneller Krimi - ein Mord, ein Strauß Verdächtiger, Ermittlungen und dann das Finale. Es ist aber auch ein sehr gut erzählter Krimi, dessen Drehbuch (Arnd Mayer und Claudia Matschulla) Regisseurin Ayse Polat höchst überzeugend umgesetzt hat. Mit viel Lakonie in den Dialogen, aber auch unter die Haut gehend. Einziger Nachteil: Man ahnt relativ früh, wer’s war.
Sehenswert ist der Krimi aber auch wegen der sehr feinen Schilderung des Verhältnisses von Faber zu Bönisch, deren Affäre mit einem Kollegen aus der Rechtsmedizin bei dem Kommissar stille Implosionen der Eifersucht auslösen. Überhaupt wandelt sich der Wüterich, wird ruhiger, feinfühliger, sanfter als bei seinen bisherigen Auftritten.
Was vor allem Regisseurin Ayse Polat freut: „Nach neun Filmjahren bekommt der Kommissar seine erste Liebesszene und ich bin stolz, dass ich sie inszenieren durfte.“ Was natürlich nicht heißt, dass sich Faber gleich aller Marotten entledigt. Den viel zu großen Parka behält er weiterhin selbst beim Essen an. Ob er damit wohl auch schlafen geht?
So nach und nach arbeitet sich auch Stefanie Reinsperger als Rosa Herzog ins Team. Bei ihrem zweiten Auftritt hat sie vor allem mit dem Seelenheil des Kollegen Pawlak zu schaffen, dessen Ehefrau spurlos verschwunden ist und der sich nun zusammen mit der Schwiegermutter um seine Tochter kümmern muss. Die Fortsetzung dazu gibt’s dann in der nächsten Folge Anfang Januar.
Tatort: Masken. Das Erste, Sonntag, 28. November, 20.15 Uhr.
Wertung: 5 von 6 Sternen