Industrie
Delfzijl: Petrochemische Fabrik geplant
Im Gewerbepark Oosterhorn soll eine petrochemische Fabrik entstehen. Laut der Firma Clariter sollen hier Kunststoffe recycelt werden.
Delfzijl/Emden/Krummhörn - Der Chemiepark im Gewerbepark Oosterhorn nördlich von Delfzijl, nur wenige Kilometer Luftlinie von Emden und der Krummhörner Küstenlinie entfernt, soll weiteren Zuwachs bekommen. Die luxemburgische Firma Clariter S.A., die auch Niederlassungen in Polen, Israel und Südafrika hat, will hier eine petrochemische Abfallrecyclinganlage bauen. Der Umweltverträglichkeitsbericht kann noch bis Ende Dezember eingesehen werden.
Was und warum
Darum geht es: Die Pläne für eine Recyclingfabrik in Delfzijl können in Emden und der Krummhörn eingesehen werden.
Vor allem interessant für: Diejenigen, die sich für die Entwicklung des Chemieparks nahe Delfzijl interessieren.
Deshalb berichten wir: Uns war die Ankündigung für die Auslage der Pläne aufgefallen. Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de
In der geplanten Fabrik sollen Kunststoffabfälle mit einer von Clariter entwickelten Technologie in „hochwertige chemische Produkte für die Industrie umgewandelt“ werden, wie es im Bericht heißt. Laut Clariter werden aus den Kunststoffen Lösungsmittel, Öle und Wachse gewonnen beziehungsweise hergestellt, die dann wieder in der industriellen Produktion für beispielsweise Autowachse oder Kerzen verwendet werden können. Clariter bezeichnet sich selbst als umweltfreundliches „Clean-Tech“ unternehmen.
Kunststoffe würden sonst verbrannt
„Clariter will mit dem neuen Werk in Groningen dazu beitragen, die Ziele des Abfallrecyclings zu erreichen. Die geplante Anlage hat eine Produktionskapazität von 50.000 Tonnen/Jahr, basierend auf 8000 Produktionsstunden pro Jahr“, heißt es im Umweltverträglichkeitsbericht weiter. Die Fabrik soll direkt neben der immer wieder in der Kritik stehenden Anlage von ESD-SiC entstehen. Das Von Clariter angestrebte Verfahren ist das sogenannte „thermische Cracken“. Hierbei entsteht ein halbfestes Kohlenwasserstoffgemisch, was in weiteren Schritten hydriert und destilliert wird. Die nötigen Rohstoffe sollen laut Clariter mit dem Lkw angeliefert werden.
Das bei der Verarbeitung benötigte Prozess- und Abwasser soll durch die nahegelegene North-Water-Kläranlage aufbereitet und wieder als Prozesswasser genutzt oder in Oberflächengewässer abgeleitet werden. Besonders interessant für die ostfriesische Seite ist aber die Frage nach der Luftqualität. Clariter arbeite seit 18 Jahren an der Entwicklung technologischer Lösungen für das Problem des Plastikmülls. Die verwendeten Kunststoffabfälle würden normalerweise als Brennstoff in Verbrennungsanlagen oder in Zementöfen landen, so das Unternehmen.
Emden soll Stellung nehmen
Sowohl in Emden als auch in der Krummhörn gibt es immer wieder Beschwerden über Gerüche, die vermutlich aus dem niederländischen Industriepark herüberwehen. Außerdem wird unter anderem eine Belastung mit Siliziumkarbidfasern durch ESD-SiC befürchtet. „Die Hauptquelle der Luftemissionen sind die Rauchgase der Verbrennungsanlage“, heißt es zum Clariter-Vorhaben.
Dabei komme es auch zur Absonderung von Stickstoff in die Luft, wie dem Bericht zu entnehmen ist. „Es wird untersucht, wie die Emissionen durch den Einsatz von Varianten wie einer de-NOx-Installation und Rauchgasreinigung beeinflusst werden können.“ Zu einer zusätzlichen Geruchsbelastung, über die bisher bestehende Geruchsbelastung hinaus, soll es nicht kommen.
Die Bürgerinitiative „Saubere Luft Ostfriesland“ werde sich, so heißt es auf Nachfrage, die Pläne noch ansehen. Auch in der Stadt Emden hat FDP-Ratsherr Erich Bolinius schon gemahnt, dass die Stadt Stellung zu den Plänen nehmen und ferner die Politik genau informieren solle.
Die Pläne zur petrochemischen Fabrik können noch bis zum 23. Dezember an folgenden Stellen eingesehen werden:
- Stadt Emden, Verwaltungsgebäude II, Ringstraße 38b, Fachdienst Stadtplanung, Zimmer 212, nur nach telefonischer Voranmeldung unter 04921/871416 oder per E-Mail unter stadtplanung@emden.de
- Gemeinde Krummhörn, Rathaus, Rathausstraße 2, Besprechungszimmer, nur nach telefonischer Voranmeldung unter 04923/916129 oder per E-Mail unter akkermann@krummhoern.de
- Stadt Borkum, Rathaus, Neue Straße 1, Ordnungsamt, Zimmer 6, nur nach telefonischer Voranmeldung unter 04922/303-225 oder per E-Mail unter eike.mueller@borkum.de
Außerdem ist der Umweltverträglichkeitsbericht in deutscher Sprache online abrufbar (pdf).