Leicester/Göttingen
Alzheimer: Forscher finden Antikörper und möglichen Impfstoff
Für Alzheimer gibt es bisher keine effektive Behandlung. Ein Team aus britischen und deutschen Wissenschaftlern hat nun einen neuen Ansatz gefunden, der die Therapie verbessern und sogar eine Impfung ermöglichen könnte.
Mindestens 30 Millionen Menschen sind weltweit von Alzheimer betroffen. Bei der Krankheit handelt es sich um die weltweit häufigste Form von Demenz. Ihre Häufigkeit nimmt mit dem Alter deutlich zu, darum wird sie in alternden Gesellschaften zu einer immer größeren Herausforderung.
Die Gehirn-Erkrankung führt bei Betroffenen zu einem schrittweisen und unumkehrbaren Gedächtnisverlust und einem Verlust des Urteilsvermögens. Geistige Funktionen wie Denken, Sprache oder Orientierung werden immer weiter eingeschränkt. Im weiteren Verlauf führt die Krankheit zum Tod.
Seit Jahrzehnten wird an Alzheimer intensiv geforscht, die Erfolge sind allerdings begrenzt. Eine Heilung der Krankheit ist bis heute nicht möglich. Nun hat ein internationales Team aus Wissenschaftlern einen neuen und vielversprechenden Ansatz entwickelt, der die Behandlung von Alzheimer-Patienten revolutionieren könnte.
Neuer Impfstoff zeigte Erfolg bei Mäusen
Ein Team aus Forschern der University of Leicester und der Universität Göttingen hat in einer Studie eine auf Antikörpern basierende Behandlung und einen neu entwickelten Impfstoff gegen Alzheimer an Mäusen getestet. Die Ergebnisse veröffentlichten sie in der Fachzeitschrift „Molecular Psychiatry“.
Bisherige Behandlungsansätze mit Antikörpern hätten wenig Erfolg gezeigt und teilweise auch negative Nebenwirkungen gehabt, erklärte Studienautor Prof. Thomas Bayer von der Universitätsmedizin Göttingen in einer Pressemitteilung. Deswegen hätten die Forscher einen anderen Ansatz gewählt, indem sie die Antikörper so anpassten, dass sie vom menschlichen Immunsystem nicht als fremd angesehen und somit akzeptiert wurden.
Das Ergebnis: Die Antikörper bewirkten bei Mäusen mit Alzheimer, dass die Funktion von Nervenzellen wiederhergestellt, der Zuckerstoffwechsel erhöht und der Gedächtnisverlust minimiert wurde. Außerdem wurde die Bildung von sogenannten Amyloid-beta-Plaques reduziert, die als Auslöser für die Krankheit gelten.
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Die von den Forschern entwickelten Antikörper unterscheiden sich deutlich von bisher getesteten Antikörpern oder Impfstoffen, schreibt Dr. Preeti Bakrania von der britischen „LifeArc“ Forschungsorganisation in der Pressemitteilung.
Die Wissenschaftler sind jetzt auf der Suche nach einem kommerziellen Partner, um den therapeutischen Antikörper und den Impfstoff in klinischen Studien testen zu können. Wenn sich die Ergebnisse in klinischen Studien mit Menschen reproduzieren ließen, würde dies neue Möglichkeiten im Umgang mit Alzheimer eröffnen, erklärte der Studienautor Prof. Mark Carr.
So könnte man nicht nur die Symptome der Krankheit effektiv behandeln, sondern es sei auch eine Impfung denkbar, die verabreicht werden könne, bevor überhaupt erste Symptome auftreten.