Welttoilettentag
Drauf gesessen! Wie ist es um Emdens öffentliche stille Örtchen bestellt?
Der 19. November ist der Weltoilettentag. Die Emder Redaktion hat dies zum Anlass genommen, sich die öffentlichen Klos in Emden näher anzusehen. Mit überraschenden Ergebnissen.
Emden - Neugierig beobachten die Taxifahrer am Emder Bahnhof, was die beiden Gestalten da am Toilettencontainer treiben. Die beiden, das sind Heiko Müller und Claus Hock von der Emder Redaktion. Ihr Auftrag: Probesitzen! An diesem Freitag ist Welttoilettentag und die beiden Reporter wollen herausfinden, ob die öffentlichen Toiletten in Emden eher dem Klischee entsprechen oder tatsächlich nutzbar sind.
Vor dem „Klogang“, bei dem die Toiletten am Bahnhof, im Parkhaus und am Stadtgarten begutachtet werden sollen, gehen die Diskussionen schon los. Desinfektionsmittel mitnehmen? Ist es von Vorteil, wenn die Nase etwas dicht ist oder wird der unangenehme Geruch sowieso überbordend sein?
Am Bahnhof: kalt, wenig Platz
Das erste stille Örtchen: die Bahnhofstoiletten! Und dann auch noch ein Container außerhalb des Gebäudes, das kann ja nichts werden! So war zumindest die Einstellung auf dem Weg zu dem Behelfscontainer. Erinnerungen an das mittlerweile gesperrte Toilettenhäuschen am Emder Bahnhof werden wach. War nie schön und nur in ganz dringenden Notfällen zu empfehlen. Man traute sich auch gar nicht hinein, weil man befürchtete, nicht wieder herauszukommen. Beim Öffnen des Containers dann die Überraschung: Ist ja doch ziemlich sauber hier. Nur kalt, denn weder Heizung noch Warmwasserboiler sind angeschlossen.
Das stille Örtchen an sich: Sieht ja ganz normal aus – nur etwas wenig Platz. „Drei bis viermal am Tag wird es gereinigt“, sagt Taxifahrer Günther Strohberg, der mit seinem Taxi direkt vor dem WC-Container auf Fahrgäste wartet. Die Klos seien auch viel frequentiert. „Da geht einiges durch“, bestätigt sein Kollege Frank Wehe. Nur Rollstuhlfahrer hätten es schwer, ohne fremde Hilfe in die Behindertentoilette des Containers zu kommen, sagen die Chauffeure. Die Rampe ist eng und die Tür des WCs geht nach außen auf: „Wenn wir das sehen, helfen wir.“ Frank Wehe blickt auf das gegenüberliegende Parkhaus und gibt den Reportern den Tipp: „Die Klos dort sind sehr gepflegt.“ Viele wüssten aber gar nicht, dass es dort welche gibt. Auch für Heiko Müller, einem gebürtigen Emder, ist das „Neuland“.
Im Parkhaus: Mit Ausblick
Im Gegensatz zu den anderen getesteten Toiletten sind die Anlagen im Parkhaus am Wasserturm kostenpflichtig. 20 Cent kostet es, die Tür zu öffnen. Und nur 20 Cent, wer kein passendes Kleingeld dabei hat, hat ein Problem oder muss die Chance nutzen, wenn zufällig gerade jemand die Toilette verlässt.
Dafür erwartet einen im Innern vor allem viel Platz. Zwei Pissoirs, am Bahnhof gibt es nur eines, und eine Sitztoilette. Auf dieser hat man auch jede Menge Platz – nur zu gucken gibt es nicht viel. Denn auch bei der Wandverzierung bleibt diese Toilette hinter den Klischees zurück. Kein „Ich war hier“ auf den weißen Kacheln, keine Telefonnummern „einsamer“ Menschen, keine Liebesbekundungen für Menschen, Tiere oder Kickers Emden. Also Zeitung mitbringen, wenn es mal länger dauert. Beim Händewaschen, gerade in der jetzt kühleren Jahreszeit, die nächste Überraschung: Es gibt sogar heißes Wasser! Während man sich die Hände abtrocknet, kann man übrigens durch ein „Bullauge“ in das Parkhaus gucken. Hände waschen mit Aussicht quasi.
Am Stadtgarten: sauber, aber...
Entspricht denn keine der drei Anlagen den wilden Vorstellungen der Reporter? Denn öffentlichen Toiletten hängt schließlich das Image an, schmuddelig, übelriechend und irgendwie etwas unheimlich zu sein. Die Unisex-Toilette am Stadtgarten kommt zumindest vom Aussehen her an die Vorurteile heran. Kalter Stahl (wahrscheinlich eher Aluminium oder ein anderes Metall) dominiert alle „wasserführenden“ Einrichtungen. Erinnert ein bisschen an Gefängnis, nur sauberer. Warmes Wasser ist hier Fehlanzeige und im Vorraum kann es schon etwas eng werden, wenn Pissoir- und Schüsselbenutzer gleichzeitig fertig werden.
Statt Klobrille gibt es am Stadtgarten allerdings nur nicht-durchgehende Abstandshalter, die ein Auftreffen der Pobacken auf das kalte Metall verhindern sollen. So richtig wohl ist einem allein schon beim Anblick aber nicht. Von der „Aufenthaltsqualität“ gesehen, bekommt das Stadtgarten-Klo daher nicht sonderlich viele Punkte. Dafür sind die „inneren Werte“ zufriedenstellend. Es ist genug Klo- und Handtuchpapier da und sogar eine Klobürste ist vorhanden. Auch in puncto Sauberkeit gibt es eigentlich nichts zu meckern. Der fast leere Mülleimer könnte ein Indiz dafür sein, dass die jüngste Reinigung nicht lange zurückliegt.
Ernster Hintergrund
Was hier mit einem Augenzwinkern erzählt wird, hat übrigens einen ernsten Hintergrund. Beim Welttoilettentag handelt es sich nämlich nicht um einen Jux, auch wenn es zunächst so klingt. 2001 wurde der Tag erstmals von der Welttoilettenorganisation ausgerufen, 2013 beschloss die Generalversammlung der Vereinten Nationen, den 19. November offiziell zum Welttoilettentag zu machen. Denn die Welttoilettenorganisation setzt sich dafür ein, sanitäre Anlagen weltweit zu verbessern und für mehr Hygiene zu sorgen.
Der Deutsche Ableger, die German Toilet Organisation (GTO), wurde 2005 gegründet und ist laut Internetseite in den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit, Humanitäre Hilfe, Gesundheit und Umweltschutz als gemeinnütziger Verein aktiv. Seit 2019 arbeitet die GTO zusammen mit der Universität Bonn an einer Studie zum Zustand der Schultoiletten in Berlin.