Gesundheit
Corona-Alarm im Awo-Wohnpark in Wiesmoor
Obwohl fast alle von ihnen doppelt geimpft sind, haben sich rund 20 Bewohner und Pflegekräfte des Awo-Wohnparks in Wiesmoor mit dem Corona-Virus infiziert. Auch sonst steigen in der Stadt die Fallzahlen.
Wiesmoor - Die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus ist in Wiesmoor in den vergangenen Tagen rasant gestiegen. Woran liegt dieses dynamische Übertragungsgeschehen? Besonders im Fokus steht dabei aktuell der Awo-Wohnpark. Dort waren am vorigen Freitag zunächst sieben Bewohner sowie eine Mitarbeiterin per PCR-Test positiv auf Covid-19 getestet worden.
Was und warum
Darum geht es: In einem Pflegeheim in Wiesmoor gibt es zahlreiche Impfdurchbrüche.
Vor allem interessant für: Wiesmoorer und Angehörigen der Bewohner des Awo-Wohnparks.
Deshalb berichten wir: In der Vorwoche waren sieben Bewohner und eine Mitarbeiterin des Pflegeheims bei einem PCR-Test positiv auf Covid-19 getestet worden. Parallel sind die Infektionszahlen in Wiesmoor deutlich hochgeschnellt. Wir haben daher nachgefragt. Den Autoren erreichen Sie unter: o.cordsen@zgo.de
Nachdem am Montag das Gesundheitsamt Aurich eine Reihentestung aller Bewohner in der Einrichtung erfolgte, hat sich die Zahl der nachweislich Erkrankten erhöht. Der Landkreis Aurich teilt 20 erkrankte Bewohner sowie drei betroffene Pflegekräfte mit, der Awo-Wohnpark spricht von 17 infizierten Bewohnern. Die Differenz ließ sich am Donnerstag nicht mehr auflösen. So oder so: Ein Drittel der insgesamt 61 aktiven Corona-Fälle Wiesmoors konzentrieren sich also auf das Pflegeheim. Zum Vergleich: In der Gemeinde Großefehn sind es bei fast gleicher Einwohnerzahl von gut 13.000 nur knapp ein Drittel der Fälle.
Bislang vorwiegend milde Verläufe
„Die Verläufe der Krankheit sind bislang fast durchgehend mild, viele zeigen gar keine oder nur schwache Symptome – zumal fast alle der Betroffenen doppelt geimpft sind“, sagte die Leiterin der Einrichtung, Beate Gressler, auf Nachfrage. „Einer Bewohnerin, die vorher schon angeschlagen war, geht es leider nicht sehr gut. Sie hatte sich auf eigenen Wunsch auch nicht impfen lassen. So fatal der Durchbruch des Virus trotz der ansonsten äußerst hohen Impfquote für uns auch ist, ist es aber zumindest beruhigend, dass es allen Anderen trotz der Infektion so weit gut geht.“
Eine Sprecherin des Awo-Bezirksverbands Weser-Ems ergänzte: „Alle 63 Bewohnerinnen und Bewohner sind bis auf Weiteres in Quarantäne auf ihren Zimmern. Zunächst bis zur nächsten Woche. Am kommenden Montag soll es eine erneute Reihentestung geben“, sagte sie und ergänzte: „Wir stehen in ständigem Kontakt mit dem Gesundheitsamt. Weder wir noch die Behörden haben bisher nachvollziehbar klären können, wie das Virus in unsere Einrichtung getragen worden ist. Aber alle bemühen sich nach Kräften, jede weitere Infektion zu vermeiden und zugleich den alten Menschen die Zeit auf ihren Zimmern zumindest so angenehm wie möglich zu gestalten.“ Für diese sei die aktuelle Virusausbreitung auch deshalb schwierig, weil für die Zeit der Quarantäne natürlich auch direkte Begegnungen mit Familie oder Freunden nicht mehr direkt, sondern nur telefonisch möglich sind. „Unsere Mitarbeiter, auch die, die nicht in Quarantäne sind, versuchen auch freiwillig alles, um Kontakte einzuschränken und weitere Infektionen zu verhindern. Es sind alle sehr betroffen, das geht einem schon an die Nieren“, so die Sprecherin.
Auch Schüler unter den Infizierten
Zwölf der aktuell in Wiesmoor an Corona Erkrankten gehen an der örtlichen KGS zur Schule, drei Kinder an der Grundschule Wiesmoor-Mitte sind ebenfalls betroffen, bestätigte der Wiesmoorer Ordnungsamtsleiter Horst-Dieter Schoon auf Anfrage. Auch an der Grundschule Ottermeer sind laut Landkreis Kinder an Corona erkrankt. Der Kreis nannte dazu keine Zahlen. „So, wie es aussieht, haben alle Kinder und Jugendlichen sich aber in der Freizeit und Familie und nicht im Unterricht angesteckt. Dies ändert nichts daran, dass die gesamte Entwicklung besorgniserregend ist, aber es nährt die Hoffnung, dass die Hygienemaßnahmen in unseren Schulen grundsätzlich funktionieren.“ Es seien vorerst vonseiten des Gesundheitsamtes die Kontaktpersonen in Quarantäne geschickt worden, „aber noch nicht ganze Klassen oder Jahrgänge“.
Man stehe in engem Austausch mit dem Gesundheitsamt des Kreises Aurich. Die Leitung der KGS habe unterdessen noch einmal einen Rundbrief an alle Eltern verfasst und verschickt, um nochmals verstärkt darauf zu drängen, die für den Infektionsschutz nötigen Hygieneschritte und Abstandsregeln auch einzuhalten. „Wir tun alles, was wir können und wir wollen unbedingt ermöglichen, dass der Unterricht in Präsenz weiter erfolgen kann. Ein weiterer Lockdown wäre nicht gut“, sagte Schoon. „Die gesamte Situation und vor allem die Entwicklung macht einen aber schon ein Stück weit bange.“
Dynamik im ganzen Landkreis
Konkrete Infektionswege ließen sich laut Landkreis nicht ausmachen. Es sei so, „dass sich die Dynamik des Infektionsgeschehens nicht auf Wiesmoor beschränkt, sondern nahezu das gesamte Kreisgebiet umfasst. Es betrifft alle Bereiche, den privaten ebenso wie den beruflichen“.
So gibt es in Bildungseinrichtungen laut Landkreis aktuell auch Coronafälle an der Grundschule Hage, der KGS Großefehn, den BBS 1 und 2 in Aurich, der Grundschule und dem Kindergarten in Strackholt, der Grundschule im Spiet und der Linteler Schule in Norden sowie der Grundschule Norderney.