Weltklimakonferenz

Klimaaktivist: Ostfriesen können sich nicht zurücklehnen

Nikola Nording
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Von Nikola Nording
| 18.11.2021 18:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Klimaaktivisten von Fridays for Future demonstrierten auch in Glasgow für ihre Forderungen. Foto: Pezzali/DPA
Die Klimaaktivisten von Fridays for Future demonstrierten auch in Glasgow für ihre Forderungen. Foto: Pezzali/DPA
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Mischa Lauterbach von Fridays for Future Leer kritisiert die Ergebnisse der Weltklimakonferenz in Glasgow. Die Maßnahmen reichten nicht weit genug. Und er nimmt auch die Ostfriesen in die Pflicht.

Leer - Prinzipiell große Hoffnung, aber wenig Verwunderung darüber, wieder enttäuscht worden zu sein – so beschreibt Mischa Lauterbach von Fridays for Future Leer die Gefühle der Klimaaktivisten im Bezug auf die am Wochenende zu Ende gegangenen Weltklimakonferenz in Glasgow. Bei der UN-Klimakonferenz in Schottland hatten sich die etwa 200 beteiligten Länder auf einen schrittweisen Ausstieg aus der Kohle verständigt. Außerdem wurde festgehalten, dass der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase weltweit in diesem Jahrzehnt um 45 Prozent sinken muss, wenn das 1,5-Grad-Limit erreicht werden soll.

Was und warum

Darum geht es: Die Weltklimakonferenz ist gerade in Glasgow zu Ende gegangen. Mischa Lauterbach engagiert sich in Ostfriesland für den Klimaschutz. Er ist mit den Ergebnissen nicht zufrieden.

Vor allem interessant für: Klimaschutzinteressierte und -kritiker

Deshalb berichten wir: Die Organisatoren von Fridays for Future protestieren regelmäßig in Leer, um auf den Klimaschutz aufmerksam zu machen. Wir haben sie gefragt, was sie von den Ergebnissen aus Glasgow halten.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.nording@zgo.de

Mit den Plänen, die in der schottischen Stadt gefasst wurden, wird das aber nichts, ist sich Lauterbach sicher. Selbst war er nicht in Glasgow. Die Delegation von Fridays for Future Deutschland hielt ihre Mitglieder jedoch ständig über die Entwicklungen auf dem Laufenden. „Das 1,5-Grad-Ziel ist schon vor sechs Jahren in Paris gefasst worden“, sagt er. Doch mit den Ergebnissen der Konferenz käme man höchstens bei 2,4 Grad an. Dabei wären 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit der Höchstwert, um die Auswirkungen auf die Weltbevölkerung aufgrund der Klimaveränderung noch moderat zu halten. „Wir haben jetzt schon Menschen, die wegen des Klimas flüchten müssen oder sogar sterben“, so Lauterbach deutlich.

Torfabbau großes Problem

Die Klimaschutz-Organisation hatte keine großen Erwartungen an die Konferenz. „Es ist gut, wenn dieses Thema zumindest zwei Wochen im Jahr in den Fokus gerät“, sagt er. Die Klimaaktivisten hätten es auch toll gefunden, meint er, wenn echte Maßnahmen beschlossen worden wären, „aber wir hatten nichts anderes erwartet.“ Immerhin: Der Kohleausstieg sei ein guter Anfang. „Obwohl kurz vor Schluss die Formulierung noch abgeschwächt wurde“, sagt er. Statt von einem kompletten Kohleausstieg („Coal out“) steht nur noch das Herunterfahren („Coal down“) in der Abschlusserklärung.

Mischa Lauterbach von Fridays for Future in Leer kritisiert die Ergebnisse der Weltklimakonferenz. Foto: Mielcarek/Archiv
Mischa Lauterbach von Fridays for Future in Leer kritisiert die Ergebnisse der Weltklimakonferenz. Foto: Mielcarek/Archiv

Der Student lässt im Übrigen Stimmen nicht zu, die die Schuld an den Klimaauswirkungen in anderen Ländern suchen. „In Deutschland ist der CO2-Ausstoß pro Kopf dreimal so hoch wie in Indien“, sagt er. Wenn alle Länder so wären wie Deutschland, bräuchte man dreieinhalb Erden. „Wir müssen noch mehr tun. Deutschland darf es sich da nicht bequem machen“, sagt er. Gerade als reiches Land habe man die Verantwortung, mehr zu machen. Man könne doch Ländern wie Angola nicht scharfe und teure Klimaschutzmaßnahmen auferlegen, die kaum Anteil an der Misere hätten. „Fridays for Future geht es ganz klar um Klimagerechtigkeit“, sagt er.

Auswirkungen in 50 Jahren

Auch die Ostfriesen müssten beim Klimaschutz ehrlicher zu sich sein. „Sechs Prozent der weltweiten CO2-Emmissionen stammen aus dem Torfabbau“, sagt Lauterbach. Dieser würde in Ostfriesland, dem Emsland und im Ammerland noch immer praktiziert. Auch der Autobahnbau sei noch immer ein Problem. „Bei Westerstede soll der erste Teil der neuen Autobahn 20 entstehen. Ein Verzicht wäre kostenloser Klimaschutz“, sagt er. In Ostfriesland werde man den Klimawandel vielleicht erst in 50 Jahren richtig spüren, in anderen Teilen Deutschlands sei er jetzt schon real. „Die Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und in Rheinland-Pfalz hat das doch gezeigt“, sagt er.

Lauterbach und seine Mitstreiter von Fridays for Future in Leer hoffen, dass die künftige Bundesregierung den Fokus stärker auf die Klimamaßnahmen legen wird. Es wäre enttäuschend, wenn in Glasgow viel geredet werden würde, aber nichts passiert. Das habe auch der französische Präsident Emanuel Macron in seiner Rede sehr gut beschrieben.

Der Student hofft, dass auch Taten folgen. Allerdings ist er sich ziemlich sicher: „Die Maßnahmen müssen auf der Straße erkämpft werden.“

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