London

Studie weckt Hoffnung auf effektiveren Corona-Impfstoff

Laurena Lynn Erdmann
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Von Laurena Lynn Erdmann
| 18.11.2021 12:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In Londoner Klinikpersonal konnten T-Gedächtniszellen nachgewiesen werden. Foto: imago images/UIG
In Londoner Klinikpersonal konnten T-Gedächtniszellen nachgewiesen werden. Foto: imago images/UIG
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Eine Studie aus London untersuchte Klinikpersonal, das obwohl es dem Coronavirus ausgesetzt war, sich nicht ansteckte. Wieso die Studie Hoffnung auf bessere Impfstoffe macht.

Besonders Klinikpersonal hat seit Beginn der Pandemie immer wieder Kontakt zu dem Coronavirus gehabt. Dennoch gibt es Ärzte und Pfleger, die nie positiv getestet wurden, obwohl sie dem Virus ausgesetzt waren. Die Forscher des Colleges der Universität London vermuten in einer Studie, die im Wissenschaftsmagazin „nature“ veröffentlicht wurde, dass dafür sogenannte T-Gedächtniszellen verantwortlich seien. Möglicherweise konnten sie eine Infektion abwehren und die Menschen so gegen Corona immun machen. 

Londoner Studie untersuchte Klinikpersonal 

Für die Londoner Studie wurden die Blutwerte von 60 Menschen ausgewertet, die in Kliniken arbeiten und somit dem Coronavirus stark ausgesetzt waren. Von den 60 Studienteilnehmern ist weder ein PCR-Test positiv ausgefallen noch konnten bei ihnen Antikörper nachgewiesen werden. Den Forschern ist jedoch aufgefallen, dass sich in 20 Ärzten und Pflegern, die überwacht wurden, T-Zellen vermehrt haben. Dies könne darauf hindeuten, dass das Immunsystem möglicherweise eine Infektion bekämpft. Außerdem wurden bei 19 Studienteilnehmern nachgewiesen, dass ein Immun-Protein, genannt IFI 27, vermehrt aufgetreten ist, was auf einen früheren Kontakt mit dem Corona-Virus hinweisen könnte. Daraus schließen die Forscher, dass es möglicherweise zu „abortive infections“ kam, also zu einem Infektionsabbruch. Das wiederum würde bedeuten, dass das Virus zwar in den Körper eindrang, aber so schnell abgetötet wurde dass es nicht zu einer Infektion kam. Der Virologe, Shane Crotty, der nicht an der Studie beteiligt war, kommentiert die Studie: „Ich habe noch nie so etwas gesehen. Es ist wirklich überraschend, dass T-Zellen eine Infektion vielleicht so schnell kontrollieren können.“

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T-Zellen schon vor der Pandemie im Körper

Die T-Zellen konnten auch in Blutproben entdecken werden, die vor der Pandemie entnommen wurden. Daraus zogen die Forscher die Vermutung, dass die Zellen bereits bei einer vorherigen Infektionen mit anderen Coronaviren gebildet wurden, die eine normale Erkältung hervorrief. 

Wie die Erkenntnis die Impfung verbessern könnte

Wenn nun die T-Zellen und somit auch die mit einhergehende Sicherheit in einen Impfstoff kopiert werden könnte, wären diese wahrscheinlich deutlich effektiver. Die T-Zellen können einen anderen Teil des Virus erkennen als die jetzigen Impfungen. Impfstoffe greifen das Spike-Protein an, das äußerlich die Virushülle bedeckt. T-Zellen entgegen können in das Virus „hineinschauen“ und die Proteine finden, die für die Vermehrung der Viren verantwortlich sind (Replikations-Komplex). So könnten Infektionen vorzeitig abgebrochen werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Replikationskomplex bei den meisten Coronaviren gleich ist. Die Spike-Proteine hingegen unterscheiden sich bei jedem Coronavirus. Wenn nun also die Vermehrungs-Proteine von einem Impfstoff angegriffen werden, könnten Impfstoffe womöglich gegen alle Coronaviren und auch neue Varianten schützen. 

Der Forscher Alexander Edwards von der University of Reading sagte gegenüber BBC: „Erkenntnisse dieser Studie könnten entscheidend sein für neue Arten von Impfstoffen.“

Beobachtung muss weiter untersucht werden

Noch sind viele Fragen offen. Beispielsweise ist unklar, warum T-Zellen nur bei manchen Erkältungen gebildet werden. Andere Wissenschaftler werfen ein, dass gar nicht bewiesen sei, dass die Studienteilnehmer dem Coronavirus ausgesetzt waren. Dem widersprechen die Studienautoren. Sie gehen nicht von einem Zufall aus, da die Forscher zu der Zeit, in der die Corona-Zahlen anstiegen mehr T-Zellen im Blut entdeckt haben. Ein weiterer Einwand ist die geringe Anzahl an Studienteilnehmer, so ist es schwierig, allgemeingültige Schlüsse zu ziehen. 

Die Ergebnisse müssen noch weiter überprüft werden. Crotty erklärt, dass die These an Tieren getestet werden soll. Auch Mitautorin Mala Maini sagt, dass auch eine Studie, bei der Menschen mit dem Coronavirus infiziert werden, hilfreich wäre, um zu erkennen, ob T-Zellen eine Infektion wirklich frühzeitig abbrechen können.

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